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Ostholstein Kiffen — aufklären statt verteufeln
Lokales Ostholstein Kiffen — aufklären statt verteufeln
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21:23 25.10.2013
„Es gibt an jeder Schule Drogen“, sagt Falko Thimm. Er muss es wissen. Der 37-Jährige war lange Drogenfahnder. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Ein Schüler weiß, dass die Abkürzung THC für Tetrahydrocannabinol steht — dem rauschbewirkenden Teil von Cannabis. Eine Schülerin weiß hingegen nicht, dass man Knollen der Pflanzen zerkleinert, mit Tabak mischt und dann raucht. Unterschiedlicher könnte das Wissen der Achtklässler der Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule kaum sein. Dennoch ist unbestritten, dass Jugendliche immer früher anfangen zu kiffen. Erst vor wenigen Wochen wurde in Neustadt ein Elfjähriger mit der Droge erwischt. „Das ist aber eine krasse Ausnahme“, sagt Falko Thimm. Der Polizeiobermeister betont dennoch, dass es notwendig sei, Schüler über die negativen Folgen des Cannabis-Konsums aufzuklären.

Also geht Thimm regelmäßig in achte Klassen der Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule. Der Präventions-Ansatz ist Bestandteil einer Kooperation mit der Neustädter Polizei. Die Grundschule und das Förderzentrum nehmen ebenfalls teil, das Küstengymnasium nicht. Falko Thimm sagt dazu nur: „An jeder weiterführenden Schule und Schulform gibt es Drogen.“

Wenn Falko Thimm eine Klasse besucht, stellt er eine Spielregel auf: Er möchte mit den Achtklässlern über Drogen sprechen, möchte erfahren, was sie über diese wissen und ob sie die negativen Folgen kennen — die Schüler sollen aber nicht von strafbaren Taten erzählen. „Drogen zu erwerben, zu besitzen und zu verkaufen stellt eine Straftat dar“, betont Thimm. Da stellt sich die Frage, wie Schüler dem Polizeiobermeister von ihren Erlebnissen erzählen können, ohne dass dieser polizeilich ermitteln muss. „Der Konsum ist straffrei“, so Thimm.

„Wenn ich also jemandem einen Joint hinhalte und diese Person konsumiert, habe nur ich ein Problem.“ Die Schüler verstehen, sprechen während der folgenden 90 Minuten trotzdem meist von Freunden, die ihnen etwas über Rauscherfahrungen, das Nutzen einer Bong und Entzugserscheinungen berichtet haben.

Thimm sagt: „Wenn ihr meint kiffen zu müssen, macht es. Kommt aber auch mit den Folgen klar. Ich will, dass ihr nach dieser Stunde wenigstens wisst, was ihr Negatives mit eurem Körper macht.“

Gemeinsam listen sie aber erstmal die positiven Effekte des Kiffens auf. Ein Junge sagt, dass man viel mehr diskutieren wolle, ein anderer, dass die Sinne geschärft würden. „Man ist entspannt“, ergänzt ein Mädchen. Viel mehr kommt nicht. „Das ist alles was euch einfällt?“, fragt Thimm. Dann sind die negativen Effekte dran. Zitternde Hände, erhöhter Herzschlag, Passivität, Trägheit, Erinnerungslücken, Halluzinationen, depressive Phasen. „Fakt ist, alle, die gekifft haben, bekommen Ausfallerscheinungen“, betont Thimm — auch wenn viele das nach dem ersten Mal kiffen vielleicht noch nicht merken, aber die negativen Auswirkungen würden bei Cannabis-Konsumenten mit der Zeit immer schlimmer.

Neustädter Schulen und Polizeibeamte gemeinsam gegen Straftaten
AGGAS: Seit bald sieben Jahren arbeiten die Schulen mit der Polizei zusammen, um Schüler davor zu schützen, als Opfer oder Täter mit Straftaten in Berührung zu kommen. Das Förderzentrum, die Grundschule und die Gemeinschaftsschule nehmen Teil an der AG gegen Gewalt an Schulen (AGGAS). Kommt es zu Straftaten, werden die Jugendsachbearbeiter der Polizei kontaktiert. Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf der Strafverfolgung, sondern auf der Prävention. In Einzelgesprächen, aber auch vor der Klasse wird erörtert, was geschehen ist.

Sebastian Rosenkötter

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