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Ostholstein Lass knacken, Tamme
Lokales Ostholstein Lass knacken, Tamme
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09:25 11.10.2016
Der XXL-Ostfriese Tamme Hanken bei der Arbeit. Quelle: Maxwitat
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Ahrensbök

Ein Pferd hat 252 Knochen. Tamme Hanken hat einen Flaschenöffner. Rot poliertes Metall, sechs Zentimeter lang, einen Zentimeter breit - mehr braucht der Ostfriese nicht, um auch an diesem Freitag in Schwochel bei Ahrensbök diverse Pferde, Hunde und deren Besitzer glücklich zu machen.

Der 2,07 Meter große Hanken, den die meisten als den Knochenbrecher kennen, tritt dann an seine tierischen Patienten heran, legt ihnen eine Hand auf den Rücken und tastet mit der anderen entlang der Hüfthöcker. Hat er die entsprechende Stelle gefunden, greift er in seine Tasche, holt den besagten Flaschenöffner heraus und streicht damit einmal energisch darüber. „Das ist die Grundausstattung der Ostfriesen“, sagt der Hüne und lacht. „Sollte man immer dabei haben.“

Auch wegen dieser Sprüche, seiner offenen und vor allem ehrlichen Art hat der Ostfriese aus Filsum viele Fans. Obwohl es am Freitag Bindfäden regnete, kamen etwa 300 Männer, Frauen und Kinder zu dem Behandlungstermin auf dem Reiterhof Dettmann - die meisten von ihnen nur, um einen Blick auf den etwas anderen Chiropraktiker zu werfen. „Die Termine waren ganz schnell ausgebucht“, bestätigt auch Gabi Klein vom Lübecker Hiller-Hof, die den Sammeltermin organisierte. „15 Pferde und etwa 20 Hunde werden behandelt.“

Unter anderem die fünf Jahre alte Stute „Tammy“. Schon bevor Hanken angekommen ist - er stand im Stau hinter Lübeck - trabt das Pferd von Anke Scharnweber aus Reecke unruhig über den Hof in Schwochel. „Das ist aber nur, weil sie nicht gerne im Anhänger fährt“, sagt ihre Reiterin. „Den Knochenbrecher kennt sie schon.“ Vor zwei Jahren waren die Scharnwebers schon bei einem Sammeltermin auf dem Hiller-Hof. „Tammy“ lahmte damals am linken Vorderbein. Nach dem Treffen mit Hanken war das Problem behoben. „Letztes Jahr ist sie aber bei einem Ausritt in ein Schlagloch getreten und seitdem sind die Beschwerden zurück“, sagt Schwarnweber. Deshalb hofft sie wieder auf die Hilfe des Ostfriesen. Der hält währenddessen in der Reithalle die Augen offen. Sharon Reimers führt Hanken gerade ihren Hengst „Special One“ vor. „Einmal Trab bis zur Wand und Schritt wieder zurück“, sagt Hanken. „Im Trab lügen die Pferde nämlich, im Schritt nicht.“

Aber nicht nur der Gang des Vierbeiners scheint für den „Knochenbrecher“ Bände zu sprechen. Kaum hat er das Turnierpferd behandelt, ist die Turnierreiterin aus Siblin dran. Mit einem geübten Griff bringt er die Nackenwirbel der 31-Jährigen in Reih und Glied. Für ihren Hengst empfiehlt Hanken Sharon Reimers noch, in Zukunft einen Keil unter den Sattel zu legen. „Ich dachte eigentlich, der wäre okay“, sagt die Reiterin nach der Behandlung. „Der war auch nicht ganz billig.“ Häufig gibt Hanken aber ganz einfache Tipps, mit denen die Pferdebesitzer ihren Tieren helfen können. „Ich soll einfach Flatterband um die hinteren Fesseln von ,Mystery‘ wickeln“, sagt Julia Vogt. Die 19-Jährige hat ihr Pony nach Schwochel gebracht, weil es mit den Hinterbeinen schlurft. Ein Besuch beim Osteopathen brachte nur kurzzeitig Besserung. „Als ich hörte, dass Tamme Hanken kommt, habe ich beschlossen, mit ,Mystery‘ hierher zu kommen“, sagt die junge Frau aus Heidmühlen, gibt aber zu: „Natürlich wollte ich den Knochenbrecher auch mal gerne live sehen.“ Der läuft mittlerweile auf Temperatur.

Ein Pferd nach dem anderen renkt er ein, schaut sich Gebisse an und fährt mit seinem Flaschenöffner über verspannte Muskeln. Die ersten Herrchen mit ihren Hunden kommen schon in die Reithalle. Sie müssen sich allerdings noch etwas gedulden. Zwischen ihnen schlängelt sich Gabi Klein hindurch, um den XXL-Ostfriesen abzuholen. „Tamme Hanken ist ein so netter Mensch, den man ganz einfach glücklich machen kann“, sagt sie und lacht. „Etwas zu essen sollte man ihm aber auf jeden Fall anbieten, wenn er einen langen Behandlungstag hat.“

Jörn Kießler

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