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Ostholstein Kinder gehen auf die Jagd
Lokales Ostholstein Kinder gehen auf die Jagd
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18:22 18.06.2016
Nach einem gemeinsamen Treffen auf Gut Farve geht es für Kinder und Jäger hinaus in die Natur.

Die Kinder wissen schon ganz genau, was ein Jäger immer dabei haben sollte: ein Messer – und eine Socke. Eine Socke . . ? „Um die Windrichtung zu bestimmen“, erklärt Christian Prinz zu Waldeck schmunzelnd und schüttelt etwas Mehl aus seinem eigenen Exemplar. Der Waidmann ist einer von 16 Jägern, die Freitagabend zusammen mit Kindern loszogen, um Wildtiere zu entdecken.

Auf zum Hochsitz: Lina (9) und Christian Prinz zu Waldeck beziehen Stellung inmitten von Feldern. Quelle: Fotos: Binder

„Es ist schön, die Begeisterung der Kinder zu sehen. Es war einfach ein genialer Abend.“Prinz zu Waldeck

Der Hegering Wangels hatte in Kooperation mit der Kreisjägerschaft Oldenburg zum „Jugendansitz“ eingeladen. Insgesamt 23 Kinder verteilten sich mit den Experten auf die Hochsitze, um das Leben in der Natur zu beobachten und in den Alltag eines Jägers hineinzuschnuppern. Ziel der jährlichen Aktion ist es, den Kindern die heimische Natur und Tierwelt näherzubringen und ihnen auch zu verdeutlichen, was passiert, bevor bei ihnen zu Hause Fleisch auf dem Teller landet. Und so sollen die Wildtiere nicht nur angeschaut – sondern das ein oder andere vielleicht sogar geschossen werden.

Lina (9) hätte damit kein Problem, wie sie sagt. Ihr Vater hat früher selbst gejagt, sie weiß, was das bedeutet. Das Mädchen hat mit Prinz zu Waldeck und Hund „Chili“ einen Beobachtungsposten inmitten von Weizen- und Rapsfeldern bezogen. Nach einer gemeinsamen Stärkung auf Gut Farve sind Kinder und Jäger in kleinen Gruppen in die Natur aufgebrochen. Jetzt starrt Lina gebannt durchs Fernglas, in der Hoffnung, zwischen den wogenden Halmen ein Tier auszumachen – „am liebsten ein Wildschwein oder einen Fuchs“.

Und tatsächlich: Nach nur wenigen Minuten taucht eine Bache auf und erfüllt der Grundschülerin damit prompt ihren ersten Wunsch. Eine potenzielle Beute für den Jäger ist das Tier aber nicht:

Geschossen werden dürften zurzeit nur Rehböcke, Jungfüchse und bei Wildschweinen Keiler und Frischlinge, erklärt Prinz zu Waldeck. Alle anderen Wildtiere hätten Schonzeit.

Weniger spannend wird es dadurch auf dem Hochsitz aber nicht. Angespornt durch das Versprechen, für jedes gesichtete Wildtier gebe es einen Schokoriegel, entwickelt Lina Adleraugen. Schnell wird klar, dass der Süßigkeitenvorrat wohl nicht lange reichen wird: Die Neunjährige entdeckt Hasen, Seeadler, Rotkehlchen und Damwild, das durch die Felder springt. Sogar die scherzhaft geforderte „geklatschte Mücke“ liefert das Mädchen prompt.

Ohnehin entpuppt sich Lina als wahre Expertin in Sachen Natur. Problemlos kann sie Vogelarten benennen, Dam- von Rehwild unterscheiden und besondere Merkmale verschiedener Tierarten beschreiben.

Sie sei viel und gern draußen, erzählt die Schülerin der Grundschule Hansühn und berichtet fröhlich von Tieren, die sie schon gesehen hat – etwa einem roten Milan und von weißen Hirschen.

Gesehen haben am Ende auch an diesem Abend alle etwas. Und tatsächlich wurde auch ein Rehbock geschossen. Als die Kinder die Beute betrachten, wird noch einmal deutlich, dass hier niemand zimperlich ist. „Es ist schön, wie normal die jungen Leute mit dem Thema umgehen – genau das möchten wir erreichen“, sagt Prinz zu Waldeck. Er freue sich, wie begeistert die Kinder die Natur entdeckten, und auch, wie neugierig sie in Bezug auf das Ausnehmen eines Tieres seien.

Seine eigenen Kinder hat er von kleinauf mit zur Jagd genommen, so wie es auch sein Vater schon mit ihm gemacht habe. Und die Leidenschaft wurde dabei offenbar weitergegeben: Sohn Casimir hat mit gerade einmal 14 Jahren schon eine eigene Kindergruppe auf dem Hochsitz betreut. Ohne Gewehr, versteht sich – dafür mit einer der wohl schönsten Sichtungen des Abends: Bis auf 25 Meter konnte sich die Gruppe an ein Reh heranpirschen, das ein Kitz gesäugt hat.

Jennifer Binder

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