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Ostholstein Kellenhusen: Kohlert setzt „Kopfgeld“ aus
Lokales Ostholstein Kellenhusen: Kohlert setzt „Kopfgeld“ aus
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00:00 08.01.2013
Schmierereien wie diese am Busbahnhof in Kellenhusen bringen Bürgermeisterin Ingelore Kohlert „auf die Palme“.
Kellenhusen

Ingelore Kohlert ist eine Realistin. Und eine Frau der Tat. Das beweist die Bürgermeisterin Kellenhusens (Freie Wähler) seit vielen Jahren. Lange Reden sind nicht die Sache der gebürtigen Berlinerin. Jüngstes Beispiel ist der Brand in der Nacht zum 1. Weihnachtstag (die LN berichteten). Statt das schreckliche Ereignis, bei dem acht Tiere starben, allein der Kriminalpolizei Neustadt zu überlassen, schaltete sie sich mit ein. Auch als Privatperson, denn das getötete Pferd gehörte ihrer Tochter Nicole. Und sollte sich herausstellen, was für Kohlert und Stalleigentümer Rainer Wulf wahrscheinlich ist, nämlich dass die Brandursache Brandstiftung war, wird sie wie schon einige Male zuvor die Initiative ergreifen. Denn die Bürgermeisterin setzt in ihrer Gemeinde gern auf „Kopfgeld“, um Straftäter zu ergreifen, und das bisher mit großem Erfolg.

„Sollte es sich um Brandstiftung handeln, werde ich als Privatperson gemeinsam mit dem Eigentümer des abgebrannten Stalls eine vierstellige Prämie auf die Ergreifung des Täters aussetzen. Die Polizei würde diesen Schritt unter diesen Umständen auch sehr begrüßen.“ Zwar möchte Kohlert vom Begriff „Kopfgeld“ nichts wissen, doch trifft diese Bezeichnung den Kern ihres Ansatzes schon. Die Bürgermeisterin sieht darin ein „sehr wirkungsvolles“ Instrument, um in ihrer Gemeinde zur Aufklärung von Straftaten beizutragen. Doch noch hat sich die Kripo bezüglich der Brandursache nicht äußern können. Die Ermittlungen laufen noch.

Kohlert wird bei Delikten in Kellenhusen weiter an ihrem Erfolgsrezept — meist als Politikerin in Absprache mit den Gemeindevertretern und der Polizei — festhalten. Sie sagt: „Wir hatten in den vergangenen Jahren vier Fälle, in denen wir jeweils dreistellige Prämien ausgesetzt haben. Jedes Mal mit Erfolg.“ Es hatte sich um Klecksereien an Bushaltestellen, an der Promenade und um Beschädigungen von öffentlichen Toiletten gehandelt. Kohlert: „Das sind Dinge, die mich maßlos aufregen, weil sie ein negatives Licht auf Kellenhusen werfen. Das können wir uns als Tourismus-Standort nicht leisten.“ Ein weiterer Beweggrund für die Prämien sei, dass der Polizei bei Bagatellen wie diesen die Möglichkeiten fehlten, effektiv zu ermitteln.

Meist seien es jugendliche „Täter“, die aus Langeweile Unsinn trieben. „Oft ist es so, dass die Prämie für andere Jugendliche so attraktiv ist, dass sie uns die entscheidenden Tipps geben.“

Der Mensch sei halt käuflich, auch wenn sie sich mit dieser negativen Beschreibung schwer tue. Es sei schwierig, an die Jugend heranzutreten. Sind die Schmierfinken überführt und zu Sozialarbeit verdonnert, geht Kohlert auf sie zu. „Ich frage, was der Grund für den Unfug ist. Doch da kommt meistens nicht viel heraus.“ Sie wolle mit ihren Prämien auch nicht abschrecken, sondern vielmehr belehren. Allerdings wäre ein Fall von Brandstiftung eine andere Kategorie: „Das ist kein Kleinerjungenstreich mehr.“ Interessant wäre es dann zu sehen, ob das Aussetzen einer Belohnung auch bei so einer schweren Straftat von Erfolg gekrönt ist.

Peter Mantik

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