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Ostholstein Mehr Eltern als Beschäftigte gewinnen
Lokales Ostholstein Mehr Eltern als Beschäftigte gewinnen
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20:18 03.09.2013
Elke Sönnichsen (ASB) versucht, die Arbeitszeiten ihrer Kollegen an deren Bedürfnisse anzupassen.

Im Kreis macht sich der Fachkräftemangel immer stärker bemerkbar und das in vielen Branchen. Arbeitgeber sollten sich daher Potenziale erschließen, denen sie bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Eltern müssten vermehrt für den Arbeitsmarkt gewonnen werden, empfahlen gestern die Agentur für Arbeit Lübeck und das Jobcenter Ostholstein Unternehmern aus der Region.

Wolfgang Werner (Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur) und Karsten Marzian (Geschäftsführer Jobcenter) warteten in der Unternehmer-Mittagspause in den Räumen der Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön mit eindrucksvollen Zahlen auf. „Ein Fünftel der Stellenvergaben läuft nicht mehr glatt. Es müssen zum Teil über 80 Arbeitstage aufgewandt werden, um einen Arbeitsplatz zu besetzen“, trug Werner vor. Unternehmer würden sich im Verfahren stets fragen: „Wo kann ich und wo will ich Abstriche machen?“ Besonders groß seien die Besetzungsschwierigkeiten im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, erwähnte Werner. Nur langsam reife die Erkenntnis, dass man sich Gruppen zuwenden müsse, die bisher nicht im Fokus gestanden haben, räumte Marzian ein. Am gestrigen bundesweiten „Aktionstag — Jobs für Eltern“ seien daher kreisweit 1500 Betriebe mit mindestens fünf Beschäftigten angemailt worden, um diese für das Thema zu erwärmen.

Wie Eltern für den Arbeitsmarkt gewonnen werden können, indem es ihnen erleichtert wird, Familie und Beschäftigung in Einklang zu bringen, schilderte Elke Sönnichsen den anwesenden Unternehmern.

Die Pflegedienstleiterin des Arbeitersamariterbundes (ASB) Heiligenhafen/Fehmarn hat 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „und es ist wichtig, dass alle unser Modell mittragen“, betonte sie.

So gebe es beim Ambulanten Pflegedienst Elterntouren, die speziell auf Mütter zugeschnitten seien, damit diese vor und nach dem Dienst ihren Nachwuchs zum Kindergarten bringen und wieder abholen könnten. Alleinerziehende könnten von Abenddiensten und Rufbereitschaft ausgeklammert werden, die Mitarbeiter könnten ein Arbeitszeitstundenkonto einrichten, geeignete Arbeit von zuhause aus erledigen, bei bestimmten Tätigkeiten ihre Kinder nachmittags mit zur Arbeit nehmen. Es liege eine Dienst-Wunschliste aus — die natürlich auch für alle anderen Mitarbeiter gelte —, der ASB habe viele Teilzeitverträge und geringfügig Beschäftigte.

Elke Sönnichsens „Empfehlungen, Ideen und Anregungen“ sollten den Anwesenden viel Gesprächsstoff für die Mittagspause liefern, hoffte Wolfgang Werner. Auch Kathrin Kunkel vom Jobcenter bot den Unternehmern, die Eltern beschäftigen und das vermehrt tun wollen, sowie Arbeitnehmern selbst Hilfe an: bei der Suche nach Tagesmüttern, bei erforderlicher Notfall- und Ferienbetreuung (Kontakt kathrin.kunkel@jobcenter-ge.de). Sie schreckte die Anwesenden mit der Aussage auf: „Bei der Sana-Klinik laufen die Ärzte davon. Viele wechseln nach Kiel, weil dort die Kinderbetreuung besser ist.“

Aus Malente wusste sie von ähnlichen Problemen zu berichten. Doch wollten sich die dort ansässigen vier Kliniken jetzt zusammentun und eine gemeinsame Kindertagespflegekraft einstellen, um Fachkräfte, beispielsweise Psychologinnen, zu halten.

Weniger Erwerbstätige
Bis 2025 ist damit zu rechnen, dass in Ostholstein die Zahl erwerbstätiger Frauen und Männer um rund zwölf Prozent (doppelt so stark wie in Schleswig-Holstein) sinken wird. Das entspricht rund 15 000 Menschen.

3000 Eltern suchen im Kreis derzeit mit Hilfe von Jobcenter und Arbeitsagentur eine neue Beschäftigung.

Ulrike Benthien

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