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Ostholstein Mehr Power für Ostholsteins Windkraft
Lokales Ostholstein Mehr Power für Ostholsteins Windkraft
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21:16 06.09.2013
Stoßen auf die Zukunft an: Klötzins Windpark-Geschäftsführer Werner Fleckhaus und Planer Eike Brandes. Quelle: Foto: Holger Marohn

Ostholsteins Windkraft kommt auf Touren. Acht neue moderne Windkraftanlagen sind gestern offiziell in Betrieb genommen worden. Aufgrund der Restriktionen durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) sind es nach Einschätzung von Fachleuten vorerst aber die letzten Anlagen im Nordkreis.

„Wir sind einfach erleichtert, dass die Anlagen endlich laufen“, sagt Werner Fleckhaus, Geschäftsführender Gesellschafter des Windparks Klötzin. Sieben Investoren, neben fünf aus der Region auch zwei aus Nordrhein-Westfalen und München, haben insgesamt sieben Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Vielleicht sind es auch zehn Millionen. Geschäftsführer Fleckhaus will damit nicht so recht rausrücken. „Je nachdem, ob man die Mehrwertsteuer mitrechnet oder nicht“, sagt er und hofft auf begrenzte Rechenkünste seines Gegenübers.

Drei jeweils 100 Meter hohe E-70-Anlagen des Auricher Herstellers Enercon haben die Investoren in Klötzin gebaut. Sechs fast 15 Jahre alte kanadische Tacke-Anlagen mussten dafür weichen. Mit denen hatten die Eigentümer wenig Glück. Erst waren die Flügel schlecht verklebt und lösten sich. Bevor dann neue geliefert werden konnten, ging der Hersteller in die Insolvenz. „Da haben wir nicht viel Geld mit verdient“, sagt Windmüller Jörg Hagmann-Thomas, einer der Gesellschafter. Als am Donnerstagabend die letzten beiden alten Windräder „gefallen“ seien, habe er mit dem Kapitel abgeschlossen.

Ein Teil der abgebauten Anlagen gehe nach Osteuropa und soll dort als Ersatzteillager dienen, der Rest wird verschrottet. „Die haben eine so alte Technik, die will hier in Deutschland keiner mehr haben“, sagt Fleckhaus. Und selbst wenn dem so wäre, wäre das für die Windmüller voraussichtlich ein schlechtes Geschäft. Denn die volle Einspeisevergütung für Repoweringvorhaben gibt es nur dann, wenn die Altanlagen nicht wieder in Deutschland aufgebaut werden.

Ähnlich war es auch beim Windpark Lensahn, wo drei 100-Meter- Neuanlagen drei Altanlagen ersetzten. Wenige hundert Meter weiter sind es zwei 150 Meter hohe Windmühlen, die ersten dieser Größe in Ostholstein, die seit wenigen Tagen Strom ins Netz einspeisen. Ein Festtag für Ostholsteins Windmüller.

Feiern wollten demnächst eigentlich auch die Windmüller in Neuratjensdorf und Löhrsdorf. Doch daraus wird dort und anderswo zwischen Lensahn und Fehmarnsund vorerst nichts. Die Deutsche Flugsicherung hat ein Veto gegen weitere Anlagen im 15-Kilometer-Radius um das Drehfunkfeuer am nordwestlichen Ortsrand von Heringsdorf eingelegt. Ein Veto, das nach Angaben des Kieler Energiewendeministeriums einem Bauverbot gleichkommt. Eine bittere Erkenntnis für Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne).

Immerhin hatte Kiel entsprechende Ankündigungen der Flugsicherung bei der Aufstellung des Regionalplanes zum Ausbau der Windkraft noch in den Wind geschlagen. Offiziell „geprüft und rechtssicher abgewogen“ waren die Stellungnahmen in den Plan nicht eingeflossen, zumindest nicht so, dass Fachleute es erkennen konnten. Seitdem herrscht Unruhe im Windmüller-Land Ostholstein. Bedrohen die Einwendungen doch Investitionen von etwa einer Milliarde Euro. Um zu retten, was noch zu retten ist, bittet Energiewendeminister Habeck am Montag die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden in Eutin zum Gespräch.

Zu den Banken, die diese Investitionen finanzieren, gehört auch die Sparkasse Holstein. „Die Windkraft ist neben dem Tourismus und der Landwirtschaft eines der wesentlichen wirtschaftlichen Standbeine der Region“, sagt Joachim Wallmeroth, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Zumindest in Klötzin, Lensahn und Damlos drehen sich nun neue Windräder. Darüber freuen sich in Heringsdorf auch die Feuerwehr, der Kindergarten und der Sportverein. Für jede der Einrichtungen gibt es von den Klötziner Windmüllern 500 Euro. Zusammen 1500 Euro — für eine solche Summe muss eines der neuen Windräder an zwei durchschnittlichen Tagen Strom erzeugen. Wenn alles heil bleibt.

Die neuen Windriesen
27 Millionen Kilowatt-Stunden Strom produzieren die acht neuen Windräder voraussichtlich im Jahr. Energie, die ausreicht, um alle Einwohner einer Gemeinde von der Größe von Grömitz ein Jahr lang mit Strom zu versorgen — wenn sich die Mühlen immer genau dann drehen würden, wenn der Strom auch gebraucht wird.

305 Windkraftanlagen gibt es derzeit etwa in Ostholstein. Die installierte Leistung beträgt circa 430 Megawatt. Grob geschätzt könnten durch die Ausweisung der neuen Eignungsflächen in Ostholstein 210 Anlagen hinzukommen. 140 davon würden voraussichtlich im Sicherheitsbereich der beiden Drehfunkfeuer stehen.

Holger Marohn

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