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Ostholstein Längste Rollstuhlkette des Landes geplant
Lokales Ostholstein Längste Rollstuhlkette des Landes geplant
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19:33 21.08.2017
„Ich habe mir die Rollstuhlfahrer hier angeschaut und gedacht, wir brauchen alle mal einen Kick, ein Highlight“, erzählt Christel Böhrk. Quelle: Foto: Billhardt

„Ich habe mir die Rollstuhlfahrer hier im Haus angeschaut und gedacht, wir brauchen alle mal einen besonderen Kick, ein Highlight. So bin ich auf die Idee mit der Rollstuhlkette gekommen“, erzählt Christel Böhrk im LN-Gespräch. Sie zählt mit ihren 73 Jahren in der Seniorenresidenz noch zur jüngeren Garde, betont aber: „Auch wir Alten können etwas auf die Beine stellen.“ Dass aus ihrem Vorhaben aber jetzt ein wahres „Großenbrode-Event“ werde, damit hätte sie gar nicht gerechnet.

 

„Das ist eine ganz tolle Idee. Jens Reise Bürgermeister Großenbrode

Über ein paar Hundert Meter von der Seniorenresidenz bis zur Seebrücke soll sich die Kette der Rollstuhlfahrer bilden. Inzwischen seien es bereits über 50 Teilnehmer, die aus ihrer Einrichtung mitmachen würden, sagt sie. Auch aus der „Seniorenresidenz am Sund“ und dem „Landhaus am Fehmarnsund“ werden Teilnehmer erwartet. „Ich hoffe, dass aber auch noch weitere, die ebenso davon begeistert sind wie ich, sich spontan anschließen“, sagt Christel Böhrk. Die Veranstaltung werde Aufmerksamkeit erregen und zeigen, dass Menschen mit Behinderung keineswegs Menschen zweiter Klasse seien und auch sie etwas bewegen können, betont Roland Früh vom Großenbroder Tourismus-Service.

Zusammen mit Böhrk hat Früh das Motto „Längste Rollstuhlkette Schleswig-Holsteins“ entwickelt. „Eigentlich wollten wir sogar ins Guiness-Buch, denn so etwas gibt es bisher nicht. Aber die Anmeldung für einen Rekordversuch kostet über 800 Euro“, erläutert die Organisatorin, die sich über die Unterstützung der Gemeinde und des Tourismus-Services freut. Auch bei dem weiteren Rekord-Institut Deutschland (Hamburg) habe sie angefragt, doch die hätten sich gar nicht erst zurückgemeldet.

Die Seniorin lässt sich aber nicht so leicht unterkriegen. Sie hatte innerhalb eines Jahres ganz andere Rückschläge zu verkraften. Ende 2016 veränderte sich das Leben von Christel Böhrk von einen Tag auf den anderen. Aus Karlsruhe stammend, wohnte sie 39 Jahre lang auf Fehmarn, kam der Liebe wegen auf die Insel. Doch dann verlor Christel Böhrk bei einer Operation ein Bein. „Das war natürlich eine ganz große Umstellung.“ Sie musste auch ihre nicht behindertengerechte Wohnung in Burg aufgeben. Doch all dies habe sie mittlerweile verarbeitet. Es gebe viele, die seien noch schlimmer dran, sagt sie. Das Wichtigste sei, dass der Geist noch funktioniere, hadert Christel Böhrk nicht mit ihrem Schicksal. Kaum, dass sie dann den selbstständigen Umgang mit ihrem Rollstuhl erlernt hatte, plant sie nun diese außergewöhnliche Aktion. Zur Vorbereitung für den großen Tag gehört, dass die Rollstühle noch verschönert werden. So wollen sich alle herausputzen, wenn wie geplant eine Drohne die „Längste Rollstuhlkette Schleswig-Holsteins“ im Bild festhält. „Wir haben noch eine Menge an bunten Luftballons aufzublasen“, sagt Christel Böhrk.

Abschließend startet sie einen kleinen Aufruf: „Jede Unterstützung ist willkommen, wir brauchen noch Helfer, um die vielen Rollstuhlfahrer zu schieben.“

Längste Rollstuhlkette Schleswig-Holsteins

Um 14 Uhr an der Seebrücke platzieren sich die Rollstuhlfahrer in Großenbrode, um sich gemeinsam zur längsten Rollstuhlkette Schleswig-Holsteins zu formieren.

Ein Polka-Tanz mit allen Teilnehmern ist im Anschluss daran vor der Großenbroder MeerBühne geplant.

Jeder Rollstuhlfahrer ist aufgerufen, sich spontan an der Veranstaltung zu beteiligen.

Eine Anmeldung ist dazu nicht erforderlich. Jede helfende Hand zum Schieben ist willkommen.

 Markus Billhardt

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