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Ostholstein Lästige Aufsteller an der Strandallee
Lokales Ostholstein Lästige Aufsteller an der Strandallee
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08:39 20.12.2017
Anwohnerin Andrea Ohmse weicht immer mehr Kundenstoppern aus. Vor allem, wenn viele Passanten unterwegs sind. Quelle: Foto: S. Bücker
Scharbeutz

Hohe Blumentöpfe und Windlichter, Stelltafeln vor Restaurants, lange Kleiderstangen vor einem Modegeschäft, ein Stehtisch vor einer Crêperie. Anwohnerin Andrea Ohmse ist mit einem Rollator unterwegs.Wenn sie auf der Fußgängerseite der Scharbeutzer Strandallee oder an der Dünenpromenade im Ortskern spazieren geht, muss sie den Hindernissen ausweichen. Vor allem in der Saison, wenn auch noch zahlreiche Urlauber die Promenade bevölkern. Mit Sorge beobachtet sie die Entwicklung der jüngsten Zeit. „Es ist mehr geworden“, sagt die 53-Jährige.

Die Ansammlung sperriger Gegenstände im Fußgängerbereich nervt auch Anwohnerin Ingeborg Müller. Beengt sei es, wenn sie dort mit drei, vier Menschen unterwegs ist. Blumenkübel, Absperrgitter, Bänke:

„Wenn uns jemand entgegenkommt, wird es eng.“ Einmal sei sie fast über einen Wassernapf für Hunde gestolpert. Ihr Kind, mit dem Laufrad unterwegs, lässt sie nicht aus den Augen. „Ich verstehe, dass die Restaurantbetreiber ihre Bereiche aufwerten wollen“, sagt sie. Zumal die Entwicklung des Ortskerns hin zu einer belebten Meile ein Gewinn für alle sei. „Als Vermieterin eines Gästehauses profitiere ich davon, dass es hier viele Geschäfte gibt.“ Nur die Werbeanlagen auf dem Gehweg stören Ingeborg Müller.

Dürfen Gewerbetreibende das überhaupt? Bürgermeister Volker Owerien sagte im Tourismusausschuss: „Im öffentlichen Bereich sind Stopper und Stellschilder nicht erlaubt.“ Wer ein Werbeschild oder einen Kundenstopper ohne Genehmigung auf dem Gehweg installiert, handelt also ordnungswidrig. Das Problem: „Auf der Dünenmeile gibt es private und öffentliche Bereiche“, erklärt Owerien, „allerdings sind beide mit den gleichen Steinen gepflastert.“ Auf Privatgelände aber dürfen Gewerbetreibende durchaus Schilder aufstellen. Und: Im Bereich der Strandallee sei das Aufstellen von Sitzgelegenheiten und Warenauslagen in einigen öffentlichen Bereichen zumindest „in Einzelfällen erlaubt“.

An der Dünenmeile könne niemand die Grenze zwischen öffentlichem und Privatgelände präzise bestimmen, sagt auch Tung Truong, Geschäftsführer vom „Café Wichtig“. Der Gastronomiebetrieb liegt an der Strandpromenade, ein Teil auf der Häuserseite, einer auf der Promenade. Blumenkübel und Windlichter stehen auf dem Fußgängerweg, Kellner und Café-Besucher springen zwischen Gebäude und Terrasse über den Gang hin und her. Ein Stück dieses Weges ist öffentlich, der Rest gehört zur Erbpacht. Truong achtet nach eigenen Angaben darauf, dass Kranken-, Reinigungs- und Streuwagen problemlos durchkommen. Stress mit dem Ordnungsamt habe er noch nie gehabt. Aber einige Geschäftsbetreiber hätten ihre Aufsteller räumen müssen, sagt Truong.

In den Sommermonaten kontrolliert das Ordnungsamt die Dünenmeile in unregelmäßigen Abständen. Für Ärger hätten bislang auch kleinere Fahrgeschäfte für Kinder gesorgt, sagt Owerien. Derzeit berate das Ordnungsamt über mögliche Veränderungen in der Gestaltungssatzung. Das erklärte Ziel: die Regelung für den öffentlichen Bereich auch auf Privatflächen umsetzen. Das Kundenstopper-Verbot werde seitens der Gewerbetreibenden bislang „zwischenzeitlich überwiegend eingehalten“, heißt es seitens der Gemeinde.

So reagieren Gemeinden in Ostholstein auf die Werbung

Timmendorfer Strand: Wer an Promenade und im Zentrum Kundenstopper aufstellen will, braucht eine Erlaubnis von der Gemeinde und zahlt Gebühren. Auffällige Probleme gebe es nicht, sagt Hauptamtsleiter Martin Scheel. Allerdings nehme die Werbung an der Grenze zwischen öffentlichem und privatem Bereich zu. Darauf könne die Gemeinde jedoch nicht einwirken.

Eutin: Im Zentrum erteilte die Stadt Werbeanlagen im vergangenen Jahr keine Nutzungserlaubnis. Die Maßnahme diene dem Erhalt des historischen Stadtbildes, der Barrierefreiheit und der Zugänglichkeit der Innenstadt, hieß es in einer Mitteilung. Auf öffentlichen Flächen ist ein 1,50 Meter breiter Durchgang freizuhalten.

Neustadt: Aufsteller in der Größe DIN-A-1 und Warenauslagen nutzen Gewerbetreibende in den Fußgängerbereichen der Kremper Straße, der Hochtorstraße, der Brückstraße und um den Markt herum. Dafür benötigen sie eine Genehmigung. Die Stadt plant ein Gestaltungshandbuch, das den Gewerbetreibenden Hinweise für Aufsteller im öffentlichen Raum geben soll. Probleme habe es in letzter Zeit nicht gegeben, sagt Amtsleiter Klaas Raloff.

 Saskia Bücker

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