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Kurzer Prozess nach Massenschlägerei

Eutin Kurzer Prozess nach Massenschlägerei

Es sollte ein Mammutprozess werden schon nach wenigen Stunden war das Verfahren vor dem Eutiner Amtsgericht vorbei: Sechs Angeklagte junge Männer müssen nach einer Massenschlägerei im Mai 2013 Schmerzensgeld an ihre Opfer zahlen.

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Vor dem Haus an der Ecke Lübecker Straße/Freischützstraße prügelten die Männer aufeinander ein. Die Familie wohnt nicht mehr dort.

Quelle: Fotos: Peyronnet

Eutin. Es sollte ein Mammutprozess werden mit sechs Fortsetzungsterminen. Doch bereits nach wenigen Stunden war das Verfahren vor dem Eutiner Amtsgericht vorbei: Sechs Angeklagte, allesamt junge Männer zwischen 20 und 24 Jahren, mussten sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihre Opfer: drei Brüder im ungefähr gleichen Alter. Der Prozess war das juristische Nachspiel einer Massenschlägerei, die sich Ende Mai 2013 in Eutin an der Ecke Lübecker Straße/Freischützstraße ereignet hat. Insgesamt waren damals zehn Männer im Alter von 18 bis 54 Jahren an der Keilerei beteiligt gewesen.

Gestern nun saßen sechs Angeklagte mit sechs Verteidigern vor Amtsrichterin Annette Rakel. Laut Anklage sollen diese Männer am 31. Mai 2013 zunächst aus den Fenstern im ersten Stock Gegenstände auf die drei Brüder geworfen, anschließend unten auf der Straße mit Knüppeln, Baseballschlägern, einer Glaskugel, Metallstangen und einem Stuhl auf die Besucher eingeschlagen haben. Alle drei Brüder mussten mit diversen Prellungen, Brüchen, einer ausgekugelten Schulter und Schädel-Hirn-Traumata ins Krankenhaus gebracht werden.

Aber auch die Gruppe der Angreifer ging nicht ohne Blessuren aus der Schlacht. Ein junger Mann musste ebenfalls ins Krankenhaus, ein 54-Jähriger bekam einen Fausthieb ins Gesicht. „Jeder schlug auf jeden ein“, hatte damals ein Augenzeuge gesagt. 15 Polizeibeamte waren im Einsatz, um die Kontrahenten zu trennen.

Motiv für die Massenschlägerei ist laut Anklage, dass die drei Brüder Geld eintreiben wollten. Hintergrund ist nach LN-Informationen ein ominöser Handel, 1500 Euro gegen fünf I-Phones, der in einer Autowaschstraße abgewickelt worden sein soll. Offenbar verlief er nicht zur Zufriedenheit der Brüder. Sie kamen an jenem Maimorgen früh um 7.30 Uhr bei der Familie im Haus an der Ecke Lübecker Straße/Freischützstraße an, klingelten und forderten Geld. Die Männer wurden zunächst weggeschickt. Als sie eine Stunde später wiederkamen, hatte sich die Familie offenbar Verstärkung aus dem Freundeskreis der Söhne geholt. Sofort flogen die Wurfgeschosse aus den Fenstern, darunter die eine oder andere Schüssel. Scherben auf der Straße kündeten noch Stunden später davon.

Der damals 54-Jährige, Vater von zwei Angeklagten, saß nicht auf der Anklagebank. Er ist aus Gründen, die nichts mit dem Prozess zu tun haben, nicht verhandlungs- und schuldfähig, weshalb das Verfahren gegen ihn bereits eingestellt wurde. Ein 24-jähriger Angeklagter wurde von seinem Anwalt Andreas Mroß herausgehauen: Sein Mandant habe ein Alibi, führte Mroß an. Auch das Verfahren gegen den 24-Jährigen wurde eingestellt.

Am Ende kamen sogar die restlichen Angeklagten mit einer Einstellung des Verfahrens davon. Allerdings müssen sie zahlen: jeder 200 Euro Schmerzensgeld, die von der Justizkasse gerecht zwischen den drei Opfern aufgeteilt werden.

Der Vorschlag kam von Staatsanwalt Jochems. „Jeder Geschädigte erhält 400 Euro, damit wäre der Gerechtigkeit genüge getan.“ Seinen Vorstoß für eine solche schnelle Lösung begründete Jochems damit, dass die Tat bereits zweieinhalb Jahre zurückliege. „Es handelt sich um eine Massenkeilerei. Einen solchen Sachverhalt bekommt man nicht mehr vernünftig aufgeklärt.“ Die Opfer hätten keine bleibenden Schäden davongetragen, die Verletzungen seien nicht so schwerwiegend gewesen.

Das Schöffengericht ließ sich nach längerer Beratung auf den Vorschlag des Staatsanwalts ein. Amtsrichterin Rakel ließ alles genau niederschreiben, nicht ohne vorher einen Appell an die Angeklagten gerichtet zu haben: „Hier in Deutschland herrschen Recht und Gesetz.“ Die Einstellung des Verfahrens dürfe nicht das Signal sein, einfach so weiterzumachen. Dass das Gericht der Einstellung zustimmte, begründete Rakel mit der Tatsache, dass die Angeklagten fast ausnahmslos noch Heranwachsende gewesen seien und dass die Tat lange her sei.

Susanne Peyronnet

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