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Ostholstein Maurerhandwerk braucht händeringend Azubis
Lokales Ostholstein Maurerhandwerk braucht händeringend Azubis
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10:08 24.08.2016
Innungsobermeister Ralf Hoffmann (l.) und Maurermeister Frank Lutz begutachten ein Gesellenstück. Nur sieben Auszubildende haben in diesem Jahr an der praktischen Prüfung teilgenommen. Quelle: T. Klatt
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Neustadt/Eutin

Den Handwerksbetrieben in Ostholstein macht der Fachkräftemangel zunehmend zu schaffen. „Wir könnten deutlich mehr Aufträge annehmen und auch schneller abarbeiten – uns fehlen aber die Leute“, sagt Maurermeister und Ausbilder bei der Kreishandwerkerschaft Frank Lutz. In seinem jüngsten Maurerlehrgang hatte Lutz in dieser Woche gerade noch sieben Auszubildende in der praktischen Prüfung zu betreuen.

„Uns fehlen einfach die Leute.“Frank Lutz, Ausbilder

Seit Jahren kämpft die Baubranche gegen schrumpfende Bewerberzahlen. Als Ursache für fehlende Bewerber sieht Dipl.-Ing. Ralf Hoffmann, Obermeister der Baugewerbeinnung in Ostholstein, unter anderem das schlechte Image vieler handwerklicher Ausbildungsberufe. „Es hat Imagekampagnen gegeben, wir sind in die Schulen gegangen, motivieren unsere Betriebe Praktikumsplätze anzubieten oder auszubilden – bisher hat das alles leider nur wenig gefruchtet.“

An der Ausbildungsvergütung kann es aus Hoffmanns Sicht nicht liegen: „Maurerlehrlinge erhalten im Spektrum der Handwerksberufe die höchste Vergütung und stehen auch bei den übrigen Berufen ganz weit vorne.“ Das schlechte Image sei vielmehr darin begründet, dass viele Elternhäuser ihren Kindern ein falsches Bild von Handwerksberufen vermittelten. Hinzu kommt: Immer weniger Betriebe würden ausbilden, da es an qualifizierten Bewerbern fehle. „Auch im Baugewerbe werden die Ansprüche immer höher, so dass viele Schüler einfach nicht die notwendigen Voraussetzungen mitbringen“, sagt Frank Lutz.

In der Hoch- und Tiefbaufirma Gollan in Beusloe versteht man die eigenen Anstrengungen, Auszubildende für einen Ausbildungsplatz im Baugewerbe zu gewinnen, als „größte Waffe gegen den Fachkräftemangel“. Man sei direkt an Schulen herangetreten, habe auf Elternabenden Präsenz gezeigt oder Kooperationsverträge mit Schulen abgeschlossen, erläutert Ausbildungsleiterin Annekathrin Schmidt. Die Rechnung geht bisher auf beiden Seiten auf: Rund 80 Prozent der Auszubildenden werden nach der Ausbildung übernommen.

Der Fachkräftemangel macht indes nicht nur der Baubranche zu schaffen. „Mittlerweile sind fast alle Bereiche betroffen“, bedauert Kreishandwerksmeister Ulrich Mietschke. Das bestätigt auch Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. Kurz vor Ausbildungsbeginn seien noch rund 50 Lehrstellen im Handwerksbereich unbesetzt. Immerhin habe es bei den bisher unterzeichneten Lehrverträgen ein kleines Plus von 2,6 Prozent gegeben. Insgesamt wurden in Ostholstein 401 Lehrverträge unterschrieben. Zumindest ein kleiner Lichtstreifen am Horizont des Handwerker-Himmels.

 Thomas Klatt

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