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Ostholstein Kirchner-Motive auf Leinwand fürs eigene Wohnzimmer
Lokales Ostholstein Kirchner-Motive auf Leinwand fürs eigene Wohnzimmer
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17:47 18.12.2015
Ausgetauscht: Christa Bänfer-Schellmann (r.) und Carmen Reinhardt mit Kirchners „Frauenbild in weißem Kleid“ — oben die neue Reproduktion, unten der aussortierte Vorgänger.
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Burg a. F

Ein echter Kirchner im eigenen Wohnzimmer? Heute ist das schier unmöglich: Wenn überhaupt angeboten, dann wechseln Ölgemälde des Expressionisten (1880-1938) auf Auktionen für Millionenpreise den Besitzer. Doch aufgepasst: Kurz vor Weihnachten gibt es jetzt — gegen eine Spende an den fehmarnschen Kirchner-Verein — kleine und großformatige Reproduktionen seiner Werke, die vor gut 100 Jahren auf Fehmarn entstanden sind.

Denn die Ernst-Ludwig-Kirchner-Dokumentation im Obergeschoss der Stadtbücherei Fehmarn wird derzeit ganz neu gestaltet. Nach 20 Jahren war eine grundlegende Erneuerung dringend notwendig. Dazu gehört auch der komplette Austausch der farbenfrohen Leinwand-Bilder an den Ausstellungswänden.

Die drei Gründungsmitglieder Dr. Joachim Schellmann, Christa Bänfer-Schellmann und Carmen Reinhardt haben bereits rund 1500 Stunden in diese Herausforderung investiert. Eine Mammutaufgabe, die ihnen aber auch viel Spaß bereitet. „Schade wäre es allerdings, wenn die alten Leinwand-Bilder künftig auf dem Dachboden verstauben würden“, begründet Bänfer-Schellmann die in dieser Woche gestartete Aktion.

Die Ausstellungs-Wände sind bereits größtenteils erneuert. Um ein einheitliches Bild zu wahren, wurden für die neuen Bilder weiße Schattenfugen-Rahmen gewählt. Die größte Herausforderung: Die Maler der Künstlergruppe „Brücke“ strebten damals eine tiefe satte Farbigkeit an, die mit einer matten Oberfläche einherging — eigentlich untypisch für die Ölmalerei.

Deshalb mussten die Druckereien etliche Proben herstellen, bis die Leinwandkopien diesen Erwartungen entsprachen. Bänfer-Schellmann: „Denn Kirchner und die anderen Maler der ,Brücke‘ wollten keine Ölgemälde, die glänzen.“

Ziel des Kirchner-Vereines ist es, so viele wie möglich der etwa 120 Ölgemälde, die 1908 und 1912 bis 1914 auf Fehmarn entstanden sind, zu präsentieren. Bislang sind 68 in der Dokumentation zu sehen — an den Ausstellungswänden oder wenigstens in den beiden neu erworbenen Poster-Ständern. Sie sind chronologisch geordnet. Dazu kommen zahlreiche Zeichnungen und Skizzen.

In einer neu gestalteten Leseecke können Besucher zudem in den Büchern aus der umfangreichen Kirchner-Bibliothek herumstöbern. „Wir haben diese Ecke gerne in unser Gestaltungsbudget mit aufgenommen und mit neuen weißen Möbeln ausgestattet“, versteht Bänfer-Schellmann dies gleichzeitig als Dankeschön an die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei, die den Kirchner-Verein unterstützen.

Auch die Vitrinen wurden neu gestaltet — teilweise war der Inhalt mit den Jahren ausgeblichen. Neu sind seltene Künstler-Postkarten von Kirchner, die Auskunft geben über sein damaliges Lebensgefühl.

Beibehalten wird der Postkarten-Verkauf mit Motiven der wichtigsten Kirchner-Werke.

Die Aktion
Die Dokumentation kann während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei aufgesucht werden: montags bis freitags von 9.30 bis 12 Uhr sowie (außer mittwochs) von 14.30 bis 18 Uhr.


Kontakt für Kirchner-Liebhaber (und die, die es werden wollen): Unter Tel. 0157/71301278 lässt sich ein Termin vereinbaren, um gegen eine Spende eine Reproduktion zu erwerben.

Gerd-J. Schwennsen

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