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Ostholstein Museumshof in finanziellen Nöten
Lokales Ostholstein Museumshof in finanziellen Nöten
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17:08 03.12.2018
Unter anderem um die Entwicklung der Landwirtschaft geht es auf dem Museumshof Lensahn. Mittlerweile gibt es auch spezielle Angebote für Schulklassen. Quelle: HFR
Lensahn

Der Museumshof Lensahn macht mit einer neuen Finanzierungs-Idee von sich reden. Seit Jahren kämpft die Einrichtung ums Überleben (die LN berichteten) – jetzt wirbt sie in ganz Ostholstein um öffentliche Zuschüsse. Der Wunsch: Alle Kommunen mögen einem Förderverein beitreten und den Museumshof auf diese Weise unterstützen. Anderenfalls drohe das Aus: „Unsere bisherigen Anstrengungen können (. . .) den künftigen Grundbetrieb des Museumshofes Lensahn nicht gewährleisten“, heißt es in einem Schreiben des Trägervereins an die Gemeinden. Die Resonanz fällt bisher allerdings verhalten aus. Viele Kommunen lehnen das Konzept ab, argumentieren mit Verpflichtungen gegenüber eigenen kulturellen Einrichtungen.

Defizit von 50 000 Euro steht im Raum

Bei einem Treffen mit Vertretern diverser Gemeinden sei vor Kurzem von einer Deckungslücke von etwa 50 000 Euro die Rede gewesen, berichten Anwesende. Detlef Hansen, Vorsitzender des gemeinnützigen Betreibervereins „Landwirtschaftsmuseum Prienfeldhof Lensahn“, möchte auf LN-Anfrage derweil keine konkrete Zahl nennen. Ohnehin gehe es nicht darum, die Einrichtung allgemein zu fördern, sondern speziell um ein Angebot für Schulklassen, betont Hansen. Das neue Projekt „außerschulischer Lernort“ werde zwar zu großen Teilen von der Sparkassen-Stiftung finanziert, auf Dauer werde dafür jedoch beispielsweise zusätzliches Fachpersonal benötigt. Und weil sich das kostenfreie Angebot an Schulen aus ganz Ostholstein richte, habe der Verein dabei auf die Hilfe der Gemeinden gehofft.

Bisher habe er jedoch ausschließlich Absagen bekommen, berichtet der Vereinsvorsitzende. In der Regel hätten die Kommunen auf Ausgaben für eigene Einrichtungen verwiesen. So etwa die Stadt Oldenburg, die sich in einer ersten Beratung mit deutlicher Mehrheit gegen eine Mitgliedschaft im Förderverein ausgesprochen hat. 2050 Euro jährlich hätte die Stadt zahlen sollen (die Beiträge orientieren sich an der Einwohnerzahl). Die Verwaltung spricht von einer „überschaubaren Summe“, verwies in der Begründung ihres Beschlussvorschlags für die Politik aber auf das Wallmuseum, das ebenfalls über die Grenzen Oldenburgs hinaus von Bedeutung sei und dennoch von der Stadt allein finanziert werde. Burkhard Busch vom Amt Ostholstein-Mitte (dort haben bisher beispielsweise Schashagen und Altenkrempe die Anfrage abgelehnt) bestätigt: „So schön das Projekt ist, haben doch alle Gemeinden auch eigene finanzielle Probleme.“

Gemeinden im Amt Lensahn wollen Museumshof unterstützen

Detlef Hansen reagiert enttäuscht. Zwar habe er nicht damit gerechnet, dass alle Kommunen mitmachen – etwas positivere Rückmeldungen habe er sich aber schon versprochen. Besonders schade finde er die Argumentation der Gemeinden: „Wenn sie auf eigene kulturelle Angebote verweisen, frage ich mich doch, ob sie sich ausreichend mit der Thematik auseinandergesetzt haben.“ Schließlich gehe es um ein Projekt, das allen Kindern in Ostholstein zugutekomme.

Positivere Signale gibt es derweil aus dem Amt Lensahn. Damlos’ Bürgermeister Reiner Wolter (FWD) beispielsweise ist zuversichtlich, dass die Gemeindevertretung Mittwochabend dafür stimmen wird, dem Museumshof unter die Arme zu greifen. „So haben wir zumindest die Chance, die Einrichtung zu erhalten“, sagt er, „es wäre schade, wenn es sie nicht mehr gäbe.“ Ein Selbstgänger sei die Entscheidung in Vorberatungen jedoch auch hier nicht gewesen: „Das Thema wurde stark diskutiert. Sollte sich die finanzielle Lage der Gemeinde ändern, müssen wir die Situation sicherlich neu bewerten.“

Lensahns Bürgermeister Klaus Winter (CDU) geht ebenfalls davon aus, dass seine Gemeinde den Museumshof unterstützen wird. „Wenn wir als Standort-Gemeinde nicht mitmachen, ist das Ganze ja von vornherein zum Scheitern verurteilt.“ Allerdings werde man mit dem Museumshof besprechen müssen, wie sich eine Mitgliedschaft im Förderverein auf die bisherigen Zuschüsse seitens der Gemeinde auswirke. „Vom Prinzip her finde ich den Ansatz gut“, sagt Winter, „aber wir können nicht gleichzeitig regelmäßige Beiträge zahlen und darüber hinaus weiterhin bei jedem finanziellen Engpass einspringen.“

Verein will erneut auf die Gemeinden zugehen

Vereinsvorsitzender Hansen betont: „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Gemeinde Lensahn und freuen uns über die positiven Signale aus dem übrigen Amtsgebiet.“ Man werde nun überlegen, wie auch der Rest des Kreises doch noch mit ins Boot geholt werden könne. Am Projekt wolle der Verein auf jeden Fall festhalten. „Es kommt gut an bei Schülern und Lehrern“, sagt Hansen, „und wir sehen immer wieder, wie wichtig es ist, Kinder über die Herkunft von Nahrungsmitteln aufzuklären.“

Das Projekt „außerschulischer Lernort“ ist nach den Sommerferien gestartet. Laut Detlef Hansen haben seither etwa 20 Klassen teilgenommen. Infos gibt es unter www.museumshof-lensahn.de.

Jennifer Binder

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