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Ostholstein Kellenhusener Hotelierpaar von Mietnomaden betrogen
Lokales Ostholstein Kellenhusener Hotelierpaar von Mietnomaden betrogen
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20:22 06.07.2013
Von Kristina Schröder
Sie wurden Opfer von Mietbetrügern: Die Hotelbetreiber Gunnar Steenbock (43) und Jennifer Sausner (40) in Kellenhusen. Quelle: Fotos: Schröder
Kellenhusen

Sechs Tage lang haben sie bequem gewohnt im Kurhotel Kellenhusen: übernachteten, frühstückten, ließen sich verwöhnen. Dann waren sie einfach verschwunden. Die Rechnung haben die drei — ein Mann und zwei Frauen — allerdings nicht bezahlt. „Mietbetrug“ nennt man das und auch Gunnar Steenbock und Jennifer Sausner hatten „schon mal gehört, dass es so etwas gibt“. Die Hoteliers führen das Kurhotel Steenbock in Kellenhusen — und nun ist es ihnen selbst passiert. Die 880 Euro für ein Doppel- und ein Einzelzimmer haben sie abgeschrieben.

Das Ehepaar hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Da war das Trio bereits aktenkundig: ein Mann, schlank, etwa 1,80 Meter groß mit Brille und gewelltem Haar, sowie zwei Frauen, beide etwa 1,75 Meter groß, blondierte Haare, beide Anfang 50. Angereist waren sie mit einem grünen Polo. Nach Angaben der Polizei sind sie nach einem Grömitz-Aufenthalt vom 14. bis 26. Juni dem Vermieter 3000 Euro schuldig geblieben.

Wiedererkannt hat Gunnar Steenbock (43) die Betrüger nicht, sagt er. Auf dem Foto, das der Polizist von der Station in Grube ihm vorlegte, habe der Mann längere Haare gehabt, trug einen Bart und keine Brille. Schwierig. Vorgestellt hatten sich die Gäste Jennifer Sausner als Ehepaar Franz und Christine von Rothenstein aus dem Taunus, in Begleitung Sabine von Rothensteins, der Schwester. Sie traten höflich auf, der Mann hatte Namen und Adressangaben ordentlich auf einem Zettel vorbereitet, weshalb man bei der Anmeldung keinen Personalausweis verlangte, sagt Sausner.

Das sei das normale Vorgehen, bestätigt Markus Schnoor, Vorsitzender vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Kellenhusen. Ausweis oder gar Kreditkartendaten zu verlangen oder gar Vorkasse, das könne man machen, sei aber eher in der Stadt üblich. Laufkundschaft sei in der Gegend hier selten, die meisten buchen vorab, dann gibt es bereits Korrespondenz, die Heimatadresse ist also dem Hotel bekannt.

Zwar waren die „von Rothensteins“ Laufkundschaft. Doch Jennifer Sausner hegte keinen Verdacht. Auch dann noch nicht, als am Doppelzimmer sechs Tage lang das „Bitte-nicht-stören-Schild“ an der Türklinke hing. Seiner Frau ginge es nicht gut, hieß es. Das könne schon vorkommen, sagt Sausner, und bei sechs Tagen Aufenthalt denke man sich noch nichts dabei.

Der Verdacht, dass etwas nicht stimmt, beschlich sie am Montagmorgen, dem Tag der geplanten Abreise. „Die drei erschienen nicht zum Frühstück.“ Da hat die Hotelchefin an der Zimmertür geklopft, schließlich reingeschaut: Beide Zimmer waren leer, die Bewohner ausgezogen. Wenigstens steckten die Schlüssel von innen, sodass man nicht die gesamte Schließanlage erneuern musste, sagt Steenbock.

Die Betreiber des Hotels haben sofort den Dehoga informiert, der seinerseits kreisweit einen Warnhinweis per E-Mail an seine Mitglieder herausgab. Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer der Dehoga in Kiel, weiß, dass das sehr vorsichtig geschehen muss, um sich nicht dem Ruf der Verleumdung auszusetzen. Einer „Schwarzen Liste“ erteilt er deshalb eine Abfuhr. Man könne nur sensibilisieren. Auf Abschreckung setzen auch Sausner und Steenbock, weshalb sie ihren Fall öffentlich machen. Ein Unsicherheitsfaktor wird aber bleiben. Steenbock: „Ich kann die Gäste ja nicht unter Generalverdacht stellen.“

So können sich Hoteliers schützen
Tipps: Ausweis verlangen, Vergleich der Angaben des Gastes auf dem Meldeschein. Weigert sich der Gast, seinen Ausweis vorzulegen, kann Vorauskasse verlangt werden.

Selbsthilfe: Hoteliers dürfen den Gast mit angemessener körperlicher Gewalt festhalten, den Ausweis kopieren und die Polizei rufen. So geschehen in Dithmarschen im April 2013. Ein Hotelier machte ein Ehepaar dingfest, dass durch den Landkreis reiste und 15 000 Euro schuldig blieb.

Strafrecht: Einmietbetrug heißt es strafrechtlich, wenn jemand seine Miete nicht bezahlt. Dabei kommt es auf den Vorsatz an: Jemand ist ein Betrüger, wenn er wusste, dass er nicht zahlen will. (§263 Strafgesetzbuch). Das wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

4699 Hotelzimmer wurden 2012 bundesweit nicht bezahlt. Das ergab eine Erhebung des Hotelbuchungsportal www.hotelreservierung.de der Unister GmbH.

Kristina Schröder

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