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Ostholstein Kinder erleben das Kriegsende
Lokales Ostholstein Kinder erleben das Kriegsende
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09:23 24.02.2016
Wolfgang Belka, geboren 1936. Quelle: LN Archiv
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Oldenburg

Häuser werden verdunkelt. Laternelaufen gilt als lebensgefährlich und ist daher verboten. Dem Buchdrucker im Dorf drohen immer wieder die Kondolenzkarten und Trauerbriefe auszugehen. Der Zweite Weltkrieg reicht bis nach Ostholstein.

Wolfgang Belka, 1936 in Hamburg geboren und in Lensahn aufgewachsen, ist ein Zeitzeuge. Er beobachtet als kleiner Junge erst den harten, oft entbehrungsreichen Alltag, dann das nahende Kriegsende.

Dabei gehen die großen erschütternden Schlachten an Ostholstein weitgehend vorbei. Wohl gibt es einen großen Truppenübungsplatz an der Ostsee, einen Militärflughafen, eine U-Bootschule. Dass aber die Hansestadt Lübeck bombardiert wird, lesen die Dörfler zuerst in der Heimatzeitung.

„Ist der Krieg nun aus?“ lautet für viele Menschen die bange Frage 1945. Auch für den heutigen Autor, der damals ein neunjähriger Junge ist. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Englische Tiefflieger tauchen jäh am Himmel auf, ein Kindergeburtstag fällt aus — was wiegt schwerer? Flüchtlinge kommen in Ostholstein an, russische Kriegsgefangene plündern in Lübeck ein Schuhgeschäft. Hat Deutschland jetzt den Krieg verloren? Und vor allem: Darf man das überhaupt laut fragen?

Andere sind weniger zimperlich. Der Ortsgruppenleiter legt seine SA-Unform ab, spaziert im schwarzen Anzug mit einer Bibel in der Hand wie ein Prediger herum. Die Filme der Wochenschauen über heldenhafte Siege sind verstummt. Die Jungs, die eben noch Krieg spielten und später Soldat werden wollten, sind verunsichert.

70 Jahre danach ruft Belka diese Zeit in seinem neuen, nunmehr dritten Buch in Erinnerung. Es enthält 14 Kurzgeschichten, die aus dem Blickwinkel Lensahner und Oldenburger Kinder das Ende des Zweiten Weltkrieges lebendig werden lassen. Mal in fast humorvollen Szenen, dann wieder mit nachdenklichen Tönen. Ein Stück Heimatgeschichte im lockeren Zeitraffer — bis der Krieg wirklich aus und der „Führer“ tot ist.

„Nach 70 Jahren möchte ich noch einmal an diese Zeit erinnern. Heute gehen wir aufgrund jener Erfahrungen meist verständnisvoller miteinander um. Und daran sollten wir uns halten — trotz weltweit eskalierender Konflikte“, so der Autor. Dabei hat er auch die aktuelle Flüchtlingssituation im Blick.

Premierenlesung in Oldenburg

Der Autor liest morgen, 25. Februar, ab 19.30 Uhr in der Oldenburger Buchhandlung „Ton & Text“. Karten für sieben Euro (mit Bonuskarte fünf Euro) gibt es dort und in Heiligenhafen oder unter Telefon 04361/52660.

Das Buch „1945: ,Ist der Krieg nun aus?‘ Kinder erleben den Krieg in Ostholstein“ ist in den Buchhandlungen „Ton & Text“ sowie „Buchstabe“ (Neustadt) erhältlich. Es umfasst 174 Seiten, 14 Illustrationen und kostet 14,80 Euro.

Gerd-J. Schwennsen

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