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Mehr als nur Medizin: Vor 20 Jahren startete Uni durch

Uni Mehr als nur Medizin: Vor 20 Jahren startete Uni durch

Informatik kam als zweiter Studiengang.

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Helge Illig (r.), IT-Betriebsleiter an der Uni, erzählt Studentin Susan Mielke und Prof. Stefan Fischer Erstsemester-Geschichten von 1993.

Sie hatten ein bisschen den Status von Außerirdischen, die neuen Informatik-Studenten — 29 an der Zahl — , die vor 20 Jahren erstmals den Lübecker Uni-Campus betraten. „Was sind denn das da für welche, die ständig hinter ihren Rechnern rumhängen? So ungefähr war es in den Mienen der Kommilitonen aus der Medizin zu lesen“, erinnert sich Diplom-Informatiker Helge Illig. Der heutige IT-Betriebsleiter an der Hochschule gehörte damals zu den Studienpionieren, die sich rund 1500 angehenden Medizinern gegenüber sahen. „Durch die Vertiefungsrichtung Medizinische Informatik ist man sich natürlich auch begegnet“, erzählt er.

Inzwischen sind aus den 29 „Erstis“ in dem wegweisenden Studiengang über 700 Informatik-Studierende geworden, und die Gesamtzahl der Studierenden ist von rund 1500 im Jahr 1993 auf inzwischen 3600 hochgeschnellt. „Die Informatik war für uns der Türöffner, so dass wir uns zu einer Hochschule mit einer Reihe neuer, erfolgreicher Studiengänge im MINT-Bereich, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, entwickeln konnten“, betont Uni-Präsident Prof. Peter Dominiak. Ansonsten wäre man den Weg der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gegangen mit der Fokussierung auf nur ein Fach. Nur durch die Verknüpfung von Medizin und Informatik und damit der Gründung einer Technischen Fakultät habe aus der Medizinischen Universität zu Lübeck die Universität zu Lübeck mit jetzt acht Studiengängen werden können. „Nächsten Monat geht die Psychologie an den Start“, so Dominiak.

Helge Illig konnte damals — dank des neuen Angebotes — nach dem Abitur am Lübecker Katharineum in seiner Heimatstadt bleiben. „Das war eine sehr gute Entscheidung; zwar musste sich in der ersten Zeit vieles erst einlaufen“, berichtet er, „aber wir hatten dafür keinerlei Wartelisten bei den Veranstaltungen, wie es ansonsten bei großen Unis der Fall ist.“ Rückblickend zieht er das Resümee: „Diese Entwicklung an unserer Hochschule ist schon der totale Wahnsinn.“

Dass der Studiengang vor zwei Jahrzehnten überhaupt entwickelt werden konnte, ist dem Institut für Medizinische Informatik mit seinem Direktor Prof. Siegfried Pöppl zu verdanken. Diesem Gründungsinstitut sollten dann noch in den Folgejahren insgesamt zwölf Institute mit Informatik-Bezug folgen. Einige von ihnen waren im Stadtgebiet verstreut. Deshalb wurde der Bau des neuen Informatik-Gebäudes, Haus 64, auf dem Campus als weiterer Meilenstein empfunden; im März 2004 konnten die Wissenschaftler einziehen. Im November 2011 war das nötig gewordene, zusätzlich aufgesetzte Stockwerk auf Haus 64 bezugsfertig.

„Ich knobele und tüftele gern am Rechner, um Probleme zu lösen“, bekennt Master-Studentin Susan Mielke. Es sei also nicht unbedingt der Reiz der Technik, warum sie sich für die Informatik entschieden habe. Dass sie sich keine Sorge um einen zukünftigen Arbeitsplatz machen müsse, sei natürlich ein schöner Begleiteffekt ihrer Studienwahl. Prof. Stefan Fischer, Vorsitzender der Sektion Informatik und Technik — dazu gibt es noch die beiden Sektionen Naturwissenschaften und Medizin an der Uni —, erklärt: „Die sogenannte Bindestrich-Informatik, also die Kombi mit einem anderen Fach, wie zum Beispiel Medizintechnik, zieht nach wie vor junge Leute an, so dass wir an weitere Studienangebote denken.“ Aktuell werde an einer Verknüpfung mit dem Inhalt Unternehmertum, also Entrepreneurship, gearbeitet.

Michael Hollinde

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