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Ostholstein Kunst trifft auf Landwirtschaft
Lokales Ostholstein Kunst trifft auf Landwirtschaft
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16:18 18.04.2017
Eike und Oke Steensen beteiligen sich an dem „LandKunstStück“-Projekt. Claudia Reshöft zeigt, wie eine Weide aussehen könnte. Quelle: Foto: Sebastian Rosenkötter
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Cismarfelde

 „Viele Menschen wissen nicht, warum Kühe heute kaum noch auf der Weide stehen“, sagt Journalistin Claudia Reshöft. Für die Ostholsteiner sei das ein großes Problem. Monokultur, Windkraft und Stallhaltung statt Bullerbü-Idylle. Die Menschen müssten verstehen, was im Hinterland passiert. Dabei helfen sollen Kunstwerke. Deshalb wurde vor zwei Jahren der Verein „LandKunstStück“ gegründet. Ziel ist es, Einheimische und Urlauber mit Hilfe von Skulpturen und anderen Installationen auf landwirtschaftliche Betriebe und deren Lebenswirklichkeit aufmerksam zu machen.

Förderung des ersten Werks

Der Verein „LandKunstStück“ hofft auf Geld von der EU. Bei der Aktiv-Region Wagrien-Fehmarn wurde ein entsprechender Antrag gestellt. Es geht um etwa 3500 Euro. Eine Entscheidung soll im Mai fallen.

Sponsoren und Landwirte gesucht: Wer bei dem Projekt mitmachen möchte, erhält auf der Internetseite www.landkunststück.de Infos.

Das erste Objekt soll auf einer früheren Ponyweide in Cismarfelde (Gemeinde Grömitz) realisiert werden. Die Fläche gehört Eike und Oke Steensen. Das Ehepaar bietet im Sommer regelmäßig Hofführungen an, hat eine Milchtankstelle und ist davon überzeugt, dass Verbraucher wieder dichter an die Landwirtschaft herangeführt werden müssen. „Wir machen das hier nicht zum Spaß. Wir produzieren für den Verbraucher und zwar so, wie er es haben möchte“, sagt Oke Steensen. Damit meint er vor allem den Preis. Die Haltung der Tiere und die Art und Weise, wie landwirtschaftlich gearbeitet wird, hänge maßgeblich vom finanziellen Ertrag ab. Will der Kunde nur wenige Cent für einen Liter Milch zahlen, werden die Tiere nicht auf riesigen Wiesen gehalten. „Wir zeigen die Realität. Das ist, wie wir wirtschaften können“, ergänzt Eike Steensen.

Claudia Reshöft und Ekkehard Briese, Hamburger Journalist und Initiator des Projekts, wollen bis zu zwölf Höfe im Ostseeferienland überzeugen, Flächen für Kunstwerke bereitzustellen. Zusätzlich sollen Infotafeln angefertigt werden, auf den unter anderem erläutert werden könnte, warum die Produktion von Milch einen gewissen Preis hat. „Wir wollen zum Dialog einladen, über die Zukunft der Großbetriebe und Strukturwandel sprechen“, erläutert Reshöft.

Bislang haben drei Höfe zugesagt, bei der Aktion mitzumachen. Auch gibt es mit Hans-Joachim Mocka von der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen einen künstlerischen Leiter. „Er ist gut vernetzt in der Kunstszene. Es ist geplant, dass Künstler aus Schleswig-Holstein Betriebe besuchen“, sagt Claudia Reshöft. So sollen Ideen für passende Werke entwickelt werden. Neben Skulpturen seien auch Lichtinstallationen denkbar.

Im Optimalfall entsteht in den kommenden Jahren ein Route für Radfahrer, die vorbei an Kunstwerke und Bauernhöfen verläuft. Die Vereinsgründer wollen eine etwa 35 Kilometer lange Strecke, die von Lensahn über Kellenhusen, Dahme und Grube wieder nach Lensahn führt. Zudem könnte es einmal pro Jahr eine Festwoche mit offenen Werkstätten und Diskussionsrunden geben.

 Sebastian Rosenkötter

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