Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Kinderpornografie: Rechtsanwalt zur Bewährung verurteilt
Lokales Ostholstein Kinderpornografie: Rechtsanwalt zur Bewährung verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:33 10.10.2016
Anzeige
Eutin

Kinderpornografie und versuchte Erpressung mit Nacktfotos: Zum Wochenanfang kamen gestern gleich mehrere abstoßende Delikte während eines Prozesses vor dem Eutiner Amtsgericht zur Sprache. Angeklagt war ein 64-jähriger Ostholsteiner, der sich gestern weitgehend geständig zeigte und zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt wurde.

Dabei warf die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Rechtsanwalt Udo M. (Name geändert) im Wesentlichen drei Taten vor. Auf seinem Computer hatten Ermittler kinderpornografische Bilder und Filme entdeckt. Deren Existenz räumte der Angeklagte ein: Er habe das Material über eine frei zugängliche Tauschbörse im Internet heruntergeladen, es dann aber sofort gelöscht, als er erkannt habe, um was genau es sich handelte.

Außerdem soll Udo M. das Foto einer 17-Jährigen mit nacktem Oberkörper über Facebook an deren Angehörige weitergegeben haben. Tatsächlich habe er das Mädchen fotografiert und auch Sex mit ihr gehabt, erklärte der Angeklagte: „Sie ist dafür bezahlt worden.“ Er habe aber nicht gewusst, dass er es mit einer Minderjährigen zu tun gehabt hatte. Als das Mädchen zu einem weiteren Treffen nicht erschienen sei, sei er von einigen ihrer Verwandten per Facebook der Entführung beschuldigt worden, „da ging ein regelrechter Shitstorm los“. Er habe den Angehörigen daraufhin das Foto geschickt, um zu belegen, dass die 17-Jährige als Prostituierte tätig sei.

Noch dazu hatte Udo M. nach Ansicht der Staatsanwaltschaft versucht, den 33-jährigen Dennis B. (Name geändert) zu erpressen. Dieser hatte für den Angeklagten zahlreiche handwerkliche Arbeiten ausgeführt und dafür teilweise Vorschüsse sowie schließlich auch ein Darlehen erhalten. „Der hat mich die ganze Zeit abgezockt“, beschwerte sich Udo M., „das ist ein Betrüger.“ Dennis B. schulde ihm über 7000 Euro. Und da der 33-Jährige ihm Nacktfotos seiner Schwester auf den Computer überspielt habe, habe er Dennis B. damit gedroht, diese Bilder an die Eltern von Dennis B. und seiner Schwester weiterzugeben. Tatsächlich landete dann eine CD mit den beschriebenen Bildern bei den Eltern. „Ich habe es einfach aus Rache gemacht“, erklärte Udo M.

Schulden gegenüber Udo M. gab der als Zeuge geladene Dennis B. zu. Er habe Udo M. aber keinesfalls die Fotos seiner Schwester freiwillig zur Verfügung gestellt. Udo M. habe diese vielmehr in einer Datei – einer Sicherungskopie von Handy-Inhalten – auf Dennis B.s Computer entdeckt, den dieser Udo M. einmal geliehen habe, und die Bilder heimlich kopiert. „Seine pädophilen Neigungen sind bekannt“, sagte Dennis B. über den Angeklagten, „ich habe für ihn gearbeitet, um weitere Informationen über ihn zu sammeln.“ Dieser Aussage mochte das Gericht allerdings keinen Glauben schenken.

Udo M., der vor einigen Jahren seine Zulassung als Rechtsanwalt nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen zurückgegeben hat, machte sich vor Gericht wenig Illusionen. „Dass ich hier nicht freigesprochen werde, ist mir klar“, erklärte der 64-Jährige, der 2004 wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in vier Fällen verurteilt worden war. „Davon können Sie ausgehen“, gab Richter Otto Witt knapp zurück.

Zwar wurden dem Angeklagten seine Geständnisse zugute gehalten. Außerdem habe er womöglich wirklich nicht wissen können, dass die junge Frau, die er für Sex und Fotos bezahlt hatte, noch minderjährig war. Verurteilt wurde Udo M. aber wegen des Besitzes von Kinderpornografie, wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches der 17-Jährigen und der Schwester von Dennis B. sowie wegen versuchter Erpressung. Die sechsmonatige Haftstrafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

latz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige