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Kirche und Bestatter setzen sich für Sternenkinder ein

Neustadt Kirche und Bestatter setzen sich für Sternenkinder ein

Neustädter Pastorin möchte Teil des Friedhofs umgestalten – Eltern von tot geborenen Babys sollen würdevollen Platz zum Trauern bekommen.

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Setzen sich für Sternenkinder ein (v. l.): Christoph Mielke, Luzie Linde und Pastorin Sarah Lotzkat.

Neustadt. Die Mützchen, die Luzie Linde in ihren Händen hält, sind kaum größer als ein Apfel. Auf dem Tisch vor ihr liegen kleine Deckchen. Zu jeder gehört ein Stern. Die Kleidung hat sie für Babys gefertigt. Babys, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind – Sternenkinder. Sie erreichen den Himmel, ohne das Licht der Welt zu erblicken. Linde möchte darauf aufmerksam machen, dass jedes tot geborene Kind ein Recht auf Bestattung hat. Unterstützung erhält sie von zwei Neustädtern. Pastorin Sarah Lotzkat und Bestatter Christoph Mielke wollen ein Areal auf einem Friedhof umgestalten. „Es ist nicht der ,normale’ Weg, dass Kinder sterben. Wir wollen einen würdevollen Ort schaffen“, sagt die Pastorin.

LN-Bild

Neustädter Pastorin möchte Teil des Friedhofs umgestalten – Eltern von tot geborenen Babys sollen würdevollen Platz zum Trauern bekommen.

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Wer Luzie Linde bei ihrer Arbeit unterstützen möchte und Stoffreste hat, kann diese im Neustädter Bestattungshaus Mielke abgeben. Linde näht kostenfrei Kleidung für Sternenkinder. Meist verteilt sie die Sachen über den Verein „Herzenssache“ (www.herzenssache-nfsuf.de).

Gemeinsam sollen Konzept und Gestaltungsidee entwickelt werden. Dabei geht es auch darum, einen Platz zu schaffen, an dem Sternenkinder nicht nur zwischen „alten“ Menschen liegen, einen Platz, an dem auch Spielzeug auf einem Grabstein liegen darf, einen Platz, an dem Eltern mit anderen Eltern zusammenkommen können.

Wie viel Zeit die Realisierung in Anspruch nehmen wird, ist nicht absehbar. Klar ist, Sarah Lotzkat muss noch Überzeugungsarbeit leisten. Gespräche mit Kirchenvorstand und Friedhofsausschuss stehen an. Auch gilt es, eine entsprechende Fläche zu finden und die Kosten zu ermitteln.

Christoph Mielke erzählt von drei bis zehn Sternenkindern pro Jahr. Seit der Bundestag 2013 beschlossen hat, dass auch Kinder mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht auf dem Standesamt beurkundet werden dürfen, steige die Zahl der Trauerfeiern. Er betont, dass Eltern schon jetzt die Möglichkeit haben, ihre Babys auf einem Friedhof, auf hoher See sowie in einem Ruheforst zu bestatten. Jedoch fehlt bislang eine entsprechende, leicht abgetrennte Fläche auf einem Neustädter Friedhof. „In Oldenburg und Eutin gibt es das schon. Hier wurde das Thema noch nicht angepackt“, betont er. Das Thema Sternenkinder sei allerdings kein einfaches. „Das ist eine ganz besondere Schiene. Erst herrscht bei allen ganz große Freude, auf einmal werden Menschen Onkel, Bruder, Schwester oder Oma“, erläutert er. Dann folge der Schock. Nicht jeder wolle darüber sprechen, sich damit befassen.

Kirche müsse auch für Sternenkinder offen sein. Darauf legt Pastorin Lotzkat Wert. „Wir begleiten die Eltern. Ich habe häufiger gehört, dass sie sich einen entsprechenden Platz wünschen, einen Ort der anders ist, der abgetrennt ist. Die Gestaltung spielt eine große Rolle.“ Mielke ergänzt, dass es sich befremdlich anfühle, wenn er mit den trauernden Eltern auf Friedhöfen an Gräbern von meist älteren Menschen entlanggehe. Auch deshalb sei eine Veränderung so wichtig.

Für Luzie Linde geht es auch darum, die Thematik zu enttabuisieren. Hinzu komme, dass sie mehrfach erlebt habe, wie Freundinnen ein Kind verloren. „Beim ersten Mal war es eine Totgeburt in der 37.

Woche. Das hat uns alle mitgenommen. Im vergangenen Jahr haben es zwei Freundinnen erleben müssen. Ich habe mich in die Materie eingelesen und den Verein ,Herzenssache – Nähen für Sternchen und Frühchen’ entdeckt“, so Linde. Dort habe sie erfahren, dass Kleidung für Sternenkinder benötigt werde, da es diese nicht im Handel gebe. Sie soll den Angehörigen helfen, ihr Kind für die Trauerfeier würdevoll zu kleiden.

Sebastian Rosenkötter

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