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Ostholstein Küstenwache versteigert ihre Schiffe
Lokales Ostholstein Küstenwache versteigert ihre Schiffe
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10:56 19.02.2018
Noch liegen sie als „Päckchen“ im Hafen der Bundespolizei in Neustadt – die „Bad Düben“ (l.) und die „Neustrelitz“. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Die Auktion übernimmt die VEBEG, das Verwertungsunternehmen des Bundes. Käufer können dort ausgemusterte Feuerwehrfahrzeuge, Limousinen von Politikern, Flugzeugteile und eben Schiffe erwerben. Für die fast 30 Jahre alten Exemplare der Bundespolizei See müssen die Gebote bis zum 6. Februar um 13 Uhr abgegeben werden. Kommende Woche Dienstag und Mittwoch können sie dann besichtigt werden – allerdings nur mit Voranmeldung.

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Beide Schiffe wurden seit Mitte der 1990er Jahre für Kontrollfahrten auf der Ostsee genutzt. Ereignisse mit überregionaler Bedeutung sind mit ihnen verknüpft. Könnte die „Bad Düben“ sprechen, würde sie von den Dreharbeiten der vor einigen Jahren eingestellten TV-Serie „Küstenwache“ berichten. Die „Neustrelitz“ wiederum dürfte sich vor allem an ein Fährunglück erinnern. Im Oktober 2010 brannte die „Lisco Gloria“ nördlich im Fehmarnbelt lichterloh. 204 Passagiere und die gesamte Crew konnten von den Bundespolizisten an Bord geholt werden. Und dann wäre da noch der 28. Juni 2017. An diesem Tag erklang die Nationalhymne im Hafen unterhalb des Neustädter Wieksbergs und die Dienstflaggen wurden eingeholt. Es war der vorerst finale Akt.

Seitdem sind die Schiffe offiziell ausgemustert, warten auf ihre Verschrottung. Wer als Käufer in Frage kommt, weiß Volkmar Kunert. Der Leiter der Abteilung Vertrieb/Beschaffung der VEBEG geht davon aus, dass „leistungsfähige Abwrack- und Schrotthandelsunternehmen aus der EU und Türkei mit entsprechender Anlagengenehmigung“ das Höchstgebot abgeben werden. Eisen- und andere Metallteile könne man ebenso wie Antriebsmaschinen und Aggregate zu Geld machen.

Verschrottung nur in der EU und der Türkei erlaubt

Dass der Verkauf nur in die genannten Länder stattfinden darf, hängt mit der Überwachung und dem abfallrechtlichen Genehmigungsverfahren zusammen. Die VEBEG hat die Erfahrung gemacht, dass Schiffe und Boote dieser Größenklasse aus der EU nur innerhalb der EU und der Türkei wirklich verschrottet werden. Beauftragte der Bundespolizei sollen die vollständige Verschrottung kontrollieren. Damit alles glatt geht, erhalte der Abwracker erst nach Erfüllung aller Auflagen seine zusätzlich zum Kaufpreis zu leistende Sicherheit in Höhe von 10000 Euro zurück.

Ausgeschlossen ist, dass die „Bad Düben“ und die „Neustrelitz“ jemals wieder aus eigener Kraft fahren werden. Aus der Ausschreibung der VEBEG geht hervor, dass sie nicht fahrfähig seien und ein Schlepper benötigt werde. „Es wurden verschiedene Ausbauten und Abrüstungen vorgenommen, die einen sicheren Betrieb nicht mehr zulassen“, präzisiert Kunert. Ein Abwracken in Neustadt ist ebenfalls ausgeschlossen.

Zudem verhindern bauliche Vorrichtungen, dass die Schiffe von Käufern für Fahrten über Meere flott gemacht werden. Kunert erläutert, dass „der Rumpf als ehemaliger Rumpf eines Schnellbootes“ nach Auffassung des Bundesinnenministeriums unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. „An den Booten wurden bereits Teildemilitarisierungen und Ausbauten vorgenommen“, sagt Kunert.

Kein Ausbau, sondern ein Neubau läuft derzeit in der Fassmer- Werft in Berne bei Bremen. Das erste Bundespolizei-Schiff soll Ende 2018 ausgeliefert werden und nach Neustadt kommen. Die Kiellegung erfolgte bereits im August 2017. Insgesamt sollen drei 86 Meter lange Neubauten bis Frühjahr 2019 ausgeliefert werden.

Städtenamen für Neubauten

Altersbedingt wurden in den vergangenen Monaten insgesamt drei Schiffe der Bundespolizei See ausgemustert. Dies waren die „Bad Düben“ sowie die „Neustrelitz“ aus Neustadt und die „Bredstedt“ mit Heimathafen Warnemünde.

Die Neubauten kosten nach aktuellen Angaben 165 Millionen Euro. Sie werden – so eine Entscheidung des Bundesinnenministeriums – nach den Städten Potsdam, Bamberg und erneut Bad Düben benannt. Die Taufe soll nach deren Indienststellung im Frühjahr 2019 erfolgen.

 Sebastian Rosenkötter

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