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Ostholstein Lensahn baut Flüchtlings-Unterkünfte
Lokales Ostholstein Lensahn baut Flüchtlings-Unterkünfte
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19:17 10.12.2015
„Derzeit kann keine Gemeinde die zugewiesenen Quoten erfüllen.“ Dieter van Bühren, Büroleiter des Amtes

Das Amt Lensahn ist mit Hochdruck auf der Suche nach Grundstücken: Der örtliche Wohnungsmarkt ist gesättigt, um Asylbegehrende unterzubringen. „Wir müssen in Eigenregie bauen, das heißt auf Grundstücken der Amtsgemeinden.“ Das hat Amtsvorsteher Klaus Winter (CDU) jetzt den Bürgermeistern der Ortschaften offeriert. Diese wollen nun schnellstmöglich Auskünfte über mögliche Flächen erteilen. Bedingung: Diese müssen sich im Besitz einer der Gemeinden befinden oder sonst kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Im Mai gehörte Lensahn kreisweit zu den Spitzenreitern bei der Unterbringung. Doch: „Keine Gemeinde kann derzeit die zugewiesenen Quoten erfüllen“, beschreibt Büroleiter Dieter van Bühren die dramatische Situation in der entsprechenden Sitzungsvorlage. Für das Amt bedeutet das konkret: 174 Menschen müssten bis Ende des Jahres ein Dach über dem Kopf haben. Diese Quote ist zu rund 60 Prozent erfüllt. Zu Beginn des Jahres waren es noch 90 Personen. Der Kreis Ostholstein rechnet im kommenden Jahr nach aktuellem Stand mit 6000 weiteren Menschen. Für das Amt Lensahn bedeutet das etwa 250 Personen plus jene, für die in diesem Jahr keine Bleibe mehr gefunden wird. Im Raum steht derzeit also die Zahl von rund 300 Menschen, für die gebaut werden muss. Es soll vor allem schnell gehen.

„Das Land ist derzeit nicht ansatzweise in der Lage die Registrierung der Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen wie Putlos zu gewährleisten. Bis dahin verbleiben diese dort und werden erst dann zugewiesen“, so van Bühren. Es sei damit zu rechnen, dass personell aufgestockt werde und die Asylbewerber dann zahlreich und mit kurzer Vorlaufzeit zugewiesen werden. Die unzureichende Registrierung sei eine „trügerische Ruhe vor dem Sturm“.

Mit Handwerksbetrieben und einem Architekturbüro ist bereits eine Unterkunftsvariante in Holzständerbauweise entwickelt worden. Die Module mit einer Wohnfläche von 50 Quadratmetern und fünf Zimmern können in Reihe gebaut werden und sollen je Platz für fünf Personen bieten. Laut Vorlage soll schnellstens eine Fünferreihe entstehen. Die Bauzeit beträgt etwa vier bis fünf Wochen. Die Unterkünfte könnten bei guter Witterung im Frühjahr fertig sein.

Über mögliche Flächen gibt es bisher nur vage Überlegungen. Hinter dem St.-Katharinen-Kindergarten in Lensahn ist der Boden nicht tragfähig genug, die Fläche hinter dem Bauhof liegt zu abseits, am Ortsausgang von Beschendorf befindet sich eine Gewerbefläche. Das bisher aussichtsreichste Grundstück liegt zwischen der stillgelegten Tankstelle und den Kleingärten in der Lübecker Straße in Lensahn. Einige Bodenproben werden noch ausgewertet.

„Da das Baurecht vereinfacht worden ist, können wir bauen. Jedoch nicht nachhaltig“, sagte Winter. Unter Umständen müssen die Gebäude nach einigen Jahren wieder abgerissen werden. Aus Sicht der Verwaltung sei ohnehin unklar, was von der leichten Bausubstanz nach fünf oder sechs Jahren intensiver Nutzung noch zu halten sei. Doch alle Anstrengungen gelten nach wie vor der Unterbringung, betonte der Amtsvorsteher. Gleichzeitig soll der soziale Frieden in der Bevölkerung bewahrt werden, Einheimische weiterhin Wohnungen finden können.

So wird die Finanzierung vorbereitet
600 000 Euro hat das Amt Lensahn zunächst im Haushalt 2016 für den Wohnungsbau vorgesehen. Die Summe kann aus Rücklagen aufgebracht werden. Hinzu kommen zudem kleinere Summen für Sprachkurse, die Anschaffung eines Fahrzeugs für den Transport der Menschen oder auch Geld für die nötigen Mietkautionen. Das Land unterstützt den Bau von solchen Unterkünften pauschal mit 40000 Euro, unabhängig von der Anzahl der Gebäude. Zuschuss gibt es auch durch die Integrationspauschale. Die Verwaltung verhandelt momentan mit der Aktivregion Wagrien-Fehmarn, um möglichst weitere Fördersummen zu erhalten.

Irene Burow

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