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Ostholstein Klaffende Wunde im Herzen Eutins
Lokales Ostholstein Klaffende Wunde im Herzen Eutins
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06:37 30.01.2016
Einsturzgefahr: Nach dem Großfeuer reißt ein Bagger Mauerreste ein. Die Ermittler konnten in den Trümmern Brandbeschleuniger nachweisen, der Brandstifter aber wurde nie gefasst. Quelle: Fotos: Eckhard Meier
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Eutin

Zehn Jahre ist es her, dass das Voss-Haus niederbrannte. In der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 2006 stemmten sich mehr als 160 Feuerwehrleute aus Ostholstein und Plön gegen die Flammen, die das Traditionshotel und -restaurant vernichteten. Bis heute ist die Lücke am Eutiner Vossplatz nicht geschlossen worden, Pflanzen und Sträucher überwuchern Reste des Fundaments, regelmäßig kommt ein Schädlingsbekämpfer, um gegen Ratten auf dem Gelände vorzugehen.

Mit der Situation sind alle unzufrieden. Alteingesessene Eutiner bekümmert der Anblick, die Stadtverwaltung ärgert sich über den Schandfleck. Längst hätte an historischer Stelle wieder ein Hotel stehen sollen. Die ehemaligen Betreiber des Voss-Hauses, das Ehepaar Lars Rülander und Barbara Rülander- Berlinghoff, haben im Februar 2011 eine Baugenehmigung für einen Neubau erhalten. Am Vossplatz sollte ein Hotel garni mit neun Doppelzimmern entstehen, zusätzlich acht Wohnungen zwischen 50 und 140 Quadratmetern. Die Baugenehmigung wurde durch gemeindliches Einvernehmen des Bürgermeisters im April 2014 verlängert.

Dass das Vorhaben letztlich nicht umgesetzt wurde, sei einem Mitglied der benachbarten Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) zu „verdanken“, hieß es 2014 im Stadtentwicklungsausschuss.

Dieser verwehre seine Zustimmung zu einer erforderlichen Grundbucheintragung, bestätigten damals Stadtvertreter. Diese Zustimmung hätte garantiert, dass im Falle eines Feuers im neuen Voss-Haus der zweite Flucht- und Rettungsweg über das Grundstück der WEG führen dürfe.

Im vergangenen Jahr gab es bei dem geplanten Bauprojekt einen Architektenwechsel. Stephan Barnstedt betreue das Vorhaben jetzt, bestätigte Barbara Rülander-Berlinghoff. Sie könne verstehen, dass angesichts des Datums das Interesse am Voss-Haus besonders groß sei. Dennoch könne sie keine konkreten Aussagen machen. „Wir warten auf Genehmigungen, weil wir umgestalten müssen.“ Um einen zweiten Fluchtweg zu schaffen, sei das Gebäude umgeplant worden, so Barnstedt. Wegen der Veränderungen in der Konstruktion habe eine neue Baugenehmigung beim Kreis beantragt werden müssen. Der Architekt versicherte aber, dass die historisch angelehnte Front des Hauses bleiben werde.

„Sehr unschön“ nannte Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt die jetzige „Verkleidung“ des Ruinengeländes. Die mit LGS-Motiven bedruckten Planen — gestiftet vom Malenter Kay Cornils — seien zum Teil zerrissen. „Das muss zur LGS hergerichtet werden. Uns würde da auch was Flotteres gefallen.“ ben

Der Kampf ums Voss-Haus
Ein paar dünne Rauchwolken über den Dachziegeln — das war alles, was die ersten Feuerwehrleute zu sehen bekamen. Nichts deutete zu dieser späten Stunde des 29.
Januar 2006 darauf hin, dass sich in den nächsten Stunden mitten im Zentrum Eutins etwas abspielen würde, das die Öffentlichkeit ganze zehn Jahre später unverändert intensiv beschäftigen sollte. Was mit ein bisschen Qualm begann, endete mit dem Totalverlust eines der wichtigsten Gebäude der Altstadt: Vom historischen Voss-Haus war nach dieser Nacht nur noch ein verkohlter Trümmerhaufen übrig.
Eutins Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt erinnert sich sehr genau an die Stunden bei eisigen Temperaturen, die die Löscharbeiten nicht gerade erleichterten. „Da hatte bereits ein ausgedehnter Schwelbrand sein Zerstörungswerk begonnen“, sagt er. „Als die ersten Löschtrupps ins Gebäude vordrangen, konnten sie die Hand vor Augen nicht mehr sehen.“ Plötzlich habe alles in Flammen gestanden.
„Es war eine höchst riskante Situation.“
Innerhalb kurzer Zeit waren nicht weniger als 18 Wehren mit fünf Drehleitern am Einsatzort. Kreutzfeldt weiß noch, dass die Nachbarwehr aus Röbel maßgeblich damit beschäftigt war, Löcher ins Eis des zugefrorenen Eutiner Sees zu hacken, um die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Andere mussten sich als Streudienst betätigen, weil die Wassermassen die Straßen in gefährliche Rutschbahnen verwandelten. Doch trotz aller Bemühungen war schnell klar, dass das geschichtsträchtige Gebäude nicht zu halten sein würde. Bei Tageslicht musste ein Bagger anrücken, um die stehengebliebenen Mauerreste einzureißen. Die Trümmer rauchten noch Tage später.
Die Nachricht von der Vernichtung des Hauses, das den Namen des berühmten Homer-Übersetzers und Pädagogen Johann Heinrich Voß trug, verbreitete sich im ganzen Bundesgebiet. Schleswig- Holsteins damaliger Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) kam eigens nach Eutin, um sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung zu machen. mec

LN

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