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Ostholstein Kremper Au: Dünger vernichtet kompletten Fischbestand
Lokales Ostholstein Kremper Au: Dünger vernichtet kompletten Fischbestand
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15:06 14.10.2014
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Altenkrempe

Spaziergängern entlang der Kremper Au bot sich gestern ein grausiges Bild. Tausende toter Fische trieben dort an der Wasseroberfläche. Erschrocken war darüber auch Christine Schreiber. Die Altenkremperin ging gestern entlang der Kremper Au spazieren, informierte anschließend die Polizei und auch die Lübecker Nachrichten. „All die toten Fische — das ist wirklich ein schockierender Anblick“, so Schreiber.

Sie hatte bereits vor 14 Tagen tote Fisch in der Au gesichtet und macht sich jetzt Vorwürfe, nicht früher gehandelt zu haben. Doch dem Kreis lagen zu diesem Zeitpunkt bereits Aussagen über ein Fischesterben vor. „Wir hatten schon vor einigen Wochen Hinweise. Kontrollen ergaben jedoch keinerlei Anzeichen einer Verschmutzung“, so Susanne Klehn, Leiterin des Fachdienstes Boden- und Gewässerschutz beim Kreis Ostholstein.

Erst vergangenen Mittwoch hätten eindeutige Hinweise auf eine Verschmutzung vorgelegen. Klehn: „Der milchig-trübe Film auf dem Wasser war unübersehbar und sehr lang.“ Einen Tag später ging auch beim Fachdienst Umweltschutz der Polizei in Scharbeutz eine Anzeige ein.

Ursächlich für die Verunreinigung sollen Sickersäfte von Maissilage sein, die aus einer in der Nähe befindlichen Biogasanlage ausgetreten sind. Die Sickersäfte, so Klehn, entstünden durch hohen Pressdruck der Pflanzen und würden im Normalfall als hochkonzentrierter Dünger dem Prozess zur Energiegewinnung zugeführt. Klehn: „In diesem Fall haben jedoch Baumaßnahmen auf dem Gelände dazu geführt, dass eine Leitung des sonst geschlossenen Systems nach außen geöffnet wurde und somit der Dünger in die Krummbek, die Kremper Au und weiter ins Neustädter Binnengewässer gelangen konnte.“

Man gehe von einem Unfall aus, der Betreiber der Biogasanlage habe sich anschließend in jeder Hinsicht kooperativ verhalten, betonte Klehn.

Der starke Nährstoffeintrag habe eine erhebliche Verknappung des Sauerstoffgehaltes im Wasser zur Folge gehabt. Erschwerend sei hinzugekommen, dass sowohl die Krummbek und die Kremper Au zum maßgeblichen Zeitpunkt nur sehr wenig Wasser geführt hätten.

Betroffen von dem Fischsterben zeigte sich auch Peter Klüver, Vorsitzender des Neustädter Anglervereins, der das Gewässer vom Wasser- und Bodenverband gepachtet hat. „Das ist wirklich sehr bedauerlich. Wir hoffen, dass die Meerforellen, die jetzt bald in der Kremper Au zum Laichen hochsteigen, keinen Schaden nehmen.“ Der Anglerverein bemüht sich seit Jahren mit gezielten Maßnahmen, den Bestand an Meerforellen zu vergrößern. Von dem Fischsterben seien jetzt Rotaugen, Barsche, Karpfen, Aale und Hechte betroffen. Klüver: „Auch wenn die Versicherung des Verursachers für den Schaden und den neuen Besatz aufkommt, wird es Jahre dauern, den Bestand wieder auf den bisherigen Umfang zu bringen.“

Der Fischbestand ist nicht mehr zu retten. Aber wie sieht es mit den langfristigen Umweltschäden aus? „Das muss erst abgewartet werden. Es wurden Proben entnommen, die Untersuchungen laufen noch“, sagt Klehn. Die Regenfälle der vergangenen Tage hätten jedoch zu einer Verdünnung des Düngers beigetragen. Auch wenn man beim Kreis von einem Unfall ausgeht, ermittelt die Polizei gegen den mutmaßlichen Verursacher wegen fahrlässiger Gewässerverschmutzung.

Thomas Klatt

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