Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Küstenwache“-Kneipe brennt völlig nieder
Lokales Ostholstein „Küstenwache“-Kneipe brennt völlig nieder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:39 09.01.2018
55 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen. Zudem waren Polizei, Rettungsdienst und Kripo im Einsatz. Quelle: Fotos: Arne Jappe, Rosenkötter
Anzeige
Pelzerhaken

„Das ist das Ende einer Ära“, sagte eine Frau gestern Vormittag, während sie die Ruine betrachtete. Das Feuer war am frühen Mittwochmorgen ausgebrochen. Die Feuerwehr wurde um kurz vor 3 Uhr alarmiert. Einsatzleiter Sebastian Papke sagte den LN, dass das Gebäude zu diesem Zeitpunkt bereits in voller Ausdehnung brannte. „Der Himmel war rot gefärbt. Die heraneilenden Wehren haben das Feuer bereits vom Neustädter Ostring gesehen“, so Papke. Die Entfernung zwischen den Orten beträgt immerhin knapp drei Kilometer Luftlinie.

Feuer zerstört „Störtebeker“ in Pelzerhaken – Die Kriminalpolizei ermittelt.

10 Jahre im ZDF

Die Serie „Küstenwache“ wurde bis Anfang 2016 im ZDF ausgestrahlt. Bereits im Juni 2014 gab der Sender das Ende der Dreharbeiten bekannt. Begründet wurde diese Entscheidung mit einer Modernisierung des Programms. Die Serie lief seit 1996. Viele Ostholsteiner waren als Komparsen zu sehen.

Da das enorme Ausmaß des Brandes bereits bei der Anfahrt erkennbar war, wurden weitere Kräfte aus Grömitz und Sierksdorf alarmiert. „Somit hatten wir ausreichend Atemschutzgeräteträger zur Verfügung“, erläuterte Sebastian Papke. Den Brandschützern gelang es, ein Übergreifen auf benachbarte Lokale sowie Bungalows mit einer sogenannten Riegelstellung zu verhindern. Das Löschen zog sich jedoch hin. Immer wieder flammten neue Feuer auf. „Wir mussten das Dach teilweise aufsägen, um an die Glutnester zu kommen“, so Papke. Erst am Morgen entspannte sich die Situation. Um 8.30 Uhr sei das Feuer aus und das Gelände von der Kripo abgesperrt gewesen. Der Einsatz war damit für die Wehren beendet. Weder Anwohner noch Einsatzkräfte wurden verletzt.

Das bislang heftigste Feuer in diesem Jahr in Neustadt löst tiefes Bedauern aus. Die Gaststätte war erst im Frühjahr von einem neuen Gastronomen übernommen und aufgehübscht worden. Viele Gäste sprachen von einer Wiederbelebung der Kultkneipe. Denn bekannt wurde sie als Drehort der ZDF-Serie „Küstenwache“. Etliche Fans steuerten die Örtlichkeit an. Immer wieder war sie auch Ziel von geführten Fan-Radtouren.

Für Katarina Clarus, langjährige Vorsitzende des ehemaligen Küstenwache-Fanclubs, ist es ein harter Schlag. „Wir finden das extrem schade für diejenigen, die extra wegen der Serie nach Neustadt kommen. Zwar wurde hier schon lange nicht mehr gedreht, aber die winzige Kneipe war immer Anlaufstelle“, so Clarus.

Ähnlich äußerte sich Stephan Reil vom Tourismus-Service, der seine Zentrale nur weniger Meter entfernt hat. Der stellvertretende Werkleiter sprach von einem Stück Geschichte, das verloren gegangen sei. „Das ,Störtebeker’ war eine Institution, ein Anlaufpunkt und ein Treffpunkt“, sagt Reil. Wie es mit dem Betrieb weitergeht, ist unklar. Der Betreiber war gestern nicht zu erreichen. Auch steht die Schadenshöhe bislang nicht fest.

Weitere Infos: www.zdf.de/serien/kuestenwache

 Sebastian Rosenkötter und Arne Jappe

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige