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Kiesgruben Lebatz: Schutzgebiet statt Deponie?

Lebatz/Ahrensbök Kiesgruben Lebatz: Schutzgebiet statt Deponie?

Die Gemeinde Ahrensbök hofft auf Erfolg ihres Antrags bei der Naturschutzbehörde: Ein Biologe weist bei Kartierung zahlreiche geschützte Tierarten in dem Gebiet nach.

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Im Sommer 2011 fand die erste Informationsveranstaltung des Vereins „Deponie-Stopp“ mit Blick auf die geplante Deponiefläche statt.

Quelle: Fotos: Sas, Latz

Lebatz. Wird bald ein Schlussstrich unter den schier endlosen Streit um die ehemaligen Kiesgruben bei Lebatz gezogen? Die entsprechenden Erwartungen vieler Gegner der gefürchteten Deponie richten sich derzeit auf einen Antrag der Gemeinde Ahrensbök bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein: Das Areal soll als „geschützter Landschaftsteil“ ausgewiesen werden. „Damit werden wir der vorherrschenden Entwicklung gerecht“, ist Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) überzeugt. Eher verhalten reagiert Christa Braaß, Vorsitzende des Vereins „Deponie-Stopp Ahrensbök“. „Es ist ein Hoffnungsschimmer“, sagt sie.

Lange Zeit war es still um das Gebiet südwestlich von Ahrensbök — gemessen an dem Wirbel, den die Pläne für das Gelände jahrzehntelang verursachten. Menschenkette, Strafanzeige, Versammlungen, Protestaktionen: Das Thema ließ die Ahrensböker nicht ruhen (siehe auch Info-Text). Große Sorgen bereitete das Vorhaben der Firma Becker-Bau-Bornhöved (bbb), aus den einstigen Kiesgruben eine Deponie für Bauschutt der Schadstoffklasse I zu machen. Bis zu vier Millionen Tonnen Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik, Steine und Dämm-Material, so die Auflistung der Deponiegegner, sollten auf 60 Hektar gelagert werden. Dieser Schutt enthalte auch giftige und/oder krebserregende Stoffe wie Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen, hieß es.

„Ein konkreter Antrag für die Deponie ist aber nie gestellt worden“, berichtet Christa Braaß. Mittlerweile hat sich auf dem Gelände, das zwischen den beiden FFH-Gebieten „Wälder im Ahrensböker Endmoränengebiet“ liegt, die Natur ihren Weg gebahnt. Zimmermann verweist auf die Kartierung durch den Biologen Dr. Ulrich Mierwald vom Kieler Institut für Landschaftsökologie.

Demnach dient das Gebiet Libellen, Kranichen, Rohrweihen und Haselmäusen als Nahrungs- und Rückzugsraum. Zudem finden sich dort nach Angaben der Deponiegegner Fledermäuse, Fischotter, Seeadler und die streng geschützten Laubfrösche.

Hinzu komme die Grundwasser-Problematik, betonen Zimmermann und Braaß. „Das Gebiet liegt inmitten der Hemmelsdorfer Mulde“, erklärt der Bürgermeister. Das Grundwasser fließe Richtung Neustadt, Timmendorfer Strand, Travemünde und Stockelsdorf. „Wenn dort etwas passiert, hat das Auswirkungen bis hin zur Ostsee“, so Zimmermann. Christa Braaß verweist in diesem Zusammenhang auf eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Kreis. „Auf dem Areal gibt es marode Brunnen noch aus der Zeit des Kiesabbaus“, sagt sie. „Die müssen jetzt zugeschüttet oder neu gebaut werden, sonst ist das Grundwasser gefährdet.“

16 Seiten lang sei der Antrag auf Unterschutzstellung, sagt Zimmermann. „Der Kreis leitet jetzt das Verfahren ein — aber keiner weiß, wie es ausgeht“, räumt er ein. Angehört würde auch der Eigentümer, also die Strabag AG. Nach deren Angaben sei „der Entscheidungsprozess über die künftige Nutzung des Areals noch nicht abgeschlossen“. „Eine Entscheidung noch in diesem Jahr wäre wünschenswert“, meint Zimmermann. Ein endgültiges Aus für eine Deponie würde nach Einschätzung von Christa Braaß aber auch die Unterschutzstellung nicht bedeuten. „Solch ein Loch in der Landschaft weckt immer Begehrlichkeiten“, glaubt sie. „Wirklich sicher sind wir erst, wenn das Gebiet beispielsweise von der Stiftung Naturschutz verwaltet wird.“

Das Thema „Deponie Lebatz“ sei nie aus den Köpfen der Bürger verschwunden, meint Zimmermann. Deshalb lädt die Gemeinde zu einer Infoveranstaltung am Montag, 1. Februar, ins Bürgerhaus am Mösberg.

Dort ist ab 19 Uhr auch der Biologe Dr. Mierwald zu Gast.

Kiesgrube und Deponie-Pläne im Wandel der Zeit
1950er-Jahre: Erste Genehmigung zum Abbau von Kies westlich der Straße am Teich.



1990: Antrag der Firma Bilfinger und Berger zur Errichtung einer Sondermülldeponie. Gegner bilden eine Menschenkette mit 5000 Teilnehmern.



1999: Ende des Kiesabbaus.



2000: Die Aktionsgemeinschaft Lebatz stellt Strafantrag gegen den damaligen Kiesgrubenbetreiber wegen Verunreinigung des Grundwassers.



2006: Becker-Bau-Bornhöved (bbb), eine Tochterfirma des Strabag-Konzern, ersteigert das Kiesgrubengelände. Pläne über die Errichtung einer Bauschuttdeponie werden bekannt.

2008: Gründung einer Bürgerinitiative gegen die geplante Deponie.



2010: Die Firma bbb bestätigt, dass sie an ihren Plänen festhält und dass Ausgleichsflächen erworben seien.



März 2011: Gründung des Vereins Deponiestopp. Ein Antrag auf Errichtung der Deponie ist immer noch nicht gestellt worden.



April 2011: Die Ahrensböker Gemeindevertretung beschließt eine Resolution gegen die Deponie.



Dezember 2015: Antrag der Gemeinde auf Unterschutzstellung des Areals.


• Weitere Informationen unter www.keine-deponie-ahrensboek.de.

Sabine Latzel

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