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Ostholstein Lesestoff aus der Reformationszeit
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20:41 22.09.2017

Eine historische Spurensuche sorgt manchmal für große Überraschungen. Pastor Dr. Martin Grahl (Petersdorf/Bannesdorf), der sich monatelang mit der Historie dieser Bücher befasst hat, weiß trotzdem bis heute nicht genau, wie viele Titel sich in den Schränken neben dem Altar befinden. Die Bibliothek ist eine Schenkung, die Propst Conrad Friedrich Stresow (1705–1788) an das Mittlere Kirchspiel auf Fehmarn übergab.

Pastor Dr. Martin Grahl hat sich monatelang mit der „Stresow’schen Bibliothek“ in Landkirchen befasst. Quelle: Fotos: Gjs
Conrad Friedrich Stresow (1705–1788), Propst in Burg.

Eine Fundgrube

Die Bibliothek im Altarraum ist nicht frei zugänglich, sondern verschlossen. Ein Bildnis zeigt Conrad Friedrich Stresow, dem die Kirchengemeinde Landkirchen diese Schenkung verdankt.

Zu entdecken sind weiterhin ganz viele Predigttexte (die daheim der Hausvater vorlas), Traktate, lateinische Texte und viele Schriften aus reformatorischer Zeit.

„Eigentlich sind es drei bis vier Bibliotheken“, so Grahl. Denn Stresow, ein sehr gebildeter Mann, der auch selbst Schriften verfasste, hatte einiges geerbt. Schon vor vielen Jahrzehnten hat Fehmarns Heimatforscher Peter Wiepert diese Bibliothek gesichtet und die Titel aufgelistet. „Aber er hat damals meistens nur vorne reingeguckt“, sagt Grahl. Entgangen sei Wiepert dadurch aber, dass sich in einem Einband oft mehrere Schriften befinden. Das sei aus Kostengründen früher nicht unüblich gewesen.

Es sind wohl etwa 400 bis 500 Werke, die in den Bücherschränken zum Teil doppelreihig stehen. Geschätzt rund 90 Prozent der Schriften aus dieser Bibliothek sind heute frei im Internet herunterzuladen – darunter viele Titel, die kaum noch jemand kennt. Grahl hofft, dass diese historische Bibliothek eines Tages wissenschaftlich aufgearbeitet wird. Eine Hoffnung dämpft er jedoch: „Ein Bibliothekar der Nordelbischen Kirche vermutet nach einer ersten Durchsicht, dass hier keinen ganz kostbaren Bücher lagern.“

Dennoch: Äußerst interessant ist die Bibliothek allemal. Denn Stresow war in Burg tätig – dort hängt wie in Landkirchen auch ein Porträt dieses Mannes, der zu Lebzeiten mit einem sehr aufrührenden Buch über eine Kindermörderin Aufmerksamkeit erzielte.

Sein Großvater aber war Diakon in Landkirchen. Weitere verwandtschaftliche Beziehungen und geistliche Einflüsse weisen auf Pastorenhäuser in Basedow, Grömitz und Lübeck.

Wer in die Bibliothek hineintaucht, findet bis heute lesenswerte Schriften. So schrieb Erasmus von Rotterdam, in dessen Namen heute viele Studenten einen Auslandsaufenthalt erleben, 1518 die „Klagen des Friedens“. Adressaten seiner Antikriegsschrift waren die Fürsten und Geistlichen.

G.-J. Schwennsen

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