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Ostholstein Kein Wahlbonus für die Gegner des Belttunnels
Lokales Ostholstein Kein Wahlbonus für die Gegner des Belttunnels
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23:15 23.09.2013
Als Sieger des Wahlabends will Ingo Gädechens weiter für modellhaften und innovativen Lärmschutz an der Beltschiene kämpfen. Quelle: Foto: hm

SPD- Herausforderin Bettina Hagedorn haben ihre Großflächenplakate „Feste Querung — Nein Danke“ im Anti- Atomkraft-Stil offenbar nichts genützt. Gegenüber der Bundstagswahl von vor vier Jahren konnte CDU-Mandatsinhaber Ingo Gädechens seinen Vorsprung mehr als verdoppeln. Der Fehmaraner Gädechens ist trotz — oder vielleicht auch genau wegen — seines Umgangs mit der Gestaltung den Beltschiene wieder als Direktkandidat in den Bundestag eingezogen. Zum Entsetzen eines Teils der Bürgerinitiativen.

„Es ist für mich unbegreiflich wie derjenige, der ganz klar sagt, dass das Ding kommt, mit so einem deutlichen Vorsprung das Direktmandat in Ostholstein gewinnt“, sagt Kerstin Fischer von der Bürgerinitiative „Ratekau wehrt sich“. Zwar sei die Beltschiene nicht das einzige Thema des Wahlkampfes, aber ein großes gewesen. Und die Kampagne der Befürworter, angeblich nichts mehr am Bau des Tunnels ändern zu können, habe offenbar gefruchtet. Für Peter Ninnemann, „Tourismusort statt Transitort“- Aktivist und SPD-Ortsvorsitzender in Timmendorfer Strand, ist die Diskussion um die „2+1-Trasse“ schuld am Erfolg von Gädechens und der Wiederwahl von Volker Owerien zum Bürgermeister in Scharbeutz. „Owerien und Gädechens sind mit der Aussage in den Wahlkampf gegangen, sich für eine Alternativtrasse einzusetzen“, sagt Ninnemann. Das sei vom Bürger natürlich freudig aufgenommen worden. Der Überbringer der schlechten Nachricht, obwohl nicht Verursacher, sei vom Volk hingegen abgestraft worden.

Seine eigene Sichtweise hat Michael Dietz von der Initiative „Kein Güter-Bahn-Verkehr durch die Lübecker Bucht“ aus Scharbeutz. „Alle Kandidaten haben im Vorfeld gesagt, dass sie eigentlich gegen die Querung seien. Nur einige hätten eben akzeptiert, dass die Querung kommen wird“, sagt Dietz. Daher habe die Beltquerung nur eine geringe Rolle gespielt und die Bürger hätten aufgrund der Themen entschieden, die sonst bei einer Wahl für sie eine Rolle spielten, führt Dietz weiter aus. Damit bewertet er den Wahlausgang ähnlich wie Bettina Hagedorn.

„Ich habe mit meiner Ablehnung der festen Beltquerung keinen Wahlkampf gemacht“, überrascht Hagedorn. Sie sei einfach immer schon dagegen gewesen. Und daher hätte sie die „Nein-Danke- Plakate“

eigentlich auch vor vier Jahren so aufstellen können. „Nur das Thema stand damals nicht so im Mittelpunkt wie jetzt“, relativiert Hagedorn ihre vorangegangenen Aussagen. Sie werde sich auch künftig weiter für die Belange der Beltgegner einsetzen und deren Ansprechpartner sein — für die Befürworter sei nun Ingo Gädechens zuständig. „Der ist schließlich der gewählte Direktvertreter“, sagt Hagedorn.

„Natürlich war die Beltquerung das zentrale Wahlkampfthema, auch wenn ich das im Vorfeld nicht erwartet hätte“, sagt Gädechens. Aber es habe Podiumsdiskussionen dazu gegeben, die Bürgerinitiativen hätten mit den Abgeordneten gesprochen und letztlich habe vor allem Bettina Hagedorn durch ihre Plakataktion die feste Beltquerung zum großen Thema gemacht. „Leider ist Wahlkampf mit den Ängsten der Menschen gemacht worden. Das finde ich bedauerlich“, sagt Gädechens. Umso bemerkenswerter sei für ihn, dass er in den meisten von der Beltschiene betroffenen Orten teilweise deutlich gewonnen habe. „Mein pragmatischer Umgang mit dem Problem ist da offensichtlich besser angekommen“, sagt Gädechens. Sein Ziel sei es nun, den Bau der Beltschiene als Modellprojekt in Sachen innovativem Schallschutz auch im Koalitionsvertrag zu verankern. Die Bahn müsse das als Herausforderung begreifen, so Gädechens.

„Leider wurde mit den Ängsten der Menschen Wahlkampf gemacht.“
Ingo Gädechens (CDU)

Holger Marohn

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