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Ostholstein Kuttertragödie der „Condor“ macht die Fischer sprachlos
Lokales Ostholstein Kuttertragödie der „Condor“ macht die Fischer sprachlos
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22:38 08.02.2016
Museumsschiff „Arwed Emminghaus“ in Burgstaaken. Fotos (2): gjs

Eine merkwürdige, fast gespenstische Stimmung prägt gestern den Hafen Burgstaaken. Nur einige wenige Schiffe werden bewegt, vormittags hier und da frischer Fisch direkt vom Kutter verkauft. Noch scheint die Sonne. Trotzdem — die meisten Menschen sitzen an Bord eng beieinander. Viele bleiben unter sich, diskutieren im kleinen Kreis. Sie haben nur ein Thema: den gesunkenen Fischkutter „Condor“.

100. Todestag von Arwed Emminghaus

Das Seenotrettungsmuseum Burgstaaken erinnert unter anderem an Unglücke auf hoher See.

Der ausgediente Rettungskreuzer, der seit 2014 Museumsschiff ist, trägt den Namen von Dr. Arwed Emminghaus — ein früherer Bremer Redakteur. Dessen 100. Todestag war am gestrigen Montag.

Gerade erst zwei Tage liegt die Tragödie von Fehmarn zurück. Für die Fischer und die mit ihnen verbundenen Menschen rund um den sommertags pulsierenden Hafen Burgstaaken, der in diesen Winterwochen eine kleine Verschnaufpause einlegt, ist das weit mehr als nur eine tagesaktuelle Hiobsbotschaft. Es trifft sie tief ins Mark. Denn die beiden ertrunkenen Fischer gehörten zu ihnen. Und sind durch ein tragisches Unglück jäh aus dem Leben gerissen worden.

Es ist ein Unglück, das aber nicht nur die Fischer von Burgstaaken, eine seit Jahrzehnten eingeschworene Gemeinschaft, sprachlos macht. Auch woanders auf der Insel reagieren viele betroffen. Denn man kennt die beiden Toten, den 52-jährigen Kapitän und den 45-jährigen Decksmann. „Es ist eine Tragödie für ihre Familien und eine Katastrophe für die Fischer in Burgstaaken“, betont Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD). Auch er ist fassungslos — und rätselt wie alle darüber, wie das passieren konnte. Denn es ist unvorstellbar, dass die beiden erfahrenen Fischer in ihrer Not, wie immer sie auch entstanden ist, kein Notsignal mehr haben herausschicken können.

Gegen Mittag bezieht sich der Himmel über Fehmarn, jetzt ist der Hafen fast menschenleer. Nur ein NDR-Fernsehteam ist angereist, interviewt den Bürgermeister. Weber macht das auch, um Hafenmeister Peter Ollhoff zu entlasten. Der ist genauso getroffen wie alle Menschen in Burgstaaken.

„Wo ist die ,Condor‘ geblieben?“, fragen sich jetzt viele. Auch gestern Nachmittag hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck darauf keine Antwort. Der Kutter gehörte zum festen Inventar im Hafen, war bunt geschmückt bei Shanty-Festival oder Hafenfest dabei. Jetzt ist der Liegeplatz leer.

Den Unglücksabend werden die Fischer nicht vergessen. Mittags hatte die Besatzung noch einen tollen Fang gemeldet. Als sie überfällig war, beteiligten sich am Abend neben deutschen und dänischen Rettungskräften auch Kutter aus Burgstaaken an der großen Suchaktion. Die Seenotküstenfunkstelle der DGzRS gab mehrfach eine Dringlichkeitsmeldung an die gesamte Schifffahrt mit der Bitte, verschärft Ausschau zu halten, heraus. Doch vergebens: Später am Abend konnten die vermissten Fischer nur noch tot geborgen werden.

Gerd-J. Schwennsen und Louis Gäbler

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