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Ostholstein Mit Lamas am Strand entlang
Lokales Ostholstein Mit Lamas am Strand entlang
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16:39 04.01.2019
Zu Besuch in Hansühn bei Lama-Therapeutin Ines Schneider (60), die Lama-Wanderungen am Strand von Pelzerhaken anbietet. Quelle: Beke Zill
Hansühn

Argwöhnisch blickt sich der Chef um. Er hat geschwungene Ohren, große Augen, schwarzes dichtes Fell und einen langen Hals. „Harry“ fühlt sich verantwortlich für die kleine Lama-Herde aus insgesamt sechs Tieren. Wer seinen Offenstall mit der kleinen Wiese dahinter in Hansühn betritt, wird erst mal skeptisch beäugt. Stürmisch drauflos stürmen, knuddeln, streicheln, Leckereien geben? Nein. Die Vierbeiner aus Südamerika sind alles andere, aber „keine Kuscheltiere“, betont ihre Besitzerin Ines Schneider. Sie ist zertifizierte Lama-Therapeutin und möchte während ausgiebiger Spaziergänge mit den Ausdauerprofis in der Natur und am Strand zeigen, wie die Tiere auf die Seele und das Wohlbefinden des Menschen positiv einwirken können.

Lama-Wanderung am Strand von Pelzerhaken. Quelle: Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (Talb)

Am Strand mit Lamas

Die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (Talb) bietet Lama-Wanderungen am Strand von Pelzerhaken an. Lama-Therapeutin Ines Schneider führt die Gruppe mit maximal acht Teilnehmern durch den Sand. Dabei steht das achtsame Erlebnis mit den gelassenen Anden-Bewohnern in der Natur im Fokus. Ein Lama wird von zwei Personen geführt. Vor dem Start des Spaziergangs informiert die Pädagogin über die Tiere, ihre Erfahrungen und den Umgang mit ihnen. Die Wanderung kostet 29 Euro pro Person. Treffpunkt ist die Tourist-Info Pelzerhaken, Dünenweg 7. Eine Voranmeldung ist erforderlich unter Telefon 045 03/77 94 160 oder per E-Mail unter scharbeutz@luebecker-bucht-ostsee.de. Die Termine: 6. und 20. Januar, 3. und 24. Februar sowie am 3. März jeweils von 11 bis 12.30 Uhr.

Aufgereiht und am Halfter angebunden steht die Bande inzwischen am Zaun. Die noch junge zierliche „Yalla“, die Stuten „Callie“ und „Annie“ sowie „Rocky“, „Yollo“ und „Harry“ schauen ihrer Besitzerin in aller Ruhe hinterher, als sie das Putzzeug herausholt. „Yollo“ scheint nicht unbedingt begeistert, als die Bürste über sein Fell gleitet. Die 60-Jährige kann zwar allen ihren Lamas sehr nahekommen. „Aber Berührungen mögen sie nicht so gerne“, sagt die Diplom-Pädagogin. Die Kamelart, die eigentlich in den südamerikanischen Anden heimisch ist, sei vor 6000 Jahren gezüchtet worden, um schweres Gepäck zu tragen, erzählt Schneider. „Sie fordern nichts und gehen sehr auf Distanz“, sagt die Chefin der „Lama-Karawane“ über ihre Lieblinge. Genau das ist es, was Ines Schneider so faszinierend an Lamas findet. „Sie haben ihren eigenen Willen.“

Auf Anhieb hin und weg von den genügsamen Tieren

2013 hat sie „Harry“ zu sich nach Ostholstein an den Bungsberg geholt, danach ist die Herde stetig gewachsen. „Ich wollte schon immer etwas mit Tieren machen“, berichtet die Pädagogin. Auf einer Ferienfreizeit für Pflegekinder mit Islandpferden habe sie das erste Mal Kontakt mit Lamas gehabt. Dass das Sprichwort „Schaue nie einem Lama zu tief in die Augen – du wirst dich verlieben“ stimmt, habe sie bis zu dem Zeitpunkt nicht gewusst, sagt Schneider lachend. Sie war auf Anhieb von dem sanftmütigen, zurückhaltenden, wachsamen, genügsamen und ausdauernden Wesen fasziniert.

Ines Schneider verbringt viel Zeit mit ihren Tieren in der Natur.

Gemeinsam mit den Tieren die innere Mitte finden

Die Begeisterung für die Lamas möchte sie mit anderen Tierliebhabern auf Wanderungen teilen. Denn für ausgiebige Spaziergänge sind die Lamas sehr zu haben. Ihre Ruhe und Gelassenheit während der Touren übertrage sich auf die Teilnehmer, sagt die Therapeutin, die ihre Zertifizierung auch für die Reit-Therapie am Institut für tiergestützte Therapie und psychosomatische Medizin in Bad Kissingen erlangte. Die unaufdringliche, aber gleichzeitig neugierige Art der Anden-Bewohner bringe die Wanderer dazu, sich in Einklang mit der Natur und dem Tier zu bringen. Jeder Teilnehmer müsse sich auf den individuellen Charakter ihrer Lamas einstellen. Während „Rocky“ eher vorsichtig, aber vertrauenswürdig hinterher trottet, weicht „Callie“ als sichere Bank in der Natur ihrem Weggefährten nicht von der Seite. Die Stute stelle sich schnell auf ihre Menschen ein, sagt Schneider. Trotzdem: Alle haben ihren eigenen Kopf. „Manchmal legt sich ,Callie’ auch einfach hin“, sagt die 60-Jährige grinsend.

Den Strand mit den Lamas neu entdecken

Ein besonderes Erlebnis sind die Lama-Wanderungen, die Ines Schneider Urlaubern und Einheimischen gemeinsam mit der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (Talb) anbietet. Da Lamas keine Gewohnheitstiere seien, würden die Tiere den Strand von Pelzerhaken immer wieder neu entdecken, erklärt Schneider, während sie „Yollo“ den Schmutz aus dem widerspenstigen Pelz bürstet. Neben ihm steht „Rocky“ – wohl etwas zu dicht. „Yollo“ äußert seinen Unmut darüber mit einem kurzen feuchten Schnaufen in Richtung seines Stallkameraden. Wer Angst hat, von einem Lama angespuckt zu werden, den kann die Therapeutin etwas beruhigen. „Das kann mal vorkommen, ist aber die absolute Ausnahme. Eigentlich spucken sie sich nur gegenseitig an, wenn es um Futter geht, oder sie einander zu dicht kommen“, sagt Schneider und schiebt „Rocky“ etwas von „Yollo“ weg. Lamas – sie sind eben keine Kuscheltiere, sondern ausdauernde Wanderer mit eigenem Willen.

Beke Zill

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