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Ostholstein Die Curau wird renaturiert
Lokales Ostholstein Die Curau wird renaturiert
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14:39 06.12.2018
Per Baggerschaufel werden Steine in die Rohre gefüllt, die anschließend unter den Überfahrten verlegt werden. Quelle: Peyronnet
Lebatz

Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, das sich hinter den letzten Häusern an der Straße Hörn in Lebatz (Gemeinde Ahrensbök) leicht abfallend in Richtung Grebenhagen erstreckt. Mitten durch eine langgestreckte Wiese fließt die Curau, die bei Lebatz entspringt. Auf halber Strecke des Flüsschens arbeitet ein Bagger. Die Curau wird an dieser Stelle renaturiert.

Auftraggeber für die Arbeiten ist die private CGLT Windpark GmbH & Co. KG. CGLT steht für die vier Ahrensböker Dorfschaften Cashagen, Grebenhagen, Lebatz und Tankenrade, Bewohner dieser Dörfer sind Anteilseigner am Windpark. Die Renaturierung ist die vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahme für den Bau von bisher vier Windräder unterhalb des Tankenrader Berges. „Das war eine Auflage der Unteren Naturschutzbehörde“, sagt Windpark-Miteigentümer Markus Stölting aus Tankenrade über die Ausgleichsmaßnahmen. Ob die per Ökokonto, also über Geld, oder mittels tatsächlicher Naturschutzmaßnahmen erfolgen, bleibt den Windparkbetreibern überlassen.

„Wir haben die Renaturierung der Curau vorgeschlagen“, sagt Miteigentümer Hauke Harmsen. Er und Stölting betonen, dass es ihnen wichtig gewesen sei, den Ausgleich in der unmittelbaren Umgebung der Windräder zu schaffen. Die Arbeiten sollten ortansässige Firmen ausführen. So ist es dann gekommen.

Flache Ufer und Wege aus Stein

Baggerfahrer Torsten Scharfenberg und Tiefbau-Facharbeiter Oliver Runge von der Firma Hans Möller & Söhne aus dem nahen Dakendorf haben die Curau gerade zu einem Wohlfühlort für Köcherfliegenlarven, Stichlinge und Otter gemacht. Die Ufer wurden abgeschrägt, Teile des Flussbettes mit Kieselsteinen ausgelegt und anstelle von Betonrohren Stahlrohre unter den Überfahrten verlegt. Diese Rohre wiederum wurden mit Steinen gefüllt, damit auch Kleinstlebewesen sie passieren können. Sogar eine Furt wurde gebaut. Außerdem soll es Amphibienteiche geben und einen neuen Erlenbruch. Zusätzlich, berichten Stölting und Harmsen, würden die Wiesen am Ufer künftig nur noch extensiv beweidet und bewirtschaftet. Dafür haben die Windpark-Eigentümer die Flächen links und rechts der Curau in der Senke hinter Lebatz auf 20 Jahre gepachtet – mit Verlängerungsmöglichkeit.

Nebenfluss der Schwartau

Die Curauer Au entspringt bei Lebatz und mündet bei Rohlstorf nahe Techau in die Schwartau. Der kleine Fluss ist 17 Kilometer lang.

Überwacht und dokumentiert wird die Ausgleichsmaßnahme von der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Ostholstein, begleitet wird sie vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Ostholstein. „Die Curau“, erläutert WBV-Geschäftsführerin Hanna Kirschnick-Schmidt, „ist Vorranggebiet der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.“ Dass die Windparkbetreiber einen Ausgleich vor Ort anstrebten, „fanden wir super. So ist es die Curau geworden.“ Der Fluss leide vor allem an zu hohem Nährstoffeintrag. Außerdem gab es Rohre unter Überfahrten mit Betonrohren, deren raue Sohle es Kleinstlebewesen unmöglich mache, die Curau zu passieren. Dazu gehören etwa die Köcherfliegenlarve und die Schlammfliegenlarve, aber auch kleine Fische.

Wichtige Randstreifen

Etliche Abschnitte der Curau sind laut Kirschnick-Schmidt bereits verbessert worden. Es gebe rund vier Kilometer Gewässerrandstreifen entlang des Flusses, außerdem seien Laichbetten für Forellen angelegt worden. „Wir sind bemüht, weitere Randstreifen zu erwerben. Insofern passt es wunderbar, dass am Oberlauf jetzt diese Ausgleichsmaßnahme gemacht wird“, sagt die Verbandsgeschäftsführerin. So entstünden hochwerte Lebensräume und ein „wunderbarer Biotopverbund“.

Die Arbeiten zur Renaturierung des Oberlaufs bei Lebatz sind in vollem Gange

Baggerfahrer Torsten Scharfenberg hat solche Aufgaben schon oft erledigt. „Das sind schöne Arbeiten, es ist schön, in freier Natur zu arbeiten“, sagt der Mann, der mit seiner Baggerschaufel beim Einfüllen der Steine ins Rohr so sensibel umgeht wie eine Hausfrau, die mit der Sahnetülle Tupfen auf die Torte setzt. „Wir machen alles, was mit dem Bagger geht, vom Abbruch über Erdarbeiten bis zur Gewässerunterhaltung.“

Von Gewässer kann bei der Curau zurzeit allerdings nicht die Rede sein. Nach dem trockenen Sommer führt sie fast gar kein Wasser mehr. Nicht gut für die Natur, aber gut für die Arbeiten. Im verregneten Sommer 2017 wären sie nicht möglich gewesen, als alles im Schlamm versank.

Susanne Peyronnet

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