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Kommt AKW-Schutt nach Gremersdorf?

Gremersdorf Kommt AKW-Schutt nach Gremersdorf?

Minister plädiert nach Abriss für gerechte Verteilung im Land – Deponie in Johannistal gilt als geeignet.

Gremersdorf/Kiel. Werden Abfälle aus Atomkraftwerken (AKW) bald auch nach Gremersdorf gebracht? Die Deponie in Johannistal ist eine von sieben Anlagen im Land, die als geeignet gelten, Müll aufzunehmen, der beim geplanten Rückbau der hiesigen Kernkraftwerke entsteht. Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) hat sich für eine möglichst gleichmäßige Verteilung ausgesprochen (die LN berichteten). Eine Entscheidung gibt es bisher jedoch nicht. Die Gemeindevertreter befassten sich zurzeit sehr intensiv mit dem Thema, sagt Gremersdorfs Bürgermeister Henning Pries (CDU). Auch eine öffentliche Info-Veranstaltung soll es voraussichtlich noch geben.

 

LN-Bild

„Es ist zu früh für eine Entscheidung. Wir beraten das Thema sehr intensiv.“ Henning Pries (CDU), Bürgermeister

Quelle:

Laut Ministeriumssprecherin Nicola Kabel würde gegebenenfalls ausschließlich Müll nach Johannistal gebracht, der „nach dem Atomgesetz als nicht radioaktiv“ gilt. Zwar könnten einzelne Abfälle im Kraftwerk mit Radioaktivität in Berührung gekommen sein. Diese müssten dann aber „eine so geringe Aktivität haben, dass man sie auf einer Deponie innerhalb der natürlichen Radioaktivität der Umwelt gar nicht mehr messen kann“. Die durchschnittliche Alltagsbelastung der Menschen sei etwa 200-mal so hoch wie der in der Strahlenschutzverordnung festgelegte Grenzwert (zehn Mikrosievert). „Es geht nicht um Atommüll und auch nicht um schwach radioaktiven Müll“, betont Kabel, „von den Abfällen geht keine Gefährdung aus.“

Dass AKW-Schutt in der Nachbarschaft bei vielen Menschen Ängste auslöse, sei dennoch nachvollziehbar, sagen sowohl Minister Habeck als auch Bürgermeister Pries. Während Ersterer von einer „emotionalen Belastung aufgrund der Herkunft aus einem Atomkraftwerk“ spricht, will sich Letzterer zunächst selbst ein umfassendes Bild der betreffenden Richtlinien und Grenzwerte machen. Er nehme die Befürchtungen der Bürger sehr ernst, so Pries. Das Vorhaben von vornherein kategorisch abzulehnen, sei jedoch „etwas zu einfach; als Gesellschaft müssen wir uns den Konsequenzen aus dem Rückbau der Kernkraftwerke stellen“. Noch sei es aber „zu früh, um sich eine abschließende Meinung zu bilden“.

Laut Ministeriumssprecherin Kabel laufen bereits vorbereitende Maßnahmen für den Abriss der Atomkraftwerke. Auch dabei falle Bauschutt an, der in einer Deponie abgeladen werden muss. Es sei jedoch „nicht zwingend, dass das schon im Herbst 2016 passieren muss“, so Kabel, „eine Zeitlang können diese Stoffe auch noch auf dem Gelände gelagert werden“.

Insgesamt gehe es grob geschätzt um etwa 35 Tonnen Müll, die innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahrzehnte in Deponien entsorgt werden müssten. Vorwiegend handele es sich dabei um Bauschutt, beispielsweise seien aber auch Mineralwolle, Isolierstoffe oder asbesthaltige Materialien vertreten.

Industrieabfälle, wie sie anderswo auch vorkämen, betont Kabel. Bei allem, was mit Atomkraftwerken zu tun habe, reagiere die Öffentlichkeit allerdings verständlicherweise sehr sensibel. Deshalb „wollen wir Transparenz, Dialog und schließlich gemeinsame Verantwortung“. Das Informationsbedürfnis innerhalb der betroffenen Kommunen sei groß; es sei wichtig, die Menschen vor Ort umfassend über die Thematik aufzuklären.

Das sieht Henning Pries genauso. Er hält insofern eine Einwohnerversammlung „für unbedingt notwendig“. Es sei wichtig, „die Bürger mitzunehmen, sie zu informieren und ihre Meinung zu der Sache zu hören“. In den politischen Gremien soll nun das weitere Vorgehen beraten werden.

Jennifer Binder

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