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Ostholstein Kunst, Sexismus und die Piepgras-Show
Lokales Ostholstein Kunst, Sexismus und die Piepgras-Show
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20:21 31.03.2018
Anja Es und Maler Kai Piepgras mit zwei neuen Bildern. Die „Verhüllt“-Werke stehen vor einer der „Schlampen“ von Anja Es. Quelle: Fotos: Peyronnet
Timmendorfer Strand

Piepgras gibt unumwunden zu, dass ihm als Künstler kaum etwas besseres passieren konnte, als plötzlich und unverhofft bundesweit Schlagzeilen zu machen. Wenn er erzählt, dass sein E-Mail-Postfach fast explodiert wäre, ahnt man, was da in der kleinen Gemeinde an der Ostsee losgetreten wurde. Piepgras’ Bilder hingen noch keine zwei Tage im Heikendorfer Ratssaal, da teilte ihm der Bürgermeister mit, eine Gemeindevertreterin fühle sich von den Bildern „sexistisch belästigt“ und bitte darum, die Gemälde zu entfernen. Genau diese Bilder und noch einige neue sind jetzt in der Galerie von Anja Es in der Trinkkurhalle zu sehen. Ausgestellt von einer bekennenden Feministin.

Er machte bundesweit Schlagzeilen, weil seine Bilder im Heikendorfer Rathaus während der Gemeindevertretersitzungen verhüllt wurden. Der Maler Kai Piepgras, dessen Sujets angeblich sexistisch sind und die Gefühle von Frauen verletzen, stellt von heute an in der Trinkkurhalle in Timmendorfer Strand aus. Eine Ausstellung, die schon lange geplant war.

Auftakt

Die Vernissage beginnt heute um 15 Uhr in der Galerie „Kunst!“ in der Trinkkurhalle in Timmendorfer Strand.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Mai zu sehen. Die Galerie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

„Nach der Verhüllung machen wir jetzt die Piepgras-Show“ sagt sie. Zu den Heikendorfer Vorfällen hat sie eine klare Meinung. „Da wird Puritanismus mit Feminismus verwechselt.“ Die Künstlerin, Malerin der „Schlampen“, großformatiger Frauenbildnisse, und Galeristin hat eine ganz eigene Meinung zu Bildern von nackten Frauen. „Die feministische Frau bestimmt auch selbst über ihre Nacktheit“.

Dabei sind die von Piepgras gemalten Frauen gar nicht nackt. Er zeigt sie von hinten mit halb entblößtem Rücken oder drapiert eine – angezogene – Frau auf der Spitze eines Lacklederstiefels mit Stilettoabsatz. Sieht man genauer hin, zeigen die Piepgras-Modelle nicht mehr Haut als ein tief ausgeschnittenes Abendkleid. Offenbar aber zu viel Haut für einige Betrachterinnen.

Der Vorwurf, sexistisch zu sein, sagt Piepgras, habe ihn als Mann und Künstler getroffen. „Sexismus ist kein Kavaliersdelikt.“ Er wolle keine Menschen mit seiner Kunst belästigen. Die „Meetoo“-Debatte gegen Sexismus finde er richtig und wichtig, habe aber wenig Verständnis dafür, wie Frauen sie so abwerten können.

Der Heikendorfer Bürgermeister hatte das Verhüllen der Bilder damit gerechtfertigt, dass die Gemeindevertreter bei der Erfüllung ihrer Pflicht nicht gestört werden dürften. Etwas, das Piepgras sogar nachvollziehen kann. „Will ich wirklich Kunst im Ratssaal haben? Im Bundestag gibt es auch keine Kunst. Es gibt ja auch hochpolitische Kunst.“ Das alles aber hätte man sich vorher überlegen sollen, bevor man eine Ausstellung ins Rathaus holt. Kein Problem hat der Künstler mit Bildern im Foyer oder in den Gängen. Aber im Ratssaal? Darüber lohne es sich zumindest nachzudenken.

Der Wirbel um die Heikendorfer Vorgänge ist inzwischen etwas abgeebbt, dürfte aber bei der Vernissage heute um 15 Uhr eine große Rolle spielen. Wer Galeristin Anja Es vorwerfen will, auf den Piepgras-Zug aufgesprungen zu sein, täuscht sich. Die Timmendorfer Ausstellung ist schon lange vor den Heikendorfer Verhüllungstagen geplant gewesen. „Ich arbeite schon seit zehn Jahren mit Kai Piepgras zusammen, es ist bereits seine dritte oder vierte Ausstellung hier.“

Für die neue Ausstellung mit 58 Gemälden, viele davon hingen bereits in Heikendorf, hätten sie nur leicht am Titel gefeilt: „Kai Piepgras – unverhüllt – Es bleibt Rot“. Mit dabei sind auch neue Bilder. Sie heißen – natürlich – „verhüllt“. Nicht zu sehen sind dagegen zwei Bilder, mit denen Piepgras die Heikendorfer Vorfälle aufs Korn nahm: weiße Leinwände, signiert, Titel „Heikendorfer Kunstzensur I“ und „Heikendorfer Kunstzensur II“. Sie sollten zwei der angeblich sexistischen Bilder im Heikendorfer Rathaus ersetzen. Eine satirische Reaktion, die jedoch ausfiel. „Es gab keine Einigung, welche die schlimmsten Bilder im Ratssaal sind“, begründet Piepgras, warum nichts daraus wurde.

Anja Es, die „Schlampen“ malende Feministin, die stets zwei verschiedene Schuhe trägt, kündigt für die Vernissage heute eine flammende Rede zur Freiheit der Kunst und zur Freiheit der Frau an.

Gehalten in schwarzen Lederstilettos.

Susanne Peyronnet

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