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Ostholstein Martin Grubinger – oder wenn Musik zu Sport wird
Lokales Ostholstein Martin Grubinger – oder wenn Musik zu Sport wird
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21:54 27.07.2018
Der 35-jährige Martin Grubinger gilt als bester Marimba-Spieler der Welt. Quelle: Foto: Fotonick
Altenkrempe

In die facettenreiche Welt der Trommeln entführte Martin Grubinger die Zuschauer bei seiner eindrucksvollen Show. Darin bot er Kompositionen aus Klassik, Beats, Salsa-Klängen und Elektromusik. So präsentierte er das Stück „Psappha“ von Iannis Xenakis, des „Schutzheiligen aller Percussionisten“, wie Grubinger ihn ankündigte. Nachdem er die verschiedenartigen Trommeln erklärte, legte er los – und wie. Virtuos tanzen die Sticks, klangen die Trommeln in einer sich immer wiederholenden Rhythmusfolge. Mal schepperte es, mal zauberte er minimalistische Klänge hervor, mal hielt er sekundenlang inne, um die Wucht der Trommel nachzuspüren. Nach dem letzten Aufbäumen brandete Jubel auf. „Jetzt muss ich erstmal durchschnaufen“, sagte Grubinger und holte tief Luft. Schweiß tropfte ihm von der Stirn, auch die Besucher klebten auf den Stühlen fest – sie waren nicht böse drum. In der ersten Hälfte der Show schwitzte Grubinger jedoch nicht alleine auf der Bühne. Per Rundberg am Klavier und Grubinger an der Marimba entfachten ein emotionales, liebliches, zurückhaltendes aber dennoch energiegeladenes Klangfeuer. Auch Schlagzeuger Rainer Furthner, der für Martin Grubinger senior eingesprungen war, und Slavik Stakhov zeigten ihr Können an den Instrumenten.

SHMF in Ostholstein

Das nächste Konzert auf Hasselberg findet am 2. August statt: Ein Meisterkurskonzert mit Nils Mönkemeyer. Außerdem: Am 3.August in der Kirche St. Fabian und St. Sebastian zu Rensefeld Stücke von Brahms und Schumann. 5. August: Wort-Musik-Collage „Krankenakte Robert Schumann“ im Maritim in Timmendorfer Strand.

Vor der Pause sorgte der österreichische Weltstar mit einem besonderes Stück für Gänsehaut. Bei „Aus dem Leben einer Trommel“ war die Scheune erfüllt von Geburt, Aufstieg, Rebellion, Zurückhaltung, Rhythmus, Kraft, Leben, Kampf und Tod. Als Grubingers letzte stotternden Worte aus dem Gedicht Schützengraben abebbten, brandete großer Applaus auf. Kurzes Luftholen draußen auf dem Areal.

Als alle wieder Platz gefunden hatten, zog der 35-Jährige das Publikum mit seinem Ausdruck während des Spiels sofort wieder in seinen Bann. Bei Salsa-Rhythmen blieb kein Zuhörer ruhig sitzen. Bei Grubingers Stick-Trick-Solo in völliger Dunkelheit zu Elektrobeats auf einer Marching-Trommel zeigte der Künstler einmal mehr den Facettenreichtum der Percussion. „Das hat nichts mit Musik zu tun, das ist eher Sport“, sagte er nach der Darbietung, bei der er mit leuchtenden Sticks Kunststücke einbaute. Seine Reise durch alle Epochen und Stile endete in einem Potpourri an Lieblingsstücken, die er mit Stakhov, Rundberg und Furthner beeindruckend präsentierte. Vor lauter Energie brach ihm sogar ein Schlegel.

Nachdem die Zuschauer Grubinger nicht gehen lassen wollten, gab es als „Betthupferl“ noch ein Stick-Trick-Stück von Grubinger und Furthner.

Beke Zill

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