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Ostholstein Konkurrenzkampf gefährdet das schnelle Internet
Lokales Ostholstein Konkurrenzkampf gefährdet das schnelle Internet
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09:58 02.08.2017
Künftige Kunden bangen um den Glasfaserausbau. Quelle: Jan Woitas/dpa

Eine Angst, die nicht ganz unbegründet ist. Die vom Zweckverband Ostholstein (ZVO) beauftragte TNG Stadtnetz Kiel GmbH und die Stadtwerke Eutin werben jeder für sich im Aktionsgebiet (Gemeinden Süsel, Kasseedorf und Altenkrempe) für ihr künftiges Glasfasernetz. Aber bei wem sollen die Einwohner unterschreiben, damit der Ausbau klappt? Michael Bonne aus Bujendorf (Gemeinde Süsel): „Was ist, wenn ich beim ,falschen’ unterschreibe oder beide Anbieter nur auf 31 Prozent Vertragsquote kommen? Dann baut keiner, obwohl genug Interessenten da wären?“

Das könnte durchaus passieren, sagt TNG-Sprecher Marc Neben. „Wir haben einen Auftrag erhalten. Wenn andere Marktteilnehmer uns zuvorkommen, erschwert das die Vermarktung und verunsichert die Verbraucher.“

Marc Neben lässt keinen Zweifel daran, dass das Glasfasernetz teuer ist und sich rechnen müsse. „Wir können nur wirtschaftlich etwas anbieten, wenn wir 60 Prozent oder mehr erreichen. Wenn wir 60 Prozent bekommen, bauen wir aus. Wenn nicht, dann nicht.“ Von den Stadtwerken Eutin heißt es in einer mageren Stellungnahme lediglich, sie seien zuversichtlich, die 60 Prozent zu erreichen.

„Nicht glücklich“ mit der Situation ist Süsels Bürgermeister Holger Reinholdt (FWS). Er hatte für vier Orte (Röbel, Bockholt, Groß Meinsdorf, Gotendorf) die Stadtwerke empfohlen, weil die TNG dort nicht das mit Zuschüssen geförderte Glasfasernetz bauen darf. Kurz darauf hatte die TNG angekündigt, auch in diesen sogenannten „schwarzen Flecken“ ihr Angebot zu unterbreiten, ohne öffentliche Förderung. „Wir haben nicht die Möglichkeit, dort einzugreifen“, sagt Reinholdt. Er könne nur sein Wort in Waagschale werfen. Kritik übt Reinholdt am Vorgehen von TNG: „Wenn ein gefördertes Netz an die schwarzen Flecken herangeführt wird, sehe ich da eine Interessenkollision. Das hat ein Gschmäckle.“ Er werde sich deshalb an den ZVO wenden.

Das alles hilft den Bewohnern des Aktionsgebietes nicht. Michael Bonne überlegt: „Ich käme ja auf den Gedanken, bei beiden Anbietern zu unterschreiben, wenn einer baut, wird der andere nicht auch bauen und der Vertrag hinfällig. Aber was wäre dann, wenn trotzdem beide ein Netz aufbauen? Dann habe ich zwei Verträge für zwei Jahre zu erfüllen.“ Das setzt allerdings voraus, dass beide Bewerber bauen. Etwas, was Marc Neben nicht von vornherein ausschließen will. „Wir könnten zu der absurden Situation kommen, dass wir zwei Netze haben. Das wäre deutschlandweit einmalig.“ Bürgermeister Reinholdt: „Das halte ich für nicht realistisch, aber das regelt der Wettbewerb.“

ZVO-Sprecherin Nicole Buschermöhle sieht keine Gefahr für die Kunden, wenn sie zwei Verträge unterschreiben. Sie zählen für die 60-Prozent-Quote, die TNG werde sich auch hinten anstellen und einen Vorvertrag erst in zwei Jahren in Kraft setzen. Buschermöhle und Neben transportieren aber vor allem eines: „Wenn wir 60 Prozent erreichen, bauen wir 100 Prozent der Gemeinde aus.“

 Susanne Peyronnet

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