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„Man muss auch mal mutig sein“

Eutin „Man muss auch mal mutig sein“

Eutins scheidender Bauamtsleiter Bernd Rubelt zieht Bilanz: Allzu oft regiert der Detailfetischismus.

Eutin. Lübecker Nachrichten: Bei Ihrem Amtsantritt 2011 haben Sie „einen Haufen Arbeit und drei offene Stellen im Fachbereich Bauen“ vorgefunden. Was wird Ihr Nachfolger vorfinden?

 

LN-Bild

Bernd Rubelt vor einem „Prunkstück der Stadtsanierung“– den Torhäusern.

Quelle: Foto: Benthien

Bernd Rubelt: Personal ist immer ein Thema. Zur Stadtsanierung haben wir mit vier Stellen aufgerüstet. Insgesamt gibt es 22 Stellen in der Bauverwaltung, derzeit ist keine unbesetzt.

Einen Haufen Arbeit gibt es immer noch.

LN: Sie haben das Bauamt damals als wichtige Schnittstelle bezeichnet und wollten die Kommunikation zwischen Amt und Bürgern verbessern. Ist das gelungen?

Mit Bürgerforen und großen Veranstaltungen haben wir für Eutin eine komplett neue Form der Beteiligung geschaffen. Diese Art, mit dem Bürger in Kontakt zu treten, ist wichtig, um Stimmungen einzufangen. Wir haben auch eine Art Beschwerdemanagement eingeführt, an dem maßgeblich der Baubereich, insbesondere der Fachdienst Tiefbau- und Grünflächen, beteiligt ist. Etwa 80 bis 90 Prozent der Beschwerden landen dort.

LN: Eutin hat das Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept), das Einzelhandelskonzept, die Hotelstudie. Wird daraus genug Nutzen gezogen?

Ja, sie sind intensiv in der Umsetzung. Wir haben gerade die letzten B-Pläne in Aufstellung gebracht. Das Isek ist der rote Faden, der für alle Maßnahmen, die Stadtsanierung und die Landesgartenschau ausgelegt wurde. Aber auch die Hotelstudie war prägend. Sie hat den Finger in die Wunde gelegt: Ihr habt einen wunderbaren Standort, entwickelt ihn. Wir sind da stark eingestiegen, auch die Politik hat das ernst genommen.

LN: Die Verkehrsplanung ist ins Stocken geraten, beim Radwegenetz gibt es kaum Verbesserung.

Wir haben uns sehr stark mit Prozessen beschäftigt. Dann ging es drei Schritte vor, drei wieder zurück. Es gab eine erste Arbeitsliste, die durch Detaildiskussionen gestoppt wurde. Auch der Verkehrsversuch sollte mehr Klarsicht bringen. Aber auch er ist verschoben worden. Beim Radwegenetz gab es nur punktuell Verbesserungen, aber nicht im Sinne einer konzeptionellen Arbeit. Seit 2011/2012 sind wir an dem Thema dran. Wir hatten zunächst eine Arbeitsgruppe, jetzt haben wird den Mobilitätsbeirat. Die Schwierigkeiten sind dieselben geblieben.

LN: Die Landesgartenschau nach Eutin geholt zu haben, ist in allererster Linie Ihr Verdienst. Sie hat Eutin bekannter gemacht. Vermutlich wird die Stadt davon profitieren. Die Besucherzahl blieb allerdings deutlich unter den Erwartungen. Ihr persönliches Fazit?

Das ist ein herausragendes Projekt und ein großer Erfolg für die Entwicklung der Stadt. Völlig unabhängig von den Besucherzahlen hat die Landesgartenschau eine Menge an Investitionen in die Stadt gelenkt. Die Stadt hat die wesentlichen Ziele des Stadtentwicklungskonzeptes anpacken können. Der Erfolg ist daran zu erkennen, dass im Seepark junge Menschen dieses neue Element mit Freude aufnehmen und nicht mehr im Schlossgarten Vandalismus betreiben. Als Erfolg ist auch zu werten, dass die Stimmung und die Bekanntheit gestiegen sind. Tourismus und Kultur werden künftig ebenso von der größeren Bekanntheit, der baulichen Erneuerung profitieren. Der volkswirtschaftliche Nutzen der LGS stand immer im Vordergrund.

LN: Was rechnen Sie selbst sich in Ihren sechs Jahren hier als Erfolg an?

Das sollen andere bewerten. Kern meiner Arbeit war, die Stadtsanierung zu etablieren, auch verwaltungsmäßig. Die Landesgartenschau zu planen und durchzuführen, war ein weiterer Schwerpunkt. Es gab viele andere Themen, die nicht so im Fokus stehen, aber meine Arbeit geprägt haben: die gesamte bauliche Entwicklung, viele Hochbauten, städtische Bauten, die Straßenunterhaltung. Auch die Gemeinde Süsel hat viele planerische Entwicklungen gehabt, die begleitet werden mussten.

LN: Was war der größte Flop?

Die verkehrliche Entwicklung. Da haben meine Mitarbeiterinnen und ich sehr viel Arbeit investiert, und wir sind eigentlich nicht wirklich voran gekommen.

LN: Woran lag es ? Ist die Selbstverwaltung nicht mutig genug, ihre Beschlüsse durchzuziehen?

Ja, man muss vielleicht mal den Mut haben, was auszuprobieren und das auch dem Bürger bewusst 'rüberzubringen. Und dann muss man es auch aushalten, wenn es nicht funktioniert. Es spielt natürlich auch eine Rolle, dass wir einen Detailfetischismus haben, der nicht zu bremsen ist. Die Menschen vergessen oft den roten Faden: Warum machen wir solche Dinge überhaupt?

LN: Auf der Heinteichkoppel wird gebaut, für die Sonnenkoppel stehen die Bauwilligen in den Startlöchern. Wo hat Eutin weiteres Potenzial?

Das ist eine schwierige Sache. Dafür muss die Stadt grundlegend neue Bedingungen schaffen. Ein wichtiger Baustein wird gerade von den Stadtwerken angegangen: die Entwässerung an der Blauen Lehmkuhle, damit weiter nachverdichtet werden kann und gegebenenfalls neue Baugebiete entstehen können. Wir müssen mit der besonderen naturräumlichen Lage der Stadt strategischer und vorausschauender planen. Und wir müssen Bauland im Innenbereich entwickeln.

LN: Rechnen Sie im Jahr 2018 mit einem Baubeginn für die Jugendherberge?

Das Jugendherbergswerk muss seine Fördermittelsituation klären. Sie haben uns mitgeteilt, dass sie weiterhin zu Eutin stehen. Das ist ein wichtiges Signal. Aber vielleicht wäre es auch klug, wenn sich die Stadt für diesen Standort eine Alternative überlegen würde.

LN: Eutin steckt mitten in der Innenstadtsanierung – begleitet von heftigem Gegenwind. Er wird vermutlich die nächsten Jahre andauern. Hält die Stadt das aus?

Das muss Eutin beantworten. Ich bin immer für strategische Entscheidungen. Wir müssen die Altstadt sanieren, weil wir in einer Phase sind, in der Eutin sich bewegen muss. Stillstand ist Rückschritt. Wir brauchen einen strukturellen Wandel. Der Einzelhandel und die Altstadt brauchen Impulse. Wenn Eutin diese Chance vor dem Hintergrund dieser Fördermittelkulisse nicht nutzt, wird es sie so nicht noch mal geben. Dann wird es in zehn Jahren vielleicht heißen, ihr habt es damals gewusst, im Isek stand es drin, die Analyse war eindeutig, und ihr habt nur die Bänke ausgetauscht.

LN: Wenn am 7. Mai keine Mehrheit für den Erhalt des Haus des Gastes zustande kommen sollte, dann. . .

. . . ist endlich der Weg frei für eine zukunftsgerichtete Hotelentwicklung, die wir dringend brauchen.

LN: Die Sieger des Architektenwettbewerbes für die Historische Reithalle werden am 12. Mai gekürt. Wenn das Haus des Gastes saniert werden müsste, welche Folgen hätte das für die Reithalle?

Keine. Die Reithalle ist Pflicht, das Haus des Gastes zu sanieren, wäre grober Unfug. INTERVIEW: ULRIKE BENTHIEN

15 Bewerber

Im März 2011 trat Bernd Rubelt (49) das Amt als Leiter der Fachbereiches Bauen in Eutin an. 2013 wurde er auch Geschäftsführer der Landesgartenschau-Gesellschaft. Vom 15. Mai an ist Rubelt Baudezernent in Potsdam und übernimmt eine Behörde mit 440 Mitarbeitern.

Für seine Nachfolge haben sich 15 Bewerber aus ganz Deutschland, darunter drei Frauen, gemeldet. Die Bewerbungsfrist endete am 9. April. Vorgesehen ist, die Stelle als Bauamtsleiter/in zum Oktober wieder zu besetzen. Vorstellungsgespräche sollen Anfang bis Mitte Mai stattfinden.

LN

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