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Ostholstein Landrat Sager und die Kanzlerin: Heißer Festakt in Berlin
Lokales Ostholstein Landrat Sager und die Kanzlerin: Heißer Festakt in Berlin
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22:12 08.09.2016
Gruppenbild mit Kanzlerin: Ministerpräsident Stanislaw Tillich (v. l.), Landkreistag-Präsident Reinhard Sager, Angela Merkel, Landkreistag-Geschäftsführer Dr. Hans-Günter Henneke und Prof. Ferdinand Kirchhof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. Quelle: Gordon Eule

Es mutete an wie der Einzug des Brautpaars in die Kirche: Erst spielte der Organist das flotte und fröhliche „Sortie“ in Es-Dur von Louis-Nicolas Lefébure-Wély, dann erhoben sich die Menschen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zog an der Seite von Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) und weiteren hochrangigen Herren in den Französischen Dom in Berlin ein. Dort wurde Merkel von 500 Gästen mit viel Applaus empfangen.

Merkel war gestern der Stargast einer bei tropischen Temperaturen heißen Feierstunde. 100 Jahre ist der Deutsche Landkreistag alt. Seit zweieinhalb Jahren steht Ostholsteins Landrat als Präsident an dessen Spitze. Bei der Jubiläumsveranstaltung gestern in Berlin war Sager Gastgeber nicht nur für Merkel, sondern auch für den Bundesratspräsidenten und sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU), den Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Ferdinand Kirchhof, und Landräte sowie ehrenamtliche Politiker aus den Kreistagen, Vertreter der Bundes- und Landespolitik sowie von Verbänden und Organisationen. Aus Ostholstein mit dabei waren außer Sager dessen Ehefrau Imme und Kreispräsident Ulrich Rüder (CDU), aus Schleswig-Holstein der CDU- Landesvorsitzende Ingbert Liebing und Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU).

Noch vor Merkel trat Sager als Präsident des Deutschen Landkreistages ans Rednerpult. Er schilderte die Bedeutung der Landkreise: „Sie haben Leistungsfähigkeit und Bürgernähe bewiesen.“

Das sei nach den beiden Weltkriegen so gewesen, aber auch in jüngster Zeit bei der Herausforderung durch die Flüchtlinge oder bei diversen Hochwasserkatastrophen. Für die Zukunft stünden weitere Aufgaben an wie der demografische Wandel und die Herausforderung, die Infrastruktur in der Fläche zu erhalten.

Dann trat Angela Merkel ans Rednerpult. Wäre im Französischen Dom ein Applausometer aufgestellt gewesen, hätte er gezeigt, dass sie sich um ihre Popularität keine Sorgen machen muss. Die Kanzlerin zeigte sich gut in Form, hielt eine streckenweise sehr witzige, immer aber klare und abgewogene Rede. Schon ihr Eingangssatz bewies Witz: „Dass Sie ausgerechnet in einer kreisfreien Stadt feiern, hat seine Gründe“, sagte sie den versammelten Vertretern der deutschen Landkreise. Der Grund liegt darin, dass der Deutsche Landkreistag in Berlin gegründet wurde, um mitten im Kriegsjahr 1916 eine drohende Hungersnot abzuwenden oder wenigstens zu mildern. Beinahe philosophisch wurde Merkel, als sie die Arbeit der Kreise würdigte: „Sie erleben Großes im Kleinen und können zugleich im Kleinen Großes bewirken. Das ist ihre Stärke.“ Etwa bei der Bewältigung des Flüchtlingszuzugs, bei dem ihr Dank allen Mitarbeitern der Kreise, aber auch den vielen ehrenamtlichen Helfern gelte.

„Jetzt steht die Integration im Mittelpunkt“, so Merkel weiter. „Die hängt von jedem einzelnen Flüchtling, aber auch von seinem Umfeld ab. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Und dann blitzte wieder ihr Humor auf. Bevor sie darauf verwies, dass das föderale System zur stetigen Kooperation zwinge, lobte sie noch die Organisatoren der Feierstunde: „Sie haben alle Ebenen eingeladen, so dass man nicht übereinander lästern kann.“

Mit dem Festakt im Französischen Dom feierte der Deutsche Landkreistag gestern sich selbst. Heute wird gearbeitet: Am Vormittag steht die Jahresversammlung mit der Wiederwahl Sagers als Präsident an.

Zum Abschluss des Berliner Treffens gibt es am Mittag Steckrübensuppe – ganz so wie im Hungerjahr 1916.

Bessere Versorgung der Bevölkerung

295 Landkreise sind zurzeit im Deutschen Landkreistag vertreten. Bald wird es einer weniger sein, denn die Kreise Göttingen und Osterode am Harz (beide Niedersachsen) haben beschlossen, zu fusionieren.

Die Zahl der Landkreise schwankt durch Kreisreformen immer wieder. Vor der deutschen Einheit gab es im Westen 237 Kreise, in der DDR 189. Heute sind es in den neuen Ländern noch 58 Kreise.

Im Ersten Weltkrieg, am 8. September 1916, wurde der Deutsche Landkreistag als „Verband der preußischen Landkreise“ gegründet. Ziel war es, die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen, die unter der strikten Lebensmittelrationierung und -bewirtschaftung des Krieges litt.

Susanne Peyronnet

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