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Ostholstein Kinder aus der Ostsee gerettet: DLRG warnt vor Bade-Leichtsinn
Lokales Ostholstein Kinder aus der Ostsee gerettet: DLRG warnt vor Bade-Leichtsinn
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10:08 06.08.2015
Ein Schild "Nicht Baden Gefährliche Strömung Lebensgefahr!" warnt an der Ostsee in Timmendorfer Strand. Quelle: dpa
Lübeck/Timmendorfer Strand

Nur mit knapper Not und dem mutigen Einsatz von zwei Surflehrern wurde in Timmendorfer Strand am Dienstagabend eine Tragödie verhindert. Bei einem Gewittersturm mit Windstärken von neun bis elf waren drei Mädchen im Alter zwischen fünf und 14 Jahren abgetrieben und in Lebensgefahr geraten. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt vor gefährlichem Leichtsinn: Die Ostsee flöße vielen kaum mehr Respekt ein.

Allerdings war es auch eine außergewöhnliche Wetterlage, mit der es die Orte an der Lübecker Bucht zu tun hatten. „Bundesweit war es der einzige Bereich, wo sich ein so heftiges Unwetter abgespielt hat“, sagt Heino Strunck, Meteorologe bei Wetterwelt in Kiel. Binnen einer halben Stunde gingen dort bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, einzelne Gewitterböen erreichten Windstärke elf.
Den drei Urlaubermädchen, die nur knappe 15 Meter vom Strand entfernt auf ihren Surfbrettern paddelten, wurde das zum Verhängnis. „Wind und Regen waren so stark – die konnten es unmöglich schaffen, noch aus eigener Kraft ans Ufer zu kommen“, sagt der Niendorfer Standkorbvermieter und Feuerwehrchef Stephan Muuss. Ein Gewitter dieser Art habe er an der Ostsee noch nie erlebt. Achtung gebühre daher den beiden Surflehrern Andreas Fischer und Oliver Lindner, die als erste ins Wasser gesprungen seien und den Mädchen wohl letztlich das Leben gerettet hätten. Denn obwohl die DLRG vor dem Gewitter bereits ein Badeverbot verhängt, die örtliche Surfschule ihre Kunden bereits ans Ufer gerufen hatte, waren den Mädchen die unheilvollen schwarzen Wolken am Himmel offenbar nicht aufgefallen. „Sie hätten sich zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall mehr auf dem Wasser aufhalten dürfen“, sagt auch DLRG-Abschnittsleiter Thoralf Kramer. „Das hätten ihre Eltern sehen müssen.“

Nicht einmal die beiden Retter kamen gegen das Gewitter an. „Wir konnten mit den Surfbrettern nur eine Rettungsinsel bilden, die Mädchen beruhigen und uns treiben lassen“, sagt Andreas Fischer zu den LN. Ein Boot der Feuerwehr zog die verängstigten und unterkühlten Kinder anschließend aus dem Wasser. Am Ufer warteten ihre Eltern bereits voller Panik.

DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen kritisiert den immer wieder auftretenden Leichtsinn: „Im Gegensatz zur Nordsee wird die Ostsee von vielen Urlaubern oft für eine ruhige Badewanne gehalten, was sie mitnichten ist.“ Außerdem würden Warnhinweise der DLRG häufig ignoriert. „Manchmal aus Unwissenheit, zum Teil aber auch mit Vorsatz“, sagt Wolfhagen. Eine rechtliche Handhabe, Verbote durchzusetzen, gebe es nicht. „Wir können niemanden zwingen, sich nicht in Gefahr zu begeben.“ Oliver Vogt

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