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Ostholstein „Kriegt der Gelb oder was?“
Lokales Ostholstein „Kriegt der Gelb oder was?“
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20:09 17.06.2016
Etwa 20 Männer und Frauen haben das Spiel bei der Feuerwehr verfolgt. In dem Raum finden sonst Schulungen statt, aber auch Seniorenweihnachtsfeiern oder Sitzungen der Wassergenossenschaft. Quelle: Fotos: Felix König
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Dunkelsdorf

Es war ja alles klar, sie hätten sich nur dran halten müssen. Sie hätten 2:1 gewinnen können oder 3:0, auch ein souveräner 5:1-Tipp stand auf der Bratwurstpappe. Es war also einiges erlaubt. Aber die Herren hatten andere Pläne, und dann ging der Wetteinsatz eben komplett an die Feuerwehr.

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Etwa 20 Männer und Frauen haben das Spiel bei der Feuerwehr verfolgt. In dem Raum finden sonst Schulungen statt, aber auch Seniorenweihnachtsfeiern oder Sitzungen der Wassergenossenschaft.

„Der ist jetzt einfach mit dabei.“ Dorfvorsteher Rüdiger Kleinert über einen Flüchtling, der auch zugesehen hat

Die Feuerwehr thront in Dunkelsdorf auf einer kleinen Anhöhe. Links im Gerätehaus steht das TSF-W, das Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser, dreizehn Jahre alt, Atemschutzgeräte an Bord, hinten die Spindel für den Schnellangriff. Im anderen Teil liegt der Schulungsraum, holzvertäfelt, eine kleine Theke, über einen Mangel an Urkunden und Pokalen kann man sich nicht beklagen. Und als Khedira nach 40 Sekunden mit einigem Glück an der gelben Karte vorbeischrammt, merkt man: Es geht hier heute Abend um wichtige Dinge.

Deutschland gegen Polen steht auf dem Programm, von einem Beamer an die Leinwand geworfen. Und wo sich auf der Berliner Fanmeile Zehntausende zum Public Viewing versammelt haben, sind es in Dunkelsdorf etwa 20, darunter auch ein Flüchtling aus Syrien. „Der ist jetzt einfach mit dabei“, sagt Dorfvorsteher Rüdiger Kleinert.

Sie haben keine Vuvuzelas mitgebracht, es gibt keine Trommeln, keine Fahnen. Das ist hier nicht die Westkurve. Es gibt statt dessen eine schöne Gelassenheit, die aber nicht frei ist von Gefühl. Es kommt Fachwissen hinzu, Spontanes und Erfahrung, Entsetzen manchmal und vorsichtige Euphorie, und dann füllt sich der Raum langsam mit Fußballersätzen:

„Ja, ja, ja, ja! Genau!“

„Boooaahh! Meine Güte!“

„Sehr gut! Seeehr gut!“

„Kriegt der Gelb oder was?“

„Da steh’n hinten neun Loide drin.“

„Michael, bringst du mir auch noch eins mit?“

„Zu weit, zu weeiiit!“

„Jaaa, Boateng!“

„Rechts!“

„Kommt nich’ an, das Ding.“

„Abseits! Abseiiits!“

„Jawoll!“

„Oooaaahhuuuhhh!“

„Was, was, was, was?“

„Jaaah! Jetzt, jetzt, jetzt! Rüber! Maaann.“

„Ecke!“

„Was hat er denn?“

„Glaub’ ich nich’!“

„Jaa! Oh, sachma!“

„Nee, nee, nee, der steht gleich wieder auf.“

„Ach komm hier, gibt’s doch gar nich’!“

„Sauber!“

„Das pfeift er nich’!“

Und als Özil Gelb kassiert für ein angebliches Foul an Krychowiak, da ist von „Nullnummer“ die Rede. Dunkelsdorf ist nicht überzeugt.

Irgendwann schleppt sich das Spiel dahin. Höwedes flankt ins Nichts, Müller segelt zwischen Roncalli und rhythmischer Sportgymnastik durch den Strafraum, Löw ist ratlos und über dem Feuerwehrgerätehaus die Sonne inzwischen untergegangen. „So, komm, einsnull jetzt und fertig“, sagt einer an der Theke, aber es kommt nicht an in Paris. Dann ist Schluss, torlos und auch ein bisschen trostlos. Beamer und Leinwand werden eingepackt, die Tische wieder richtig hingestellt, denn am nächsten Tag kommen die Leute für die Truppmannausbildung. Und am Dienstag kommt Nordirland.

 Peter Intelmann

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