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Ostholstein Kuriosum am Deich: B-Plan nur für Fischbrötchen-Wagen
Lokales Ostholstein Kuriosum am Deich: B-Plan nur für Fischbrötchen-Wagen
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08:14 13.07.2018
Fischbrötchen am Fehmarnbelt: Der neue Imbiss-Standort muss durch einen B-Plan abgesichert werden. Quelle: Fotos: Schwennsen
Puttgarden

Damit betritt die Kommune absolutes Neuland. Bislang kannte sie – wie andere Kommunen im Kreisgebiet – allenfalls sogenannte Briefmarken-Planungen. Sie sind erforderlich, wenn in einem bislang unbebauten kleinen Bereich zwischen zwei bestehenden Bebauungsplänen zusätzliche Häuser entstehen sollen. Das kommt aber selten vor. Schließlich kostet es den Investor auch Geld. Je länger der Verfahrensweg, desto teurer wird es.

Über den Mini-B-Plan bei Puttgarden ist daher auch niemand glücklich. Doch nach 28 Jahren auf dem Scandlines-Gelände wurde dem Betreiber des Fischbrötchen-Verkaufswagens der Pachtvertrag von der Reederei gekündigt. Scandlines hat inzwischen eigene Seafood-Stände im Bereich des Portcenter aufgebaut.

a. F. Dieser B-Plan ist ein Kuriosum, für manche gar eine Farce. Doch die Stadt Fehmarn kann nur so einen mobilen Fischbrötchen-Verkaufswagen nahe des Fährhafens Puttgarden planungsrechtlich absichern. Dabei dürfen auf dem Deich maximal 25 Quadratmeter „bebaut“ werden.

Jetzt steht Burkhard Donath mit seinem beliebten Verkaufswagen nur wenige Meter entfernt an einem neuen Standort. Allerdings liegt er im nicht überplanten Außenbereich westlich des Fährbahnhofes. Und verkauft dort weiterhin seine Fischbrötchen: zum Beispiel an Scandlines-Kunden, aber auch an Deich- und Strandspaziergänger.

Genehmigung durch Küstenschutz-Behörde

Er darf das mit einer ausdrücklichen Genehmigung des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH), die an den Tourismus-Service ging. Diese küstenschutzrechtliche Erlaubnis war unabdingbar. Denn durch den Verkaufswagen wird die Außendeichböschung des Landesschutzdeiches genutzt. Deswegen gibt es aber auch eine zeitliche Einschränkung für den Betrieb, vom 15. April bis 30. September. Fehmarns Bauamtsleiter Marcel Quattek: „In den Herbst- und Wintermonaten wird die Fläche im Falle eines Hochwassers vom LKN beansprucht.“

Donath stößt das alles natürlich sauer auf. Aber er macht unverdrossen weiter, trotz der ungewissen Kosten. Denn mit dem Aufstellungsbeschluss zum neuen B-Plan 166, den der Bau- und Umweltausschuss Fehmarn mehrheitlich fasste, sind längst noch nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt.

„Es ist eine Vielzahl von Genehmigungen erforderlich“, so Planer Andreas Nagel mit Blick auf die Baugenehmigung durch den Kreis Ostholstein und die Zustimmung des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Denn der neue Standplatz liegt in exponierter Lage im Deichvorland sowie innerhalb des Schutzstreifens entlang der Küste.

Erschließung über den Campingplatz

Immerhin: Die LKN-Genehmigung umfasst eine zehn mal zehn Meter große, gepflasterte Aufstellfläche für Verkaufswagen, Mobil-Toilette und Stehtische. Dazu kommt die Verlegung einer Stromversorgungsleitung im Grabenbereich des Deiches. Die Erschließung ist über den mehrere Hundert Meter entfernten Campingplatz Puttgarden gesichert.

Damit der B-Plan eine Chance auf Genehmigung hat, ist sogar die Speisekarte genauestens geregelt. Also: Fischbrötchen und Seafood ja, Currywurst oder Döner nein, ebenso wenig andere Nutzungen oder Bebauungen. Nagel, seit Jahrzehnten als Planer tätig, räumt ein: „Das ist schon sehr speziell, aber der Verkaufswagen muss einen maritimen Bezug haben.“

Portcenter darf erweitern

Baurecht ist eine komplizierte Materie – und wirkt auf die Betroffenen manchmal ungerecht. Keine Probleme hat die Reederei Scandlines, die Nutzung ihrer Verkaufsflächen im „Portcenter“ in Puttgarden demnächst von bisher 6011 auf 7867 Quadratmeter kräftig zu erweitern. Die Landesplanung hat laut Bauamtsleiter Marcel Quattek zugestimmt, nachdem zuvor in Burg bereits für andere Grenzhandels-Läden Erweiterungsflächen geschaffen wurden. Daher werde die Verwaltung die Betriebserlaubnis ändern, hieß es im Bau- und Umweltausschuss.

Keine Chance auf Duldung hatte dagegen der Imbisswagen vor einem Burger Baumarkt in der Industriestraße. Im Sondergebiet für Baumarkt und Baustoffhandel sei dieses mobile Speiseangebot „nicht zulässig“, so Bauamtsleiter Marcel Quattek. Nach Eingang eines Hinweises hat die Stadt daher das Kreisbauamt eingeschaltet, der Wagen ist inzwischen weggeräumt worden. Ein möglicher Ausweg könnte sein, über den B-Plan hier doch noch Nebenanlagen zuzulassen.

Gerd-J. Schwennsen

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