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Ostholstein Kinderpornos: Ostholsteiner verurteilt
Lokales Ostholstein Kinderpornos: Ostholsteiner verurteilt
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07:26 11.01.2018
In 15 Fällen soll der der Angeklagte Videos an verschiedene Chatpartner verschickt haben, die – zum Teil unbekleidete – Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bei sexuellen Handlungen zeigen Quelle: Schwennsen (Archiv)

Der 45-jährige Angeklagte legte gestern vor Gericht ein Geständnis ab. In 15 Fällen soll er von Oktober 2012 bis August 2015 Videos an verschiedene Chatpartner verschickt haben, die – zum Teil unbekleidete – Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bei sexuellen Handlungen zeigen. Der Ostholsteiner flog auf, als er sich in einem Videochat vor seiner Gesprächspartnerin entblößte und sie aufforderte, sich ebenfalls nackt zu zeigen. Während er sein (verpixeltes) virtuelles Gegenüber offenbar für ein zwölfjähriges Mädchen hielt, hatte er es in Wirklichkeit mit einer Polizistin zu tun.

„Inzwischen hat es ,klick’ gemacht“

Er habe „nicht gewusst, dass das strafbar ist“, sagte der Angeklagte bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht. Über ein „Spiel“ habe er seine späteren Chatpartner kennengelernt: eine Internetplattform, auf der sich – „meistens erwachsene“ – Nutzer gegenseitig bei sexuellen Handlungen beobachten. „Das war ja alles freiwillig“, so der 45-Jährige. Wie es dann zum Austausch von Kinderpornografie gekommen sei, wisse er selbst nicht mehr so genau – das habe sich so entwickelt, ohne dass darüber gesprochen worden sei.

Auf Nachfrage von Richter Marcel Welzel gab der Ostholsteiner an, jetzt wegen seiner pädophilen Neigungen eine Therapie machen zu wollen. Er habe im Nachhinein erkannt, dass er sich behandeln lassen müsse, und sei mittlerweile „auch ein bisschen erleichtert“, dass er erwischt worden sei. Es habe „endlich ,klick’ gemacht“; seither habe er keinen Kontakt mehr zu seinen Chatpartnern gehabt.

Bisherige Bemühungen um einen Therapieplatz seien derweil ohne Erfolg geblieben, weil es kaum Angebote gebe und er nicht mobil sei.

Bereits Anfang 2016 wurde der 45-Jährige von der Polizei befragt und seine Computer untersucht (wegen der langen Ermittlungszeit gelten nun drei Monate der Strafe als bereits verbüßt). Schon damals räumte er alle Taten ein. Seitdem habe er „viele schlaflose Nächte“ gehabt, erzählte er. „Ich habe Angst davor, was mit mir passieren kann“, sagte der Angeklagte, „davor, dass das Ganze jetzt groß an die Öffentlichkeit gebracht wird.“ Seinen Job habe er inzwischen gekündigt, weil er „nicht wollte, dass meinem Arbeitgeber Nachteile entstehen“. Er hoffe nun, bald eine neue Stelle zu finden.

Richter: „Wer Bilder anschaut, macht sich mitschuldig“

Das Gericht verhängte am Ende eine Strafe, die über der von Verteidigung und auch Staatsanwaltschaft beantragten lag. Beide Parteien hatten gleichermaßen für eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit plädiert.

Dass die Strafe überhaupt zur Bewährung ausgesetzt wurde, sei ebenfalls „kein Selbstgänger“ gewesen, betonte Richter Welzel. Es gehe hier nicht um einen Einzelfall; die Taten seien über einen längeren Zeitraum verübt worden. Der letzte Fall habe zudem noch einmal eine andere Qualität, weil es dabei nicht „nur“ um das Angucken von Bildern gegangen sei, sondern direkter Kontakt mit einer vermeintlich Minderjährigen bestanden habe. Darüber hinaus dürfe „angesichts der leichten Verfügbarkeit von kinderpornografischen Inhalten im Internet nicht vergessen werden, dass diese aus Missbrauch resultieren“, mahnte Welzel. Dieser finde statt, weil die Nachfrage nach solchen Bildern da sei – insofern mache man sich mit dem Anschauen und der Verbreitung mitschuldig.

Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Zu den Auflagen gehört auch eine Therapie. „Wenn Sie dagegen verstoßen, kann die Bewährung aufgehoben werden und Sie müssen ins Gefängnis“, warnte Welzel. „Wir glauben, dass Sie ein straffreies Leben führen können – Sie müssen jetzt aber alles tun, um Ihre Neigung in den Griff zu bekommen“, mahnte er.

 Von Jennifer Binder

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