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Ostholstein Kleingärtner in Geldnot: Zu viel Leerstand in der Kolonie
Lokales Ostholstein Kleingärtner in Geldnot: Zu viel Leerstand in der Kolonie
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22:10 27.07.2018
Seit zwei Jahren bewirtschaftet Manuela Süssenguth ihren Kleingarten und hat für sich und ihre Familie eine kleine Oase geschaffen. Quelle: Foto: Benthien
Eutin

Der bisherige Vorsitzende – er war 14 Jahre an der Spitze – wurde aus dem Verein ausgeschlossen. „Bei Durchsicht der Konten ist eine Vermischung von Pachten und Kautionen festgestellt worden“, sagt Kurt Foth (73), Schiedsmann und seit sechs Jahren Vereinsmitglied. In den vergangenen drei Jahren habe die Vereinskasse stets ein Minus gehabt. „Wir haben uns hinhalten lassen. ,Da kommt noch ’was ’rein’ hieß es dann“, schildert Foth.

Dass der Vorstand entlastet wurde, obwohl sich den Mitgliedern der Verdacht aufdrängte, ihr Ex-Vorsitzender habe die Ämter des Stellvertreters, dessen Posten zeitweise nicht besetzt gewesen sei, und des Kassenwarts in Personalunion wahrgenommen, quittiert Foth mit Schulterzucken. Die „alten“ Pächter hätten lange zum Ex-Vorsitzenden gehalten, seien gutgläubig gewesen und hätten sich Fehler oder Versäumnisse nicht vorstellen können. Als er erkrankt sei, sei vieles erst recht mit Nachsicht behandelt worden, sagt Kurt Foth. Für Mitglieder, die die Vereinsangelegenheiten ordnen wollten, sei es von da an ganz schwer geworden, Kontakt herzustellen. „Er hat keine Stellungnahme abgegeben“, berichtet Foth.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung hörten die anwesenden 50 der 78 Mitglieder einen „ernüchternden Zustandsbericht über die Lage des Vereins“, so heißt es in einer Mitteilung und weiter:

„Die angespannten Finanzen des Vereins und ihre Ursachen führten zu großer Betroffenheit.“ Alle entbehrlichen Dienstleistungen wie Telefon und Internet seien gekündigt worden, erklärt die neue Vorsitzende des Vereins, Manuela Süssenguth. Die 36-Jährige ist erst seit 2016 Kleingärtnerin. Als Kandidatin für den Vereinsvorsitz ließ sie sich aufstellen, weil „mir der Kragen geplatzt ist. Ich habe so viel Zeit und Kraft in meinen Garten gesteckt – ich möchte ihn behalten. Und ich möchte, dass der Verein wieder zur Ruhe kommt“, sagt sie. Ihr Vorgänger habe einen „Riesenberg an Problemen“ hinterlassen, erklären Süssenguth und Foth: viele nicht vermietete, zum Teil heruntergekommene Parzellen (25 von 105), ausstehende Pachten, fehlende Rücklagen. „Die werden wir aber brauchen. Unsere Wasserleitungen sind aus den 1960er Jahren“, sagt Foth. „Wenn wir voll vermietet wären und auch die Zahlungsmoral mancher Mitglieder besser wäre, könnten wir gut existieren.“

Im Moment fürchtet er noch eine drohende Insolvenz. Um die abzuwenden, arbeiten der neue Vorstand (2. Vorsitzender Dirk Schulz, Schatzmeister Bernd Ditscher) und eine Gruppe von Unterstützern hart.

Angesagt sind sparsames Wirtschaften, viel Eigenleistungen und neue Initiativen. Beispielsweise lädt der Verein am heutigen Sonnabend zum Beisammensein mit Kaffee und Kuchen in die Anlage ein. Am 1.

September veranstaltet er einen Flohmarkt.

Zudem werden Anstrengungen unternommen, leer stehende Gärten zu verpachten. Dazu muss aus manchen Müll entsorgt werden, auch müssen alte Lauben abgerissen werden. „Das schaffen wir nur nach und nach“, schildert Manuela Süssenguth. Verwilderte „Extremgärten“ werden in diesem Jahr pachtfrei abgegeben, gezahlt werden muss für sie erst ab 2019. „Die Grundstücke werden nachgefragt“, sagt Kurt Foth froh, „je nach Zustand mehr oder weniger.“ Der Verein bekomme inzwischen schon Anfragen aus Hamburg. „Ein junges Paar hat Interesse an gleich zwei Parzellen. Sie seien unglaublich günstig im Vergleich zu Hamburg und durch die Nähe zur Ostsee eine echte Sahnelage“, berichtet er aus dem Gespräch.

Der ehemalige Vorsitzende des Vereins möchte sich nicht äußern, ließ seine Frau auf Anfrage mitteilen.

Parzellen zu vergeben

Wer Interesse an einem Kleingarten hat, kann sich bei Manuela Süssenguth unter Telefon 0160/98289557 oder per E-Mail an

elli1106@web.de melden. Sie nimmt auch Anmeldungen für den Flohmarkt entgegen.

Die Grundstücke sind zwischen 400 und 550 Quadratmeter groß. Die Pacht beträgt 29 Cent pro Quadratmeter pro Parzelle und Jahr. Hinzu kommen ein Mitgliedsbeitrag in Höhe von 18 Euro/Jahr und sechs Euro Mähgeld im Jahr.

Ulrike Benthien

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