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Ostholstein Live-Übertragung aus Eutin: Ein Gottesdienst wird inszeniert
Lokales Ostholstein Live-Übertragung aus Eutin: Ein Gottesdienst wird inszeniert
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00:00 29.12.2012
Jede Menge Technik wurde gestern zur Michaeliskirche gefahren und dort ausgeladen. Der NDR ist mit 50 Mitarbeitern vor Ort.
Eutin

Die Zeit nach Weihnachten und bis Silvester ist eine ruhige? Aber nicht in der Michaeliskirche in Eutin. Gestern haben die Vorbereitungen für die Live-Übertragung des Gottesdienstes am 31. Dezember in der ARD begonnen, etwa 50 Mitarbeiter des NDR sind mit Lkw und jeder Menge Technik angerückt. Mittendrin: der evangelische Propst Matthias Wiechmann und der katholische Dechant Jürgen Wätjer, die den ökumenischen Gottesdienst gemeinsam gestalten und sich seit dem Frühjahr mit dem Fernseh-Ereignis beschäftigen.

„Einen derartigen Aufwand habe ich nicht erwartet“, sagt Propst Wiechmann . Eine erste Anfrage seitens des Fernsehens habe es im April gegeben, und bei einer Ortsbegehung im Mai sei die Entscheidung für St. Michaelis und nicht für die katholische Marienkirche gefallen.

„Das Umfeld der Michaeliskirche bietet mehr Platz, die Wahl wurde aus technischen Gründen getroffen“, erklärt der Propst. Er und Dechant Wätjer trafen sich mehrfach zum Gedankenaustausch, reichten im September ihr Konzept ein, und dann erfolgte eine ausführliche Vorbesprechung im Oktober.

Entscheidend aber ist natürlich der Live-Auftritt vor der Kamera, und dafür gab‘s gestern Tipps vom Profi. TV-Trainer Stephan Born übte drei Stunden lang mit dem Propst, dem Dechanten und den Lektorinnen Uschi Richert und Gabriele Appel — die Frauen werden Lichter entzünden, Fürbitten sprechen und einen Psalm lesen. „Sie müssen fernsehgerechtes Verhalten einüben“, macht Born dabei klare Ansagen: „In die Kamera gucken, aktiv zuhören, richtig umdrehen, einen Bogen laufen statt geradeaus, damit die Kamera entsprechend folgen kann.“ Am wichtigsten sei Freundlichkeit, „übertrieben, zu 130

Prozent“. Konzentration auf minutiös abgestimmte Abläufe, die Predigten, das Licht und die Kameras — all das verursache Stress, so Born, „und dann friert die Mimik ein, ohne dass die Betroffenen es merken“. Die Folge: „Der Zuschauer fragt sich: Warum gucken die denn so grimmig?“

Dechant Wätjer hat bereits Fernseh-Erfahrungen bei zwei Gottesdiensten für das ZDF gesammelt. „Wichtig ist, dass nicht einfach ein Gottesdienst abgefilmt wird, sondern dass wir Menschen erreichen, die weit weg sind“, sagt er. Anspannung sei da, meint Propst Wiechmann, „aber ein Gottesdienst ist ja immer auch eine Inszenierung, die jetzt durch das Medium Fernsehen überpointiert wird“. Über Äußerlichkeiten müssen sich Propst und Dechant keine Gedanken machen. Wiechmann wird wie gewohnt einen schwarzen Talar und das Propstkreuz tragen — fernsehtaugliche Farben bietet er damit zwar nicht, „doch ich möchte keine Stola umlegen, weil ich das sonst auch nicht mache und authentisch bleiben will“. Dechant Wätjer wird einen Hauch farbenfroher erscheinen, mit schwarz-weißem Talar und besticktem Chormantel.

Begrüßung und Predigten zusammen werden zehn Minuten innerhalb des 45-minütigen Gottesdienstes einnehmen, das Thema lautet: „Auf der Schwelle — rückwärts verstehen, vorwärts leben.“ Für Eutin sei die Übertragung etwas Besonderes, findet der Propst, „eine Herausforderung und Freude“. Dechant Wätjer freut sich über die „Ehre, dass Eutin ausgewählt wurde und dass man uns das zutraut“. Die Einlasskarten sind vergeben, aber wer keine hat, muss sich nicht grämen, sondern kann am Montag von 16.40 bis 17.25

Uhr bequem vom Sofa aus dem lauschen, was Ostholsteins Kirchenvertreter zu sagen haben — und vielleicht darauf achten, wie sie das beim Fernseh-Training Erlernte umsetzen.

Wichtig ist, dass wir Menschen erreichen,

die weit weg sind.“ Dechant Jürgen Wätjer

Für Eutin ist das etwas Besonderes, Herausforderung und Freude.“ Propst Matthias Wiechmann

Sabine Latzel

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