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Ostholstein Timmendorfs bekanntester Juwelier schließt
Lokales Ostholstein Timmendorfs bekanntester Juwelier schließt
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13:29 14.04.2019
Juwelier Mike Lindner mit der Rolex Submariner von 1960 Quelle: LN-Archiv
Timmendorfer Strand

Eine mehr als 50-jährige Uhren- und Schmuck-Geschichte geht in Timmendorfer Strand zu Ende: Juwelier Lindner schließt. Mike und Susanne Lindner gehen in den Ruhestand. Der Räumungsverkauf ist bereits angelaufen.

1962 hatte Erika Lindner das Geschäft im Urlaubsort neben dem Alten Rathaus eröffnet – als Dependance des Hamburger Juweliergeschäftes ihres Vaters Friedrich Adolf Wilhelm Blohm, heißt es auf der Internet-Seite des Unternehmens. 1993 übernahm Erika Lindners Sohn Mike mit seiner Frau Susanna das Geschäft, das noch im selben Jahr an die Kurpromenade zog. Neben Schmuck inklusive Reparatur und Umgestaltung desselben bot und bietet Juwelier Lindner vor allem edle Uhren bekannter Hersteller und betrieb eine eigene Uhrmacherwerkstatt.

Das 50-jährige Bestehen des Juweliergeschäftes feierten Mike und Susanna Lindner im Jahr 2012. Quelle: Susanne Peyronnet

Exklusive Uhr aus der Tiefsee

Lindner verkaufte beispielsweise eine „Julius Assmann 2“ der Marke „Glashütte Original“, von der nur 25 Exemplare hergestellt wurden, für damals 59 000 D-Mark an einen Sammler aus Dortmund, der dem Gehäuse aus 750er-Roségold und dem Ziffernblatt aus Meißner Porzellan offenbar nicht widerstehen konnte. Unverkäuflich ist hingegen die Rolex „Submariner“, die Lindner präsentierte und die im Januar 1960 an der Außenwand des U-Bootes „Trieste“ auf 10 910 Meter Tiefe in den Marianengraben beziehungsweise beinahe auf dessen Grund tauchte.

Der damalige Gemeindewehrführer Peter Uhr (l.) hat 2013 mit von Juwelier Mike Lindner (r.) gespendeten Feuerwehruhren den Nachwuchs motivieren und auszeichnen können. Quelle: Susanne Wuttke

Derlei Besonderheiten wurden regelmäßig bei Timmendorfs bekanntestem Juwelier gezeigt – ebenso außergewöhnliche Schmuck- oder Uhrenkollektionen. Das wertvolle Sortiment lockte allerdings nicht nur zahlungskräftige Kunden, sondern auch immer wieder Räuber an, die unter anderem 2010 mit einem BMW in den Laden krachten. 2011 sprengten Einbrecher die Ladentür mit einem explosiven Gasgemisch. Die Geschäftsräume wurden deshalb umfangreich gesichert. Kunden konnten nur eintreten, nachdem ihnen ein Sicherheitsmann geöffnet hatte.

Ein Fall für „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“

Dennoch schafften es beispielsweise im Juli 2017 zwei Täter, in den Verkaufsraum zu gelangen. Sie bedrohten die Angestellten mit einer Schusswaffe und konnten mit einigen Uhren fliehen – zu Fuß, da ihr Motorroller nicht ansprang. Der Fall wurde sogar in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ vorgestellt. Mittlerweile sitzen die beiden Männer in der Schweiz hinter Gittern.

Neben der hochpreisigen Ware bot Lindner zudem immer wieder Spezialitäten mit Lokal-Kolorit wie das Timmendorfer Seepferdchen als Anstecker oder den Timmendorfer-Strand-Ring mit einem Emailleband mit Motiven aus Timmendorf und Niendorf an. Zudem stiftete Mike Lindner viele Jahre lang Uhren mit feuerrotem Ziffernblatt für die örtliche Feuerwehr und die Jugendfeuerwehr. Sein Engagement begründet er damit, dass er dem Ort, in dem er so viel Positives erlebt habe, etwas zurückgeben wollte, sagt Lindner. „Da wir weiter in Timmendorfer Strand wohnen, werden wir auch in Zukunft die Entwicklung des Ortes genau verfolgen und uns einbringen, wo es Sinn ergibt.“

Niemand wird arbeitslos

Wie die Entwicklung des Lindner-Ladens weitergeht, ist noch offen. Die Übergabe an einen Juwelier sei wegen des schwierigen Umfelds der Branche nicht gelungen. Deshalb gehe der Laden an einen Mieter einer anderen Branche. Dazu liefen noch Gespräche. Die Lindner-Mitarbeiter haben alle bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden. „Das war uns wichtig“, sagt Mike Lindner.

Wer in das Ladenlokal an der Kurpromenade in Timmendorfer Strand einzieht, ist noch offen. Quelle: LN-Archiv

Im Rückblick blieben als schöne Erinnerungen viele Veranstaltungen, die „so oft mit einer guten Party endeten“ und Messebesuche, bei denen das Paar oft hochinteressante Schmuck- und Uhrendesigner getroffen habe. Ebenso die lehrreichen Uhren-Manufakturbesichtigungen mit Kunden. In Zukunft wollen die Lindners noch das eine oder andere Projekt in Timmendorfer Strand begleiten.

 

Susanne Peyronnet und Sabine Latzel

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