Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Kreis Ostholstein sagt Nein zur Tennet-Trasse
Lokales Ostholstein Kreis Ostholstein sagt Nein zur Tennet-Trasse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:53 04.01.2018
Höchstspannungs-Freilandleitungen muss es in Ostholstein nicht geben. Es könnten Erdkabeln verlegt werden.  Quelle: HFR
Anzeige
Eutin

Klare Kante im Eutiner Kreishaus. Landrat Reinhard Sager (CDU) wird heute die Landesregierung, die Bundesnetzagentur, die Schleswig-Holstein Netz-Agentur sowie Netzbetreiber Tennet informieren. Die Botschaft an Kiel: „Ein Umdenken muss stattfinden.“ Die Zeit rast. Denn Tennet will die Planfeststellungsunterlage noch im ersten Quartal 2018 einreichen.

Prof. Dr. Lorenz Jarass skizzierte, dass sowohl ein 110-kV- sowie auch ein schlankes 380-kV-Erdkabel auf der Stromtrasse Lübeck nach Göhl rechtssicher realisierbar wären. Er sagt: „Die von Tennet geplante Ostküstenleitung ist total überdimensioniert und für einen sensiblen Raum wie Ostholstein eine enorme und überflüssige Belastung.“

Die Bundesnetzagentur hatte am 21. Dezember 2017 zwar eingestanden, dass die Mindestauslastung von 20 Prozent bei der Ostküstentrasse mit Spitzen um 13 Prozent nicht erreicht würde. Dennoch sei das Projekt zu realisieren, da es keine Alternative dazu gebe. Genau an dieser Stelle widersprechen die Gutachter Prof. Dr. Lorenz Jarass und Prof. Dr. Heinrich Brakelmann deutlich.

Es gebe in der Leistung ausreichende Komplett-Erdverkabelungen mit 110 Kilovolt oder aber auch 380 Kilovolt – und das kostengünstiger. Die Tennet-Variante liegt bei 154 Millionen Euro. Die alternative 110er-Variante bei 127 Millionen und die 380er mit Komplett-Erdverkabelung bei 140 Millionen Euro. Prof. Jarass: „Das ist kein Hexenwerk. Wir sprechen aus der Praxis, dies alles ist absolut rechtskonform.“ Und die Natur wird ebenfalls geschützt: Keine Freilandleitung mehr – und die Erdverkabelung hätte eine andere Dimension.

Tennet plante bei Göhl die XXL-Form mit 45-Meter-Korridor in der Bauphase. Möglich sei der sanfte Bau mit Zehn-Meter-Schneise, während der Betriebsphase zu reduzieren auf 2,80 bis 3,80 Meter. Die Bundesnetzagentur hatte die Ostküstenleitung in puncto Umweltverträglichkeit mit der schlechtesten aller Bewertungen versehen. Landrat Sager dazu: „Das sehen wir äußerst kritisch.“ Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller ergänzte: „Tennet muss jetzt ganz klar umdenken und daran arbeiten, die Akzeptanz in der Bevölkerung zurückzugewinnen.“

Die Gutachter führten weiter aus, dass die Trasse von Lübeck nach Siems komplett überflüssig sei. Jarass dazu: „Tennet hat uns bis heute zentrale Fragen hierzu nicht beantworten können. Wie beispielsweise zu möglichen Problemfällen aus der Vergangenheit.“ Auch hier sei, wenn denn gebaut werden solle, eine der Alternativen zu berücksichtigen. Beide Gutachter betonten, dass Ostholstein mit den Alternativen auf Jahrzehnte wettbewerbsfähig sein könnte.

Von Peter Mantik 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige