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Ostholstein Keine Chance für den alten Bahnhof
Lokales Ostholstein Keine Chance für den alten Bahnhof
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10:57 21.11.2018
Verkehrs- und Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) erteilte dem Wunsch, den Timmendorfer Bahnhof zu erhalten, eine Absage. Quelle: Peyronnet
Timmendorfer Strand

Bernd Buchholz will kein Risiko eingehen. Der Verkehrsminister von der FDP machte bei seinem Besuch nachdrücklich klar, dass es für den Bahnhof in Timmendorfer Strand keine Chance auf ein Überleben gibt. Der Bahnhof kommt weg, weil die Bäderbahn wegkommt. Würde sie bleiben, müsste mit viel Güterzugverkehr quer durch die Ostseebäder gerechnet werden.

Dieses Horrorszenario der Hinterlandanbindung zur festen Fehmarnbeltquerung hatten Land und Bahn mit einem sogenannten Letter of Intent (einer Grundsatzvereinbarung) abgewendet. Die Aktivgruppe für Handel und Gewerbe Timmendorfer Strand will den Bahnhof aber unbedingt behalten. Bei ihrer Jahresversammlung hatte sie Buchholz zu Gast, der diesen Wunsch wortreich zurückwies.

Gemeinsamer Haltepunkt mit Ratekau an der Autobahn

Die Timmendorfer Kommunalpolitiker hatten vor Kurzem einem gemeinsamen Haltepunkt für Ratekau und Timmendorfer Strand an der neu zu bauenden Bahnstrecke an der Autobahn zugestimmt. Er wird näher an Ratekau und damit recht weit von Timmendorfer Strand entfernt liegen. Sehr zum Ärger des Aktivgruppen-Vorsitzenden Heinz Meyer. Er forderte Bürgermeister Robert Wagner (parteilos) auf, „das Ruder noch einmal für Timmendorfer Strand herumzureißen“. An den Minister richtete er den Appell: „Wir wollen nicht auf der Strecke bleiben, wir wollen unseren alten Bahnhof behalten.“

Stefan Barkleit, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn HH/SH, nannte es einen Fehler, die Bäderbahn aufzugeben. Quelle: Peyronnet

Auch Stefan Barkleit, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn Hamburg/Schleswig-Holstein, nannte es einen Fehler, den Bahnhof Timmendorfer Strand aufzugeben. Dieser und der Bahnhof Scharbeutz seien die Bahnhöfe an der Bäderbahn, die die höchsten Ein- und Aussteigerzahlen aufwiesen – durchschnittlich rund 1500 pro Tag. Es seien Pendler, Tagesausflüger und Urlauber, die vom Bahnhof aus zu Fuß, per Fahrrad, mit Bus und Auto in den Ort gelangen. Der Timmendorfer Tourismusdirektor Joachim Nitz rechnete vor, dass der Wegfall von Bäderbahn und Bahnhof Timmendorfer Strand einen Umsatzverlust von 5,1 Millionen Euro pro Jahr bedeuten könne.

Plädoyer gegen die Bäderbahn

„Den Güterverkehr nicht über die Bäderbahn abzuwickeln, war goldrichtig. Das wäre ein Genickschuss für den Tourismus gewesen“, schickte Buchholz seinem eindringlichen Plädoyer gegen die Bäderbahn voraus. Er habe den Erhalt der bestehenden Bahnstrecke erneut überprüft, aber die Gefahr gesehen, dass die Bahn in diesem Falle eben doch Güterzüge durch die Badeorte schicke. Andererseits bringe eine zweigleisige neue Bahntrasse an der Autobahn neue und gute Möglichkeiten, etwa eine „direkte Durchbindung“ von Hamburg bis Neustadt. Das Umsteigen in Lübeck falle weg. „Das sollte man nicht unterschätzen, auch für Pendler nach Hamburg ist das eine erhebliche Erleichterung.“

Weiter forderte Buchholz, der neue Haltepunkt Ratekau/Timmendorfer Strand müsse vernünftig verbunden werden mit Timmendorfer Strand. Dafür müsse ein intelligenter Öffentlicher Nahverkehr organisiert werden. „Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, etwas Modernes, für Touristen Spannendes zu machen.“ Damit brachte er wieder den autonomen Busverkehr ins Gespräch, der zum Beispiel zwischen Ratekau und Timmendorfer Strand bis hin zum Hansa-Park fahren könne. „Ihre Kundschaft wird sich in 20 Jahren geändert haben und mit Sharing Mobility unterwegs sein wollen. Die Menschen werden ständig online sein.“

Zweifel an Buchholz’ Visionen

Daraufhin erhob sich Murren im Saal. Es wurden Zweifel daran angemeldet, wie ein großer Schwung an Tagesgästen an heißen Sommertagen zu bewältigen sei. Buchholz holte noch einmal aus, um sich für Mut zur Moderne auszusprechen: „Modernität muss nicht immer heißen, dass alles schlecht ist. Digitalisierung heißt auch, eine neue Art zu haben, um Verkehr zu lenken. Darüber sollten wir uns Gedanken machen, statt wieder alte Schlachten zu schlagen.“

Susanne Peyronnet

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