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Lehrling und Lehrbetrieb: Alle gewinnen bei Alirezas Brotberuf

Eutin Lehrling und Lehrbetrieb: Alle gewinnen bei Alirezas Brotberuf

Ein junger Flüchtling beißt sich in Eutin durch — Er hat hier harte Zeiten hinter sich — Zusammenspiel der Behörden machte Erfolgsgeschichte möglich.

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Brot ist sein Beruf: Alireza Mosafari hat viel auf sich genommen, um eine Lehre zum Bäcker antreten zu können.

Quelle: Peyronnet

Eutin. Alireza Mosafari (29) ist hart im Nehmen. Ein ganzes Winterhalbjahr lang ist er jeden Tag mit dem Fahrrad von Plön nach Eutin gefahren und wieder zurück. Jetzt steht er drei Tage die Woche mitten in der Nacht auf. Und das alles, um seinen Traum zu verwirklichen. Trotz seines Engagements ist das dem jungen Mann aber nur gelungen, weil viele geholfen haben: Behörden, sein Arbeitgeber, Lore Eilers.

„Bäcker ist mein Lieblingsberuf“, sagt Mosafari, und er sagt es in fast akzentfreiem Deutsch. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn er betrat erst „vor einem Jahr und ein paar Monaten“ zum ersten Mal deutschen Boden. Als Sohn afghanischer Eltern wurde er im Iran geboren und ist deshalb heimat- und staatenlos. Sein Weg als Flüchtling führte ihn von der Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster nach Plön — mit Deutschkursus in Eutin-Pulverbeck, wohin er immer mit dem Fahrrad fuhr. „Ohne die Sprache könnte ich die Ausbildung nicht machen.“

Die macht Mosafari bei der Eutiner Stadtbäckerei Klausberger. Seit 1. September 2015 ist er dort Lehrling, fand die Lehrstelle über einen anderen Afghanen, der dort 2014 seine Ausbildung begann. „Es ist für alle ein Gewinn“, sagt Bäckereichef Hans-Peter Klausberger, bei dessen Frau, Bäckermeisterin Anja Klausberger, Mosafari und sein Landsmann ihr Handwerk lernen. „Wir sind sehr froh darüber“, sagt Hans-Peter Klausberger. Seit Jahren werde in Fachkreisen über den demografischen Wandel gesprochen, insbesondere die Bäckereien leiden schon jetzt unter Fachkräftemangel. Für den Beginn des Ausbildungsjahres 2016 liegt den Klausbergers noch nicht eine Bewerbung vor, weder für die Bäckerei, noch für den Verkauf. Deshalb ist das Eigentümerpaar froh über die jungen Flüchtlinge. „Das läuft, sie sind sehr ehrgeizig“, sagt Hans-Peter Klausberger.

Bereitschaft zum Lehren und Lernen und Engagement alleine aber reichen nicht aus. Das weiß Ausbildungsbetreuerin Lotte Eilers, die im Fall von Mosafari das Zusammenspiel der Behörden lobt, auch wenn es ein paar Monate Wartezeit gegeben hat. Zugewiesen an den Kreis Plön, mit Lehrstelle in Eutin, durfte Mosafari zunächst nicht umziehen. Öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht, wenn er nachts um 2 Uhr zur Arbeit muss, also wäre nur wieder das Fahrrad geblieben. Also kampierte Mosafari zunächst bei einem Freund in Eutin.

Mittlerweile hat er eine Aufenthaltsgestattung für die Zeit seiner Lehre, wohnt in Eutin. „Die Behörden tun sich im Moment sehr schwer, es hat aber doch gut funktioniert. Wir haben immer wieder Anträge gestellt“, berichtet Lotte Eilers. Zunächst habe es keine Rückmeldung vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster gegeben, obwohl sie drei Mal dorthin geschrieben habe. Dann aber kam eine positive Rückmeldung vom ostholsteinischen Migrationsmanager Uwe Wille. Eilers: „Alle Stellen haben gut zusammengearbeitet.“

Hans-Peter Klausberger hofft nun, dass sein neuer Lehrling auch nach der Ausbildung bleiben will. Bleiben darf. „Wir bilden aus, um langfristig Personal zu haben. Ich erhoffe mir, dass wir beantragen können, dass die Jungen eine längere Aufenthaltsgenehmigung bekommen.“

Mosafari würde nichts lieber machen, als zu bleiben. „Es freut mich, dass ich hier arbeiten darf. Die Kollegen sind nett. Wenn der Beruf Spaß macht, kann man Karriere machen. Die Arbeitszeiten stören mich nicht, weil ich meinen Beruf liebe.“

Susanne Peyronnet

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