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Keine Einigung in der Dorsch-Thematik

Heiligenhafen/Fehmarn Keine Einigung in der Dorsch-Thematik

Kutterbetriebe aus Fehmarn und Heiligenhafen sind nach dem Habeck-Gipfel frustriert. Das Thünen-Institut nimmt Betriebe in die Pflicht - und droht mit EU-Auflagen.

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Die Berufsfischer Dirk Jaudziem (l.) und Tommy Lüdtke haben Dorsche gefangen.

Quelle: Thomas Klatt

Heiligenhafen/Fehmarn. Umweltminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und auch das Thünen-Institut nehmen beim Thema Dorschquote in der Ostsee die Freizeitangelbetriebe in die Pflicht.

LN-Bild

Kutterbetriebe aus Fehmarn und Heiligenhafen nach Habeck-Gipfel frustriert – Regionale Interessenvertreter kritisieren den Kurs der Politik – Thünen-Institut nimmt Betriebe in die Pflicht, droht mit EU-Auflagen.

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Nein zum Elektro-Antrieb

Eine lokale Fischereigruppe diskutierte vergangene Woche in Oldenburg zukunftsträchtige Perspektiven. Dabei wurde die Idee von Elektroantrieben für Fischkutter als Innovation in die Diskussion getragen. Diesem Ansatz erteilte Küstenfischer Nord-Chef Ulrich Elsner eine Absage: „Es ist technisch nicht möglich, mit Elektroantrieb die Stellnetze einzuholen.“

Bei einem Krisengipfel in Kiel bei Umweltminister Habeck wurde die Dorschproblematik diskutiert. Mit dabei war die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mit Jens Meyer, der Chef der Küstenfischer Nord aus Heiligenhafen, Ulrich Elsner, wie auch Freizeitangel-Kutterbetreiber Willi Lüdtke von der Insel Fehmarn. Letzterer verließ das Gipfeltreffen frustriert. „Thema des Treffens war: Wie retten wir die Fischerei? Besser wäre es gewesen zu fragen: Wie retten wir den Dorsch?“ Laut Lüdtke habe Habeck folgende Idee geäußert: Von den 2700 Tonnen Dorsch, die die Freizeitfischerei pro Jahr fängt, sollen 1000 an die gewerblichen Fischer abgetreten werden, damit diese überleben können. Lüdtke: „Laut EU-Regularien können wir das aber nicht einfach so verschieben, weil es ein internationales Gewässer ist und dann nur 30 Prozent davon an die deutsche Fischerei ginge und der Rest an Dänemark und andere.“ Das habe Habeck eingesehen. Außerdem fragt Lüdtke: „Wie will der Minister Einschränkungen in der Freizeitangelei kontrollieren?“ Bei den Kutterbetrieben ginge das, aber bei den zahllosen Kleinbooten und Anglern an der Küste sei dies unmöglich. Richtig sei es seiner Meinung nach, den Dorsch zu retten. „Wenn gewerbliche Fischerei und wir für eine bestimmte Zeit weniger Dorsch angeln und auf die Zähne beißen, können sich die Dorschbestände möglicherweise wieder erholen.“

Habeck erklärte nach dem Treffen: „Die Bestände des Dorsches sind enorm eingebrochen. Faktisch ist der komplette Nachwuchsjahrgang 2015 ausgefallen. Damit sich die Bestände wieder erholen können, ist es gemäß der wissenschaftlichen Empfehlungen erforderlich, dass die Quoten um bis zu 85 Prozent gekürzt werden. Klar ist, die Bestände müssen in den kommenden Jahren geschont werden.“ Für die Fischereibetriebe in Schleswig-Holstein sei das aber existenzvernichtend. Dorsch sei ihr Hauptfangfisch, „die meisten haben kaum oder keine Alternativen“.

Lüdtke reiste diese Woche gemeinsam mit Jens Meyer von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein zum Thünen-Institut nach Rostock. Dort erfuhren sie, dass es im Oktober Erkenntnisse über den Dorschjahrgang 2016 gebe. Das Thünen-Institut machte klar, dass die Freizeitfischerei Vorschläge unterbreiten solle, wie die Dorschbestände geschützt werden könnten. Anderenfalls würden EU-Auflagen drohen. Willi Lüdtke sagte dazu: „Auch dieses Gespräch verlief ernüchternd. Uns wurde die Pistole auf die Brust gesetzt.“ Dabei sei laut Thünen-Institut gar nicht sichergestellt, dass der Dorschjahrgang 2015 nicht existiere, wie von Habeck dargelegt. Man habe diesen nur nicht gefunden. Lüdtke sagt: „Dennoch müssen wir einen Vorschlag unterbreiten.“ Dieser sieht nach Abstimmung der Verbände wie folgt aus: Pro Angler und Tag dürfen nicht mehr als fünf Dorsche gefangen werden. Dies würde von bisher 2700 Tonnen pro Jahr eine Reduzierung von 900 Tonnen bringen. Jens Meyer fordert:

„Dies muss geschehen, um die Bestände zu retten und nicht, um die Fischerei zu stärken.“ Außerdem müsse der Gesetzgeber sicherstellen, dass konsequente und gleichmäßige Kontrollen stattfinden.

In Kiel bei Habeck sei als weiteres Thema eine Abwrackprämie diskutiert worden. Gedacht für die Betriebe älterer Fischer, die womöglich früher in Rente gehen und für ihre alten Kutter noch eine Prämie erhalten könnten. Einige Fischer auf Fehmarn finden dies nebst Zusatzzahlungen durchaus attraktiv. Einfache Rechnung dahinter: Weniger Fischer bedeuten pro Kopf mehr Dorsche. Doch Lüdtke sagt: „Wir haben doch kaum noch gewerbliche Fischer.“

Was die Zukunft seines Gewerbes angeht, bleiben ebenfalls Fragezeichen. Neben der Dorschquote droht ja noch das geplante Angelverbot im Fehmarnbelt. Die nächste Baustelle . . .

 Doch Habeck hin und Dorschquote her – die Entscheidungen werden in Berlin gefällt. Die Fischerei diskutiert und kämpft weiter. Unter anderem vom 23. bis 25. August beim Deutschen Fischereitag in Potsdam. Dort zu Gast ist auch Europa-Abgeordnete Ulrike Rodust, die zum Thema Freizeitangelverbot und Dorschquote diesen Sommer in Heiligenhafen das Gespräch mit den Fischern suchte. Es besteht Redebedarf.

 Peter Mantik

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