Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Kunstprojekt: Menschen auf dem Bus
Lokales Ostholstein Kunstprojekt: Menschen auf dem Bus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:40 13.10.2016
Zakariya Bajbouj aus Syrien vor seinem Porträt, das seit Anfang der Woche auf einem Bus in Eutin prangt.
Anzeige
Eutin

Mehrere Flüchtlinge sind seit Anfang dieser Woche in Eutin täglich von morgens bis abends mit dem Bus unterwegs – zumindest ihre Bilder: Im Rahmen eines Kunstprojektes sind ihre großformatigen Porträts zusammen mit dem Wort „Mensch“ auf einem Bus zu sehen, der innerhalb der Stadtlinie fährt. Die Stadt Eutin unterstützt die Aktion mit 2000 Euro, die Rohde Verkehrsbetriebe GmbH stellen den sonst als Werbefläche genutzten Platz auf dem Bus kostenlos zur Verfügung.

Zur Galerie
Im Eutiner Stadtverkehr sind jetzt die Porträts von Flüchtlingen zu sehen.

„Wir sollten uns immer daran erinnern, dass Flüchtlinge Menschen sind wie wir, um die wir uns kümmern müssen“, sagt der Künstler Jörg Kaminski. Die Idee zum Projekt sei während seiner Arbeit mit Flüchtlingen entstanden. Die Bilder seien das Ergebnis „digitaler Malerei“ mit mehreren Fotos, die er am Computer kombiniert hat. „Jörg Kaminski hatte die Idee und die Kraft, sie auch umzusetzen“, betont Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. „Er ist zu uns ins Büro gekommen, um sein Projekt ,Payback Time!’ in den öffentlichen Raum zu bringen.“ Und das war offenbar so überzeugend, dass der Kulturausschuss grünes Licht für die Unterstützung mit 2000 Euro gab.

Er danke der Stadt, erklärt Kaminski, und hoffe, mit den Bildern auf leise Art die Aufmerksamkeit auf die Menschen zu lenken, die nach Deutschland geflohen sind, wobei die Blicke der Porträtierten und die Intensität der Gesichter im Mittelpunkt stehen. „Vielleicht bringen die Bilder beispielsweise Autofahrer, die hinter dem Bus her fahren, zum Nachdenken“, so Kaminski. Großes Lob erhält er auch von Eutins Bürgervorsteher Dieter Holst (CDU). „Mich stört teilweise die Richtung, in die die Diskussion über die Flüchtlinge geht“, meint Holst. „Die Menschen sind nun einmal da, damit müssen wir uns auseinandersetzen, damit wir gemeinsam vorankommen.“

Bis zu acht Wochen werde der „Porträt“-Bus durch Eutin fahren, schätzt Carsten Abendroth von den Rohde Verkehrsbetrieben. Die Abgebildeten selbst zeigen sich angesichts der großen Aufmerksamkeit ein wenig verlegen, aber erfreut. „Sehr gut“ finde er es, dass sein Bild jetzt durch Eutin rolle, meint beispielsweise der 22-jährige Zakariya Bajbouj, der vor acht Monaten aus Syrien nach Deutschland kam. Er sei auch schon wiedererkannt worden, sagt er und lächelt: Das sei doch schön.

latz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige