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Kita statt Behinderten-Werkstatt: So geht Inklusion in Ahrensbök

Ahrensbök Kita statt Behinderten-Werkstatt: So geht Inklusion in Ahrensbök

Erika Villbrandt arbeitet seit fünf Jahren in der Kindertagesstätte „Pusteblume“.

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Die Ruhe und den Überblick bewahren: Das kann Erika Villbrandt (55) gut, wenn die Kleinen die Küche der „Pusteblume“ stürmen.

Quelle: Fotos: S. Latzel

Ahrensbök. „Erika, machst du mir die Jacke zu?“ Schüchtern lächelnd steht ein Vierjähriger im Raum und hebt seinen Reißverschluss hoch — damit kommt er offenbar noch nicht so gut zurecht. „Erika, hier sind unsere Tassen!“ Entschlossen stürmen zwei Mädchen herein und lassen ihr Geschirr auf die Anrichte klappern. Arbeiten in der Küche der Ahrensböker Kita „Pusteblume“ bedeutet weit mehr als abwaschen, den Geschirrspüler befüllen und aufräumen. Erika Villbrandt weiß das seit fünf Jahren — seit sie von einer Werkstatt für behinderte Menschen zu diesem sogenannten gemeindenahen Arbeitsplatz gewechselt ist.

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„Erika ist eine Bereicherung für uns.“ Kita-Leiterin Gisela Medewaldt

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„Wir brauchten eine Zusatzkraft, und dass wir Erika bekommen haben, ist unheimlich entlastend“, sagt Gisela Medewaldt, Leiterin der Kita „Brummkreisel“, zu der das Haus „Pusteblume“ gehört. Die Eutiner Gesellschaft „Horizonte“ — ehemals Behindertenhilfe Ostholstein — suchte Arbeitsplätze außerhalb der Werkstätten, und so fing Erika Villbrandt als hauswirtschaftliche Hilfe in der Kita an.

„Sie ist voll integriert“, erklärt Gisela Medewaldt, „und alle Seiten sind hochzufrieden — Mitarbeiter, Eltern und Kinder.“

Zuvor hat die heute 55 Jahre alte Erika Villbrandt in den Werkstätten Glückwunschkarten hergestellt — aber die Arbeit im Trubel all der kleinen Mädchen und Jungen gefällt ihr besser. „In der Werkstatt war es lauter, der Lärm der Kinder hier stört mich nicht“, meint sie: „Ich mache das sehr gerne.“ Sie hat eine Vollzeitstelle, ist täglich von 8 bis 15 Uhr im Einsatz. Neben dem Geschirrspülen ist sie für die Wäschepflege zuständig, ein Schwerpunkt in der Kita: abgerissene Handtuchhaken wieder annähen, das ist anscheinend recht häufig vonnöten. „Außerdem spiele ich jeden Tag eine Stunde mit den Kindern“, sagt die Eutinerin, „Mensch-ärgere-dich-nicht“.

Es scheppert, und sieben eifrige kleine Helfer schieben den Wagen mit dem benutzten Frühstücksgeschirr herein, wuseln einige Minuten mit Tassen und Tellern um Erika Villbrandt herum, dann ist wieder Ruhe, für kurze Zeit. Angestellt ist sie bei „Horizonte“, „wir zahlen ihr Gehalt und machen jedes Jahr einen neuen Vertrag, das hat bislang gut geklappt“, berichtet Gisela Medewaldt. Erika Villbrandts Tätigkeit in der Kita sei ein gutes Beispiel für funktionierende Inklusion: „Sie ist eine Bereicherung für uns.“

Die Bemühungen um Inklusion haben in den vergangenen Jahren zugenommen, hat Gisela Medewaldt beobachtet. „Nachdem Deutschland 2009 die entsprechende UN-Konvention unterzeichnet hat, setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass das auch umgesetzt werden muss.“ Entscheidend sei es, so Gisela Medewaldt, „dass Menschen, egal, woher sie kommen, leben und arbeiten können, wo und wie sie möchten“. Das sei eine spannende Geschichte und werde es auch bleiben: „Der Weg ist das Ziel.“ Und zu manchen dieser Wege gehört es eben, dass man einfach mal einem Vierjährigen dabei hilft, seine Jacke zuzumachen.

Das Aktionsbündnis
„Inklusive Jobs“: Unter diesem Motto setzt sich das Aktionsbündnis Schleswig-Holstein für Arbeits- und Ausbildungsplätze speziell für behinderte Menschen ein. Arbeitgeber und Arbeitssuchende werden dabei beraten, unter anderem zu Themen wie Fördermöglichkeiten, betriebliches Eingliederungsmanagement, Bewerbungsverfahren und Begleitung am Arbeitsplatz.


Informationen gibt es beim Verein zur Förderung der Betrieblichen Eingliederung im Handwerk (Telefon 045 21/775 68 59) und beim Aktionsbündnis (Telefon 043 31/13 19 13, im Internet: www.aktionsbuendnis-sh.de).

Sabine Latzel

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