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Ostholstein Marathonschwimmen im Belt: Eine einsame Herausforderung
Lokales Ostholstein Marathonschwimmen im Belt: Eine einsame Herausforderung
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21:21 07.08.2018
Mit Sale Savel startete das Marathonschwimmen Beltquerung ins Jubiläumsjahr.
Fehmarn/Rødby

Bereits in der vergangenen Woche startete – von der Öffentlichkeit gänzlich unbemerkt – der Österreicher Sale Savel. Der 37-jährige frühere Triathlet ist kein Unbekannter: Er überwand 2012 erstmals die – je nach Strömung – bis zu 25 Kilometer lange Fehmarnbelt-Route. Elf Stunden und 28 Minuten bedeuteten bislang Platz 28 in der Rekordliste der Solo-Beltquerungen, die übrigens Männer und Frauen gemeinsam führt. Diesmal schaffte es Savel sogar in 5:51 Stunden. Jetzt ist er Vierter in der Beltrekordliste, bestätigte Veranstalter Jens Glaeßer.

Sonnenschein pur, zuerst Windstille und Top- Wassertemperaturen: Für die Marathonschwimmer, die den Belt zwischen Fehmarn und Rødby queren, sind die Startbedingungen optimal. Doch auch im 20. Jubiläumsjahr bleiben ihre Rekordversuche fast ohne Publikum.

Gestern kurz vor 4.30 Uhr nachts startete der deutsche Langstreckenschwimmer Elmar Neitemeier in Puttgarden Richtung Dänemark. Für ihn war es eine Premiere. Nach 6:51 Stunden hatte er es trotz Wellengang geschafft. „Es bleibt spannend“, sagt Glaeßer. Denn mit Jürgen Zilian, dem ersten Flossen-Beltquerer, und Anke Höhne (erste Doppel-Solo-Beltquerung) wollen noch zwei erfahrene Athleten in diesem Jahr starten. Höhne absolvierte 2016 erfolgreich ihre Solo- Beltquerung, liegt derzeit auf Platz 18.

Trotz spektakulärer Rekordversuche: In der öffentlichen Wahrnehmung auf Fehmarn genießt das „Marathonschwimmen Beltquerung“ keinen hohen Stellenwert. Dabei gehört diese Strecke neben dem Ärmelkanal und der Straße von Gibraltar zu den weltweit wichtigsten Schwimm-Routen.

Vor 20 Jahren startete Veranstalter Glaeßer (aus dem hessischen Kronberg, seine Eltern leben in Burg) selbst das erste Beltschwimmen. Kurz davor hatte er den Querungsversuch der Argentinierin Maria Inés Mato im Ärmelkanal begleitet. „Da reifte bei mir die Idee, eine ähnliche Veranstaltung in Deutschland zu organisieren“, erinnert er sich. Er wählte mit dem Belt eine historische Route: Sie wurde 1939 vom Fehmaraner Karl-Heinz Rauert in 11:58 Stunden bewältigt. Glaeßer: „Seine damalige Leistung ohne digitale Hilfsmittel und heutige Trainingsmöglichkeit ist bewundernswert.“ Er liegt damit auf Platz 30 der Solo-Rekordliste.

Auf Fehmarn hat es sich nicht als Publikums-Veranstaltung durchgesetzt. Die Gründe sind vielfältig: kein direkter Wettkampf, die Schwimmer starten oft anders als geplant, landen abseits der Route oder brechen unterwegs ab. Versuche, Sponsoren zu finden, waren nicht von Dauer. Nur der Fähr-Konkurrent „easy line“ machte vor Jahren mit und organisierte sogar eine „Argentinische Woche“. Doch mit dem Ausstieg aus dem Vogelfluglinien-Wettbewerb, bevor er überhaupt begonnen hatte, war dies vorbei. Glaeßer dachte schon ans Aufhören – doch seine Leidenschaft für das Beltschwimmen siegte.

„Orca“ und andere Rekord-Schwimmer

Unerreicht bleibt die Leistung von Beltquerer Bruno Dobelmann mit dem Spitznamen „Orca“. Aufgrund seiner Statur (1,76 Meter, 110 Kilogramm) wurde er so genannt – und kokettierte selbst gerne damit.

2011 bewältigte er die Strecke von Deutschland nach Dänemark und zurück in 19 Stunden und 13 Minuten. Später scheiterte „Orca“ mehrfach an der Bodensee-Querung und verlor zwischenzeitlich sogar ganz den Spaß am Marathonschwimmen. Nächstes Jahr wird er 60.

Der Fehmarnbelt lockte bereits Sportler aus Argentinien, Japan, Indien, USA und vielen europäischen Ländern.

Erster „Belt-Bezwinger“ war 1926 Otto Kemmerich (Husum), der auch die Route von Fehmarn nach Warnemünde bewältigte. 1952 ertrank er bei einem Rekordversuch in der Nordsee.

www.beltquerung.de

Gerd-J. Schwennsen

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