Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Marode Kaserne: Warten auf den Abrissbagger
Lokales Ostholstein Marode Kaserne: Warten auf den Abrissbagger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:33 16.10.2015
Ein bisschen geht es doch voran: Gestern hat ein Arbeiter damit begonnen, den Asphalt vor dem Gebäude 24 aufzureißen. Quelle: Arnold Petersen
Anzeige
Eutin

An der Oldenburger Landstraße in Eutin sollte längst ein Bauzaun stehen, nicht für die Landesgartenschau, sondern für die Rettbergkaserne. Bereits für Anfang Oktober war der Abriss des Gebäudes 24 vorgesehen. Doch noch tut sich nichts. „Es ist nicht alles im grünen Bereich“, hat der ostholsteinische CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens, Mitglied im Berliner Verteidigungsausschuss, recherchiert. Aber er hat auch eine gute Nachricht: Da der Auftrag für die Arbeiten ergangen sei, verfielen die für das Projekt vorgesehenen Mittel nicht.

Die Soldaten in der Rettbergkaserne warten schon seit vielen Jahren vergebens und zunehmend ungeduldiger darauf, dass sie moderne und zeitgemäße Unterkünfte bekommen. Schon der inzwischen verstorbene Oberstleutnant Stephan Leistenschneider (Kommandeur von 2005 bis 2007) hatte bemängelt, dass die Stuben für die Soldaten nicht mehr zumutbar seien. Sowohl die Unterkünfte wie auch die Dusch- und Waschräume sind völlig veraltet. Oder, wie es Brigadegeneral Jürgen-Joachim von Sandrart vor einigen Monaten auf dem Eutiner Markt formulierte: „Der Standort Eutin ist zugleich attraktiv und indiskutabel.“ Die Rettbergkaserne sei marode und der schlechteste Standort in der Panzergrenadierbrigade 41. Klar ist auch: Es hilft nur ein Neubau, an der Substanz lässt sich nichts mehr renovieren oder sanieren.

Nach jahrelangem Planen, Organisieren, einem Stopp aller Pläne im Jahr 2010, weil der Standort Eutin nicht gesichert war, und einem Neubeginn der Planungen sollte es nun so weit sein: Baubeginn an der Oldenburger Landstraße. Doch offenbar gerät die Sache erneut ins Stocken. Laut Gädechens soll sich das Gebäude 24 aber mittlerweile im Rückbau befinden. Im Inneren werden Leitungen entfernt und Vorarbeiten geleistet, um das Gebäude, so der Fachausdruck, bis zum Abriss „kaltzustellen“. Gädechens berichtete weiter, das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) habe signalisiert, das Projekt Rettbergkaserne sei ziemlich schwierig. Die Ausschreibung sei zwar erfolgt, der Auftrag vergeben, die Firma habe aber mitgeteilt, es sei unklar, ob die Arbeiten jetzt zeitlich machbar seien und außerdem komme nun der Winter.

„Das alles ist für die Soldaten nach wie vor eine mehr als unglückliche Situation“, sagt Gädechens. „Die haben kein Verständnis mehr dafür, dass das so lange dauert. Das belastet die Truppe natürlich.“ Wenn die Bundeswehr laut Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einer der attraktivsten Arbeitgeber sein solle, gehörten auch zeitgemäße Unterkünfte dazu. Gädechens kündigte an, das Projekt Rettbergkaserne nicht mehr aus den Augen zu lassen. „Ich werde denen jetzt jede Woche auf den Füßen stehen.“

Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn will nicht locker lassen. Sie kümmere sich seit Jahren um eine Modernisierung der Kaserne, halte die Zustände für unwürdig für Soldaten, „die wir nach Afghanistan schicken“. Man könne sie nicht noch länger warten lassen. „Die Soldaten können sicher sein, dass ich mich der Sache annehme und Dampf dahinter mache“, so Hagedorn.

Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige